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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 16.09.2019

Look into my life

Ich leide. Am After-Holiday-Syndrom. Sehr.

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© iStock by Getty Images

Einmal im Jahr bricht in meinem Körper eine hormonelle Revolution aus. Das ist, wenn ich vom Sommerurlaub zurück bin. „Scheibe“, denkt mein vom Müßiggang verwöhntes Hirn dann. 

Warum bin ich auf der Urlaubsinsel nicht gleich geblieben? Die Hippie-Frau am Hippie-Markt in ihrem lustig bunten Kleid hat das bestimmt auch einmal gedacht und war einfach konsequenter als ich. 

Warum sehen Kleider, die man im Urlaub kauft, im Urlaub fantastisch aus und danach wie seltsame Fummel, die man im Rinnstein aufgelesen hat? Warum findet man im Urlaub Menschen faszinierend, die Rabea heißen, mit hennarot gefärbten Haaren auf Hippie-Märkten tanzen und die Zukunft via Karten deuten können?

Rabeas Karten waren faszinierend treffsicher. Ich sitze wieder im Büro. Und akzeptiere mein After-Holiday-Syndrom als Strafe der Natur. 

Dafür, dass ich im Urlaub regelmäßig denke, ein besserer Mensch zu sein. Ich blättere z. B. ein Magazin durch und lese „Deko-Ideen mit Sonnenblumen“. „Wow!“, denke ich. „Dass ich auf das noch nie gekommen bin!“ Dann lese ich fasziniert, was man mit Sonnenblumen so alles dekomäßig machen kann. z. B. Girlanden daraus basteln und sie als Tischschmuck verwenden.

„Toll“, sage ich dann zu den mir nahestehenden Menschen, die urlaubsmäßig in der Gegend rumlümmeln, „was man mit Sonnenblumen alles basteln kann! Ich geh jetzt Sonnenblumen besorgen.“ Das ist auf einer verkarsteten griechischen Insel gar nicht einfach.

Die mir nahestehenden Menschen schauen mich dann an, als wäre ich ein Autobus. Sagen nichts, gehen ungerührt ihren Urlaubstätigkeiten nach. (Handy spielen. Musik hören und dazu Handy spielen. Einer wollte surfen gehen, spielt aber jetzt Handy.)

Da es am passenden Bastelmaterial mangelt, wende ich mich anderen Ideen zu: „Dahlien züchten, leicht gemacht“, lese ich fasziniert. Kurz darf ich erwähnen, dass ich eine Vorliebe für Natur- und Gartenmagazine habe, die ich bevorzugt im Urlaub wälze. So, wie es die Passiv-Sportler vor dem TV-Gerät gibt, bin ich Passiv-Gärtnerin aus Leidenschaft. Und wann, wenn nicht im Urlaub, lebt man Leidenschaften aus?

Leider hat das mit den Dahlien im heurigen Urlaub auch nicht geklappt. 

Und dann war der Urlaub vorbei. Keine einzige Sonnenblumen-Girlande gewunden, nicht EINE mickrige Dahlie, dafür aber ein paar Zusatz-Kilos auf den Hüften gezüchtet. 

Vor ein paar Tagen dann, der Büroalltag hatte mich wieder ins Herz geschlossen, der Schock. ICH HABE UNTER UNSEREM BETT EINE STAUBSCHICHT ENTDECKT. 

Eine angemessene Reaktion wäre gewesen, den Staubsauger zu holen. Oder zumindest zu denken: „Da müsste wieder geputzt werden.“

Wenn man wie ich am After-Holiday-Syndrom leidet, reagiert man unangemessen:

„Da ist schon wieder alles dreckig unter dem Bett“, fauchte ich meinen erstaunten Mann an, der es beim Ehegelöbnis verabsäumt hatte zu erwähnen, für die Staubflocken unterm Bett verantwortlich zu sein. After-Urlaubs-menstruelle Menschen deuten Staubflocken unter dem Bett als Zeichen, dass in ihrem Leben nichts mehr funktioniert und als Versagen der anderen, sorry, ich kann nichts dafür!

Nach dem Urlaub lebe ich in der falschen Klimazone, im falschen Land mit dem falschen Beruf. Und ich verstehe nicht, warum sich alle so komisch benehmen! Gestern rief mich mein Mann mit den Worten an: „Du warst schon wieder stundenlang nicht erreichbar, dein Handy ist eine Katastrophe!“

MEIN Handy ist keine Katastrophe! Das teilte ich meinem Mann so emotionslos wie möglich mit. Meine letzten Worte an ihn, in mühsam beherrschter Tonlage: „DU hast nie Empfang! Und beschimpfe ja nie wieder mein Handy!“

Vor dem Urlaub haben wir uns über andere Sachen gestritten, glaube ich. 

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