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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 14.04.2020

Es ist, wie es ist. Weil!

"Wie geht man derzeit mit dem Leben um? Begreifen wir diese Krise als Chance. Für uns und für die Welt."

Wie geht man in Zeiten wie diesen mit dem Leben um? Wie meistert man einen Alltag, an dem nichts mehr selbstverständlich ist? Der auf E-Learning umgepolte Teenager im Haushalt weiß die Lösung: „Wir machen ganz normal weiter. Ich steh‘ um halb sieben auf, geh‘ eine Runde laufen, dusche, setz‘ mich vor den Laptop und lerne bis 13 Uhr. Dann machen wir alle eine Stunde Mittagspause. Nachher lern‘ ich weiter, so bis 17 Uhr. Dann dreh‘ ich eine Runde mit dem Fahrrad. Mama, du kannst mitmachen!“

Wow! Ich bin gerührt. Mein gutes Kind. Mein Held in der Krise. Ich hab‘ also doch nicht alles falsch gemacht.

Am Morgen des Tag X scheuche ich um acht den Sohn aus seinem Bett. „Lass mich!“ kommt als erste Reaktion. „Wir starten heute mit dem E-Learning erst um zehn!“ Wer ist wir? „Na, alle!“ Und warum? „Weil, Mama!“

„Weil“ ist eine so unscharfe wie beliebte Antwort in dieser Altersklasse. „Weil“ kann heißen: Sche‘ dich gefälligst um deinen eigenen Kram. Oder, wenn man Optimistin ist wie ich: Das ist jetzt eben so. Mach‘ was draus, oder auch nicht.

Das mit dem gemeinsamen Mittagessen ist sich bisher nicht ausgegan- gen, weil offenbar nur zu Mittag und gegen Mitternacht der überlastete Schulserver funktioniert. Und man muss sich doch die Aufgaben runter laden! Und überhaupt, darf jeder Schüler nun nach seinem Bio-Rhythmus lernen. Warum eigentlich? „Weil!“

Wir leben in diesen Wochen im permanenten „Weil!“-Zustand. Und erleben gerade, wie fragil der Zustand der Normalität eigentlich ist.

Der Alltag mag für viele jetzt entschleunigter ablaufen, tatsächlich sind wir in einem gewaltigen Lernprozess. „Weil!“

Weil diese Krise, abseits aller Schrecken und persönlicher Unannehm- lichkeiten, auch die Chance bietet, zahlreiche Entwicklungen voran zu treiben: Selbstreflektion. Betreuungs-Apps. Online vermittelte Nachbar- schaftshilfe. Homeoffice. Neue Achtsamkeit. Respekt für die Umwelt. Gelebte Regionalität.

Die COVID-19-Pandemie ist ganz sicher nicht das Ende der Welt. Aber das Ende einer Welt, die wir bisher kannten. Packen wir‘s gemeinsam an, eine andere Wahl haben wir nämlich nicht. „Weil“!

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und passen Sie auf sich auf!

In herzlicher Verbundenheit, Ihre

Bild uschi signature.bmp
USCHI FELLNER, HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN
Bild iStock-617873122.jpg
BERUHIGEND. Das hier ist mein aktuelles Bildschirmfoto am Laptop. Ich finde, es sagt alles aus. #alleswirdgut © iStock by Getty Images