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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 09.09.2014

Immer drei Handys dabei

Mir kommt vor, die ganze Welt ist überlastet. Mit Schulden, mit Arbeit, mit Freizeit, mit Infos. Jeder ächzt und stöhnt und keiner schafft mehr fünf von fünf Empfangsstrichen, weil:

Die Telefonnetze sind auch überlastet. Wien, ein einziges Funkloch. Menschen, die auf Handyempfang angewiesen sind, tragen drei Handys von drei Netzanbietern bei sich, ich will hier keine Namen nennen. Jedenfalls wollen diese Menschen das Äußerste, nämlich immer und überall fünf von fünf Empfangsstrichen. Oder zumindest drei. Meinetwegen zwei, wenn sie konstant bleiben, egal wie matschig der Acker ist, auf dem man gerade steht, das Handy eisern umklammernd, die Füße im schmatzenden Schlamm. Zwei von fünf Strichen, man will nie wieder weg von diesem Garten Eden des Empfangs, nie wieder schuld sein, wenn das Gespräch abreißt, nie wieder Telefonate führen wie dieses:

 Anrufer: "Haalooohh? Hörst du mich?" Frau: "Hallo? Ja, ganz schlecht, geh irgendwohin, wo dein Empfang besser ist!" Anrufer: "Ich hab vier von fünf Strichen, muss an deinem Empfang liegen!" Frau, brüllend: "Was? Hallo?" Anrufer: "Ich sagte…" Frau, kreischend: "Hallo?" Anrufer schickt SMS: "Lern endlich telefonieren." Frau schickt SMS zurück: "Leg dir endlich ein gescheites Handy zu!"

Anrufer und Frau einigen sich auf schlechte Stimmung. Das Funkloch ist schuld.

Habe vor, das Funkloch künftig und für alle Zeiten auszutricksen. Irgendwann wird mich ein Enkelchen mit großen Kulleraugen ansehen und fragen: "Wie war das früher mit den Handys, Großmama?" "Ach Kind, das Leben war hart seinerzeit, ständig riss die Verbindung ab, taramtamtam, taramtamtam. "Großmutter, sag, warum trommelst du den ganzen Tag und sendest so lustige Rauchzeichen…?"