Loading…

Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 23.12.2014

Von stressfreien Weihnachten und warum das nie klappt

Habt ihr auch öfter eine brillante Idee? Mein Tipp: Behaltet die lieber für euch. Versteht eh kein Mensch. (außer euch. Und mir.)

Bild weihnachten stressfrei.jpg
(© Thinkstock)

Vor ein paar Tagen hatte ich eine glänzende Idee, um Weihnachten EINMAL IM LEBEN stressfrei zu gestalten. Die Idee war, ausschließlich die Kinder zu beschenken. Super, oder? Wir Erwachsenen, so die Idee, könnten sich dem nervigen Getue entziehen, indem wir beschließen, Weihnachten sinnvoll geschenkefrei zu feiern. Klopf, klopf (ich klopfe mir gerade für diese Idee geistig selbst auf die Schulter, macht ja sonst keiner.)

Meine Idee war noch nicht ganz ausgereift, das heißt, ich dachte noch darüber nach, wem in meiner großzügig bemessenen Patchwork-Familienkette ich meine Idee als Erstem präsentieren sollte. Mann? Mittelgute Idee. Sollte eigentlich schon was Hübsches für mich bestellt haben, hatte ein paar Signale in Richtung gehobene Filialkette gesetzt. Vor der Idee natürlich.

Da rief meine Tante Ida an. Ida ist meine Lieblingsverwandte und in den Jahren, wo man geren in der Apotheken-Rundschau blättert. Eine Fügung des Schicksals. Ida würde mein Sprachrohr für geschenkefreie Weihnachten sein. Ida müsste allen anderen, inklusive, wenn's leicht geht, meine Mutter, anrufen und meinen super Vorschlag...

"Meine allerbeste Ida", rief ich zügig ins Telefon, "gut, dass du anrufst, ich habe eine sensationelle Idee für Weihnachten!"
"Jetzt sag mir, Kind, was du dir wirklich wünscht", krähte Ida froh. "Für alle habe ich schon was Passendes gefunden, nur du bist wieder das Problem, du bist wie IMMER die Schwierigste..."
Jetzt oder nie. "Ida", sagte ich mit fester Stimme. "ich brauche heuer nichts zu Weihnachten und abgesehen von den Kindern möchte ich auch allen anderen nichts schenken. Diese Schenkerei ist doch..."
"Du willst kein Geschenk von mir?", fragte Ida besorgt. "und du willst mir nichts schenken?"
"Doch natürlich, nur den Kindern nicht. Umgekehrt natürlich, den Kindern schon, aber dir nicht. Ich meine, den Erwachsenen nicht. Ida?" Beleidigtes Schweigen.

Ruhig bleiben. Durch das rechte Nasenloch einatmen, während der Mittelfinger der linken Hand das linke Nasenloch zudrückt, dann links ausatmen. Oder rechts? Durch Ohr ausatmen, das weiß ich. Hat mir mal ein Yogi erklärt, der Ida allerdings nicht kennt.

"Warum bist du immer so schwierig, Kind", sagte Ida bekümmert, "ich ruf jetzt deine Mutter an..."
"Warte, Ida!", brüllte ich. Eine brillante Idee zerfiel zu Staub.

Eine halbe Stunde später rief der lebende Vorwurf an. "Warum kränkst du die arme Ida so?", fragte meine Mutter. "Sie sagt, du willst kein Geschenk von ihr? Was soll das, bist du mit ihr zerstritten?"
"Vergiss es", sagte ich zu meiner Mutter. "Was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten?"

PS: Ich habe verloren. Dieses Mal. Fürs nächste Weihnachten habe ich eine ausgereifte Idee im Ärmel. Vorausgesetzt, Ida ruft nicht an.

Eure Uschi