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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 15.06.2015

Jeder Mensch braucht ein gescheites Hobby!

Ich habe aktuell gleich drei vorzuweisen!

Bild iStock_000017148740_Medium.jpg
Schnecken jagen ist mein Hobby! (© iStock)

Früher, als es noch keine Mobiltelefone gab und Menschen, die seit 20 Minuten überfällig waren, nicht anriefen, um zu sagen, sie bräuchten eh nur noch fünf Minuten – in dieser entspannten Zeit also waren Hobbies in Mode. Praktisch jeder Mensch hatte ein Hobby.  

In Zeitungs-Fragebögen wurden Prominente nach ihren Hobbies gefragt und gaben originelle Auskünfte. Wenn man von den beschwingten Hobbies der anderen las, wurde man selbst ganz unsicher, weil man nichts außer den öden Standards „Lesen, Kino, Theater“ vorweisen konnte. Oder Schlafen. Kochen. Gärtnern.  Wobei das ja Notwendigkeiten, und keine Hobbies sind. Derartiges auf einem Fragebogen anzugeben, wäre für den Prominenten echt peinlich gewesen, deshalb gaben Prominente zumindest folgende Hobbies an: Karaoke singen. Rosen züchten. Partnertausch.
Letzteres, einmal vom Schauspieler Helmut Berger auf einem Fragebogen notiert, gab vor allem jenen zu denken, die nur “Lesen, Kino, Theater” vorzuweisen hatten.
Leute, die viel Platz hatten, richteten sich zu Hause sogar eigene Hobbykeller ein. Was immer sie dort taten, es hatte, zumindest in meiner heutigen Vorstellung, eher mit Helmut Berger als mit Laubsäge-Basteln zu tun. Ich kann mich aber auch irren.

Derzeit sind Hobbies, habe ich das Gefühl, komplett aus der Mode. No-No jeder Trendliste. Fragen Sie mal irgend jemanden nach seinem/ihrem Hobby: Er/Sie wird die Augen rollen und etwas in der Art von “dafür fehlt mir echt die Zeit” murmeln. Und sich denken, mit Ihnen stimmt was nicht. Natürlich könnten Sie jetzt eines draufsetzen und sagen: “Also mir sind meine Hobbies wichtig! Bauchtanz. Chorsingen polnisch. Lesen. Und neuerdings gern Partnertausch. Haben Sie das schon probiert?”

Bevor Sie jetzt einen fatalen Eindruck von mir haben, wechseln wir die Szene. Baumarkt-Filiale. Ich, auf der Suche nach Schnecken-Vernichtungsmittel. Baumärkte haben lange Gänge. Sehr viele Regale und sehr wenig Fachpersonal, an das man sich wenden kann, wenn man keine Ahnung von Schnecken-Vernichtung hat. Man muss sich das ähnlich vorstellen, wie in einem Hitchcock-Thriller. Nach langem Irren im Labyrinth taucht am Ende des Ganges schemenhaft ein Baumarkt-Mitarbeiter auf.  Man öffnet die Lippen (“Verzeihung, wo bitte ist... äh..!?). Zack. Phantom im Labyrinth verschwunden. Übrig bleibt ein erstickter Schrei. Und, wie bei mir, der unbändige Drang, Schnecken zu morden. Und einen Baumarkt-Mitarbeiter zu erhaschen.

Er-haschen, bitte! Nicht zu verwechseln mit der fast identen Wortschöpfung ver-naschen. Das wäre echt das Letzte, was ich im Baumarkt wollen würde, während daheim die Schnecken-Plage tobt. Aber lassen wir das.  Auf einem Fragebogen möchte ich in jedem Fall als aktuelle Hobbies angeben: Schnecken meucheln. Phantome jagen. Baumarkt für Anfänger. Da hält kein Helmut Berger mit!