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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 29.10.2014

Am 11.November um 19.30 Uhr ist Klassentreffen!

Mail-Alarm: "Hallo, ihr Lieben, ich bin´s, euer Flunschi! Mich verschlägt es im Herbst wieder nach Wien…" Flunschi heißt Florian-Ulrich Schober, war unser Klassenbester im Gymnasium, lebt heute in Bremen, kommt alle fünf Jahre auf Heimaturlaub und begeistert dann zirka 30 Menschen, die einander seit Jahrzehnten nicht gesehen und sich relativ wenig zu sagen haben, mit der Aussicht auf einen gemeinsamen Pizzeria-Besuch. Jö, Klassentreffen!

Das letzte Mal war ich vor fünf Jahren dabei. Pizzeria Amore mio. Ich traf auf Grazia und Claudia. Erstere hab ich früher glühend um ihren Vornahmen beneidet (jetzt aber nicht mehr! Jetzt würde ich gerne Summer oder Harper oder ähnlich heissen, Harper Pöttler-Fellner, macht was her, nicht?), Zweitere um ihre tägliche Salami-Semmel, die sie selten gegen mein wenig glamouröses Gurken-Vollkornbrot getauscht hat. Grazia war bis vor fünf Jahren vier mal verheiratet, schließe eine Fortsetzung nicht aus. Claudia ist strenge Veganerin, Chanelling-Expertin und Verfechterin der These, dass der Genuss von totem Fleisch die Menschheit in die Hölle führt, bin meiner Mutter für ihre Gurkenbrote also im Nachhinein recht dankbar.  

Erstaunlich, wie man sich entfremdet, wenn der gemeinsame Feind nicht mehr "Mathe-Schularbeit" heißt. 

Heute also die Drohung: "Ich bin´s, euer Flunschi!" 

Flunschi wird die nächsten Monate von Bremen aus versuchen, dreißig einander längst suspekte Menschen an einen Pizzeria-Tisch zu zwingen. So wie alle fünf Jahre. Mindestens 25 werden wieder zu krank, zu weit weg, zu müde oder zu beschäftigt sein, um in die Pizzeria Amore mio zu kommen. Verstehe Flunschi gut, wenn er sich dann ärgert. Aber auch die 25 anderen, die am 11.11.2014 um 19:30 Uhr leider schon dringend was vorhaben. 

Ich hätte ja Zeit. Abgesehen von Risikofaktoren wie: Spontane Abendverpflichtung ("Richard Gere ist zufällig in Wien und will exklusiv von mir drei Stunden interviewt werden, Flunschi, das ist jetzt blöd!"), Kinder-Bauchweh ("könnte was Ernstes sein!") und Halskratzen ("du Flunschi, hüstel, das tut mir jetzt echt leid, hüstel, mir geht's plötzlich gar nicht gut"). 

Sicher würde man sich wieder nett unterhalten. Man sitzt zusammen, trinkt Bier, Flunschi erzählte aus seinem Leben als IT-Irgendwas-Manager ("Und was macht man da so?"), dass er von Mannheim nach Bremen gezogen ist ("und wie isses da so?"), dass er im Urlaub auf Zypern war ("und wie war es da so?") und dass die deutsche Politik ein Elend ist ("und was schlägst du so vor?"). Und irgendwann wird Flunschi, an die aufgeweckte Runde ("puh, bin ich heute müde, glaub`, ich geh dann..") die Gefürchtetste aller Fragen stellen: "Habt ihr Lust, noch was trinken zu gehen?" Und dann werde ich ihm wieder schamlos ins Gesicht lügen müssen: "Nein, du, ich muss echt ins Bett! Aber nächstes Mal dann gehen wir, echt!"

Eure Uschi