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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 19.01.2018

Jetzt… Täglich fragt uns das Leben...

Über Alltagsstress und Leistungsdruck.

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(© Shutterstock)

Ich habe gestern einen netten Artikel gelesen. Da hat sich ein Erwachsener daran erinnert, dass er als kleiner Bub sein gerade gekauftes Eis in die Schultasche steckte um es am Abend in Ruhe genießen zu können. Der Schreiber hat festgestellt, dass das der Moment war als er gelernt hat Dinge im Hier und Jetzt zu genießen. Egal ob die Geschichte wahr ist oder nur gut erfunden. Sie beschreibt das Verhalten sehr vieler Menschen in unserer Zeit. Wir haben auch jetzt zu oft keine Zeit, das Leben zu genießen, mit dem (der) Partner(in) einen Spaziergang zu machen oder einfach sich selbst etwas Zeit zu gönnen um einen angenehmen Tag zu verbringen. Wir funktionieren und das machen wir gut. Wir verschieben fast Alles was etwas Geduld und Zeit benötigen würde auf einen späteren Zeitpunkt, weil wir gerade so viel zu tun haben.

Da gab es einen genialen Song von Tim Bendzko der „Nur noch kurz die Welt retten“ hieß.

Darin lautete eine kurzer Textpassage: „Muss nur noch kurz die Welt, retten / Danach flieg' ich zu dir. / Noch 148 Mails, checken / Wer weiß was mir dann noch passiert denn es passiert so viel.“

Das Lied sagt alles über unsere derzeitige Denkweise aus. Wir haben immer etwas zu tun. Es ist fast schon pervers wenn einer sagt, dass er nachmittags nur auf der Terrasse saß und den Vögeln zuhörte. Man hat schon fast das Bedürfnis zu lügen bevor man so etwas sagt.

Eine große, gesellschaftlich akzeptierte, Ausnahme bilden Menschen wie ich. Wenn man einen größeren Schicksalsschlag, sei es gesundheitlich oder menschlich, erlebt hat ist man berechtigt sich aus diesem Hamsterrad auszuklinken. Man wird sogar hervorgehoben. Wie oft höre ich folgende Aussage: „Ja du hast dich verändert und es ist klar, dass du dann ganz anders zu denken beginnst. Du hast ja schon erlebt, wie schnell es vorbei sein könnte.“ Also ganz ehrlich auf diese Art von „Adel“ könnte ich gerne verzichten. Was hindert uns daran, das Leben zu genießen ohne Schicksal, dass uns darauf aufmerksam machen muss, dass der „Sensenmann“ bei jedem ums Eck warten könnte. Wir müssen nur einmal lernen, dass das Leben jetzt passiert und ich keinen Moment einfrieren und später genießen kann, wie es der Bub mit dem Eis probierte, da funktioniert einfach nicht.

Jetzt scheint die Sonne für einen Spaziergang mit meiner Frau. In einer Stunde kann es wieder regnen. Jetzt treffen sich die ehemaligen Schulkollegen zum Klassentreffen. Nächstes Jahr kann es ein, dass der eine oder andere davon nicht mehr kommen kann. Aus welchem Grund auch immer.

Natürlich gibt es Prioritäten in der Einteilung meiner Lebenszeit. Aber die oberste Priorität sollte es sein zu leben. Mit allen Höhen und Tiefen. Keiner behauptet es ist immer schön oder gar gerecht. Aber genau darum ist es noch wichtiger die schönen Anteile wahrzunehmen und zu genießen.

 

Dazu fällt mir eine Aussage des österreichischen Psychologen Viktor Frankl ein:

 

Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte, der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.

 

Diese Frage bekommen wir täglich gestellt und wir können(sollen) auch täglich antworten und dafür die Verantwortung tragen. Wir haben verlernt die schönen Dinge zu sehen, weil wir damit beschäftigt sind „die Welt zu retten“, wie es Tim Bendzko so toll in seinem Lied formuliert hat.

Es gibt aber eine einfache Methode wieder mehr wahrzunehmen.

Kaufen sie sich einen kleinen Block, der in die Tasche passt und einen Bleistift. Schreiben sie sich so über den Tag Dinge auf, die ihnen gefallen haben. Sei es die Kassiererin an der Kasse, die ihnen zu schmunzelte oder der Fahrer des Wagens, der sie in den Kreisverkehr einfahren ließ. Schreiben sie auch auf, wann und vor Allem mit wem sie sich wohlfühlten. Sie werden sehen dieser Block ist sehr schnell vollgeschrieben…