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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 01.09.2014

Nach dem Urlaub ist alles wie vor dem Urlaub.

Nur, dass man nach dem Urlaub noch mehr Lust auf Urlaub hat.

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Als ich klein war, wollte ich Winnetous kleine Schwester Nscho-tschi werden. (© Rialto Film Preben Philipsen Filmproduktion)

Zurück aus dem Urlaub, stürzt man mitunter in eine Sinnkrise. Weil man findet, Besseres verdient zu haben, als Lebenszeit mit Geldverdienen zu verplempern. Da mein Plan, eine mehrjährige Auszeit zu nehmen, die Kinder auf einem in der Ägäis gaukelnden Kahn zu ­unterrichten und fortan schlicht, aber glücklich vom Fischfang zu leben, in der Familie gering geschätzt wurde („krass durchgeknallt, Mama?“), ordne ich mich aber großmütig den Sachzwängen unter. Eines der grausamsten Rituale nach dem Urlaub ist, sich Urlaubsgeschichten anzuhören und mit müdem „toll!“, „super“, „Wahnsinn!“ kommentieren zu müssen. Kollegin A. töpferte drei Wochen in der Toscana vor sich hin („toll!“), Kollege E. besuchte einen „Vergebungs-Workshop“ im ligurischen Appenin („häh? Ah, toll!“), und beteuert, dabei frühkindliche Kränkungen überwunden zu haben. Ich gratuliere ihm dazu herzlich und überlege, ab wann man eigentlich zu alt ist, um alles, was schiefläuft, auf die Eltern abzuwälzen.

Angenommen, meine in ihren Endsechzigern befindlichen Kinder bauen sich später vor mir (tattrig, im Schaukelstuhl des Seniorenheims) auf und werfen mir brutale Wahrheiten an den Kopf: „Du hast mich, als ich vier war, zwei Mal zu spät vom Kindergarten abgeholt! Das konnte ich nie verwinden!“ „Und mich hast du immer weniger ­gelobt als DEN DA (verächtlicher Blick auf den jungen, dann 59-jährigen Bruder), wenn ich Kacksi in den Topf gemacht hab!“ Hmm. Soll ich den Kleinen dann raten, einen Vergebungs-Workshop im Appenin zu besuchen? Oder mir besser das Hörgerät gar nicht einsetzen? Ich finde ja, man soll der Brut nicht automatisch die Chance nehmen, die Verantwortung für ihr Leben abzugeben. Am Ende müssten sie die Verantwortung selbst übernehmen, das sollten Eltern ihren Kindern also wirklich ersparen. Hoffentlich nur eine Nachwirkung des Urlaubs ist übrigens meine Vergesslichkeit. Seit zehn Tagen denke ich darüber nach, warum ich mir „Palm-Test, dringend!“ im Kalender eingetragen habe. Will ich Zimmerpalmen testen? Will ich Palmers-Verkäuferin werden? Zuzutrauen ist mir alles. Mindestens bis zum zehnten Lebensjahr wollte ich Winnetous kleine Schwester Nscho-tschi werden, danach lieber Uschi Glas, weil sie von „Bravo“ den „goldenen Otto“ bekam und ich dringend auch einen Otto wollte. Dafür hat es leider bis heute nicht gereicht. Apropos Bravo:­ Während des Rückflugs vom Urlaub las ich in einem Magazin, dass Dr. Sommer von Bravo aus Einsparungsgründen gekündigt wurde. Das hat mich weniger erschüttert als die Erkenntnis, dass Dr. Sommer kein sonoriger Herr, sondern eine blonde Frau ist. Schade, dass ich nicht mehr zwölf bin, sonst könnte ich Dr. Sommer werden wollen. Eigentlich bräuchte ich bald Urlaub.