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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 04.03.2022

Kolumne by Uschi Fellner

"Wer eine TV-Sendung macht, ist zum Scheitern verurteilt."

Mein Leben und ich haben an manchen Tagen eine Krise, was in den besten Beziehungen vorkommt. Ich habe vor mehr als drei, 

aber weniger als vier Jahrzehnten begonnen, als Journalistin zu arbeiten, mit dem Anspruch, die Welt zu verändern. Kriegsreporterin wollte ich werden, schon auf der Schulbank und mit öden Flächenberechnungen gequält hatte ich die zündende Idee: Da eine Architektur-Karriere aufgrund meiner minimalen Schwächen bei Flächenberechnungen vielleicht nicht der ganz große Hit zu werden versprach – lieber ab in die Krisengebiete dieser Welt, um mit Entscheidungsträgern über bedeutende Fragen der Menschheit zu plaudern! 

„Also, Herr Gaddafi, oder darf ich Muammar sagen? Sie werden ja gerade weltweit aufgrund Ihrer Verbrechen gegen die Menschenrechte per Haftbefehl gesucht. Möchten Sie sich mir und meiner Zeitung nicht lieber vorher exklusiv anvertrauen?“ 

Die Gelegenheit, mit Gaddafi zu reden, bot sich später leider nie, dafür aber mit Toni Polster, mit dem ich, 21-jährig und komplett ahnungslos, wer der Typ da sein soll, mein allererstes Interview führte. Über Fußball, ein Thema, das mich ähnlich interessierte wie Flächenberechnungen. Mein sehr bemühter Text wurde in der Chefredaktion damals mit dem guten Rat begleitet, mich künftig auf Interviews besser vorzubereiten oder schnell den Job zu wechseln. 

Seither bin ich journalistisch immer tippitoppi vorbereitet, komme, wer oder was wolle. 

Die Schwester von Barack Obama zum Beispiel: Auma Obama, eine kenianische Soziologin und Aktivistin für Kinderrechte, fragte ich einmal im Zuge eines Interviews, was sie im Leben sicher niemals machen würde. Sie antwortete sinngemäß, dass sie niemals etwas nur zu Show-Zwecken tun würde und Oberflächlichkeiten hasse. 

Jahre später drehte ich den Fernseher auf und sah Auma Obama, in ein kesses Tüllröckchen gehüllt, als Kandidatin von „Let’s Dance“ über die Showbühne wirbeln. Ein eindrucksvolles Dokument dafür, dass sich Vorsätze ändern dürfen, nicht nur meine. 

Krisengebiete habe ich trotzdem zur Genüge durchforstet. Etwa die Zimmer meiner Kinder, für die ich mich letztlich auch freudiger entschied (also für die Kinder, nicht für deren Zimmer) als für ein Leben als Kriegsreporterin. 

Die Medien, die ich gestalten darf, sind bunt und vielfältig. Und sie sind – wenn man mein Wirken an einer Person festmachen würde – eine ideale Mischung aus Auma Obama als studierte Soziologin und als steppendes Show-Girl. Und jetzt kommt nach vielen Jahren im gestalterischen Print-Bereich auch noch das Fernsehen ins Spiel. 

„Der Zuschauer will dich“, teilte mir ein Sprecher eines TV-Senders mit. Man habe da eine Marktanalyse und ich sei ziemlich genau der Mensch, den der Zuschauer bzw. die Zuschauerin jetzt unbedingt sehen möchte. Ich selbst bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob die ZuschauerIn überhaupt noch fernsieht (außer vielleicht den „Bergdoktor“, die einzige Serie, die ICH mir im Fernsehen anschaue). Wir produzierten also eine Pilotsendung, und die ging landesweit in allen Regionalprogrammen wiederholt über den Äther. 

Ich weiß das deshalb, weil mich mein 93-jähriger Onkel Edi mit den Worten „Bist du jetzt beim Fernsehen?“ anrief. Ich erklärte ihm, dass wir gerade an einem TV- Format arbeiten, und er fragte mich, wo auf seiner Fernbedienung er diesen Sender finde, bei dem er meine Sendung gesehen habe. Und ob ich bei Gelegenheit den Putin fragen könne, was da jetzt läuft in der Ukraine.

Das zeigt mir eindrucksvoll: Wer eine TV-Sendung macht, ist automatisch zum Scheitern verurteilt. Habe mich nicht getraut, dem Edi-Onkel zu berichten, dass mein nächster Talk-Gast nicht der Wladimir, sondern „Let’s Dance“-Moderatorin Victoria Swarovski sein wird. Wohlwissend, was er mich sonst gefragt hätte: „Mauserl, sag, warum hast du eigentlich nix G’scheites gelernt?“ 

Herzlich, Ihre 

Bild uschi signature.bmp
USCHI FELLNER, HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN