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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 25.11.2014

Zeit - mein ewiger Feind

Am Wochenende hatte ich entspannte zehn Minuten Zeit, um ausgiebig die "Zeit" zu lesen. Tja, oder auch nicht!

Die Zeit ist meine Lieblingszeitschrift. Jeden Freitag kaufen mein Mann oder ich die neue Ausgabe in der satten Gewissheit, keine Zeit zum Lesen zu haben und trotzdem mitreden zu können. Es reicht ja zu sagen "in der Zeit habe ich gelesen…", weil ohnehin kein Mensch, den ich kenne, Zeit hat, die Zeit zu lesen. 

Manchmal kaufen wir sogar zwei "Zeit"-Ausgaben, er und ich separat, nur um sagen zu können: "Du, die Zeit brauchst du nicht mehr kaufen, hab ich schon besorgt". Das wirkt mächtig eindrucksvoll, besonders, wenn man es vor Zeugen sagt. 

Jedenfalls las ich am Sonntag in der Zeit eine Glosse, über das Einfrieren von Kindern. Der Titel war: "Argumente für das Einfrieren von Kindern". Ich fand den Titel berauschend (nebenan johlten gerade eigene und andere Kinder, was den Vorteil hatte, dass ich nicht vor Müdigkeit ohnmächtig werden, sondern die Zeit lesen konnte).

Es ging in dem Artikel eigentlich um die Sinnhaftigkeit des Einfrierend von Samenspenden (finde ich grundsätzlich sinnvoll). In weiterer Folge stellte der Autor die Frage, ob es nicht überhaupt sinnvoll wäre, Kinder in einzelnen Lebensphasen einzufrieren. Solange sie klein und süß sind, um sie länger klein und süß zu halten. Oder wenn sie in der Pubertät sind (da bin ich schwer dafür. In ein, zwei Jahren, wenn sich mein Nervenkostüm erholt hat, können wir über das Auftauen reden).

Ich glaube ja, dass die großen Rätsel der Menschheit von Gott ausschließlich an Leute mit Kindern weitergegeben werden. Gott sitzt da oben, reibt sich die Hände, schaut auf mich und sagt: "Na, da wollen wir der müden Frau da unten, die ihre Zeit mit "Zeit"-lesen verplempert, mal wieder eine gefinkelte, kleine Prüfung auferlegen.

"Maaamaa", tönte es von nebenan. "Wir wollen raus, wo sind die Mützen und die Haaandschuhe?" Womit wir bei der heutigen Aufgabe wären: Warum verschwinden pünktlich zum Eintritt der kalten Jahreszeit sämtliche Kindermützen, Schals und Handschuhe von dort, wo man sie am Ende der vergangenen Saison deponiert hat? Gottes Gebot. Wen der Herr liebt, den prüft er täglich.

Gott hat irgendwann, als ihm offenbar sehr fad und keine "Zeit" zur Hand war, ein Gesetz erlassen. das besagt, dass immer EIN Kinderhandschuh zu verschwinden hat, wenn man beide bräuchte.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich einen Traum. Ich träumte, dass sich über mir eine Gewitterwolke unter lautem Krachen auftut und es Hauben, Schals und Handschuhe regnet, sie prasseln nur so auf mich nieder und ich schleppe das Zeug in Säcken heim und errichte gewaltige Depots, in denen ich mich wie ein kleines Wildschwein glücklich wälze.

Und dann fällt mir ein: Blöd, aber auch! Die Kinder sind gerade so schön tief gefroren! Ausgerechnet jetzt, wo die Mützen und Handschuhe alle da sind. 

Wie schnell lassen sich Kinder eigentlich wieder auftauen? Das stand nämlich nicht in der "Zeit".

Eure Uschi