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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 01.07.2021

Kolumne by Uschi Fellner

Was macht Frau, wenn der eigene Mann gerne Hawaiihemden trägt?

"Wenn Sie sich mit Mode auskennen, wissen Sie bestimmt auch, wie man ein Hawaiihemd trägt“, mailt mir Leserin Karin Z. aus Wien. Ich fühle mich geehrt, wenn mich unsere LeserInnen um Rat fragen, obwohl ich eingestehe, dass ich manchmal recht ratlos zurückbleibe. „Mein Mann“, schreibt Karin Z., „ist im Grunde genommen sehr nett, hat allerdings überhaupt keinen Geschmack. Vor allem jetzt im Sommer liebt er wild gemusterte Hemden, die ich einfach nur schrecklich finde. Ich freue mich schon auf Ihre Experten-Meinung!“

An dieser Stelle möchte ich kurz festhalten: Ich kenne mich mit Hawaiihemden auch nicht besonders aus und war nie mit einem im Grunde genommen netten, aber völlig geschmacklosen Mann geschlagen, versuche aber mein Bestes.

Nun: Unter Hawaiihemd versteht man auf alle Fälle ein Kurzarmhemd, das zunächst einmal den Eindruck erweckt, der Träger sei eher freizeitorientiert. Kurzarmhemden im Büro signalisieren: „Eigentlich hätte ich gern hitzefrei!“ Wogegen ja nichts einzuwenden ist.

Laut internationalem Kleidungs-Knigge, der auch in Pandemie- und Homeoffice-geprägten Zeiten kompetente Unerschütterlichkeit signalisiert – so ähnlich wie die medizinischen Empfehlungen der Weltgesundheits-Organisation WHO, die man ernst nehmen kann oder auch nicht –, kann es niemals so heiß sein, dass Mann nicht in langärmeligen Oberhemden Format beweisen sollte. Was ich ziemlich übertrieben finde. Andererseits: Frauen sollen sich, vor allem im Sommer, ständig die Beine, die Achseln und weiß Gott was noch rasieren. Also nicht kleinlich sein.

Zurück zur Anfrage der werten Leserin, die offensichtlich – das unterstelle ich jetzt einmal – damit liebäugelt, dass ihr im Grunde netter Gatte als geschmacklose Krähe entlarvt wird, was mir für ihn leidtut. Wo er doch im Grunde eh nett ist!

Ich übe mich also in bestmöglicher Neutralität mit Sympathiebonus für Leserin Karin Z.: Das Hawaiihemd weist gleich zwei Merkmale auf, die klassisch orientierten Menschen Schauer der Abneigung über den Rücken jagen. Erstens hat es kurze Ärmel (eigentlich ein Segen, stellen wir uns die Klamotte mit langen Armhülsen vor) und zweitens vermittelt es das Gegenteil des leisen Auftritts.

Es vermittelt vielmehr das Lebensgefühl der Unangepassten, den Rock ’n’ Roll von Elvis und James Dean, beide begnadete Hawaiihemd-Träger, und es riecht nach Hibiskus, Sand und Meer.

Also hoffentlich.

Meine persönliche Hawaiihemden-Bilanz fällt laienpsychologisch bedeutend aus: Anscheinend steht das Hawaiihemd bei manchen Paaren stellvertretend für größere Themen. Ich verstehe das gut, denn bei uns daheim steht z.B. ein bestimmtes Küchen-Kästchen stellvertretend für anderes. Das Kästchen öffnet und schließt sich durch leisen Druck auf die Außenwand – praktisch, komfortabel und auch für einfache Gemüter kinderleicht in der Anwendung.

Warum nur ist das Kästchen IMMER sperrangelweit offen, zu jeder Tages- und Nachtzeit, vorausgesetzt, ich drücke es nicht mit der mir eigenen Großzügigkeit zu?

Kapiert mein geliebter, bis jetzt Hawaiihemd-abstinenter Mann, den einfachen Schließ-Mechanismus nicht? Macht er das absichtlich? Will er mich auf die Palme, zum Auszucken, zum Durchdrehen bringen?

Er würde geknickt verneinen. Er lässt das Kästchen offen, weil ... es eh wurscht und offen praktischer ist.

Sie würden nicht wissen wollen, was wir, ausgehend von einer offenen Küchenkasten-Tür, schon für Dialoge hatten, da geht’s ums Eingemachte, um Lebens-, Liebes- und Glaubensfragen.

So ähnlich stelle ich mir die Hawaiihemd-Debatten bei Leserin Karin Z. vor. Die Freude ihres Mannes an greller Oberbekleidung triggert ihren „Küchenkastl-Punkt“.

Meine Bilanz zu dieser bedeutenden Frage des Lebens: Ich persönlich finde Hawaiihemden ganz nett, sie sind mir, ehrlich gesagt, so egal wie meinem Mann das offene Küchen-Kastel – vorausgesetzt, man stopft sie nicht in die Hose und lässt sie locker über den Bund fließen. Und vorausgesetzt, mein Mann trägt kein Hawaiihemd, wenn er künftig das Küchenkastl offen lässt.

In diesem Sinne: Aloha, allerseits! Und einen entspannten Sommer.

Schreiben Sie mir Ihre Meinung: uschi.fellner@looklive.at

Herzlichst, Ihre 

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USCHI FELLNER, HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN