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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 19.09.2014

Wo das Böse lauert

Nachts, zwischen zwei und drei. Der Wind pfeift. Zweige peitschen ans Fenster.

In der Ferne schreit ein Schakal. Gibt es Schakale in Wien?

Unheilvolle Schatten werfen Umrisse ins Zimmer. Fledermäuse? Vampire?

Die Augen des Bösen? Dass ich überhaupt wach bin, verdanke ich den Augen des Bösen.

So, oder so ähnlich hiess der Psychothriller. Normalerweise kann man mich mit so

was jagen. Ich meide jede Art der filmischen Aufregung, wenn diese aufgeregte

Musik ertönt (tatatataTATATATA), die einen spitzen Opferschrei nach sich zieht,

zappe ich automatisch weg.

Bei den Augen des Bösen hab ich den optimalen Wegzapp-Zeitpunkt leider verpasst.

Einmal näherte sich das Böse so abrupt, dass ich zu zappen vergaß und als ich

gelähmt vor Schrecken dasaß, galoppierte schon das nächste Grauen um die Ecke.

(da machte ich die Augen zu, deshalb weiß ich nicht, wie grauenhaft es genau war.

Aber sicher sehr).

Ein Kriminal-Psychologe erklärte mir einmal bei einem Interview, dass es zwei

Arten von Opfern gibt. Die aktiven und die passiven. Passive Opfer reagieren bei

Gefahr eher abwartend. orten die Lage und reagieren überlegt. Passive Opfer haben

die größeren Überlebenschancen. 

Dann gibt es noch Menschen wie mich. Aktive Opfer. Aktive Opfer stürzen sich

in die Gefahr, im irren Glauben, sie zu besiegen. Aktive Opfer enden meist dort,

wo auch die Opfer aus Die Augen des Bösen enden.

Ich höre Stimmen aus der Küche, Warum um diese Zeit? Womöglich lauert das

Böse in der Küche. Mann, Kinder und Hunde schnarchen, ich aber wittere den 

Hauch des Bösen auf zehn Kilometer, mich kann man nicht so leicht außer Gefecht

setzen, ich hab neben meinem Bettchen immer griffbereit ein, äh, also zumindest

eine Nagelfeile.

Besser als nichts. Nagelfeilen werden als Waffen unterschätzt. Tapse, mein gefährliches

Gerät in der Hand, hinunter in die Küche. Jeder Kriminalpsychologe würde einen

Schweißausbruch bekommen, ein derart irres Opfer, das sich wissentlich ins Grauen

stürzt, kommt gewiss selten vor.

Der Fernseher war nur an. Und wo ich schon mal hier bin… eigentlich Lust auf

Schokolade. Das Böse lauert dort, wo es die Kriminalisten am wenigsten vermuten.