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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 12.03.2020

Männer und Frauen. Und Reibungsflächen.

Man würde sich enorme Debatten ersparen, wenn man die Menschheit nicht länger in Frauen und Männer einteilte. Was, wenn wir die Gesellschaft neu denieren? Zum Beispiel, in Wegschmeißer und Behalter? Gerne auch in Wegschmeißerinnen und Behalterinnen, was aber überschüssig wäre, wäre zwischen Mädi und Bubi kein Unterschied mehr. Wenn alle Kinder Mäbus wären. Oder Bubmäs.

„Worauf will die Fellner hinaus?“, mögen Sie jetzt denken. Nun. Ich versuche zu rechtfertigen, dass die Unterschiede zwischen Wegschmeißern und Behaltern doch deutlich größer sind, als zwischen Frauen und Männern. 

Welten!, sage ich nur, Welten! Ohne mir jetzt allzu fest auf die Schulter klopfen zu wollen: Persönlich bin ich eine hochbegabte Wegschmeißerin. Praktisch nichts ist vor mir sicher. Ich nutze jede Gelegenheit, um erinnerungsträchtiges Eigentum anderer Leute in den Müll zu werfen. Zack und weg. Hüten Sie sich ja vor mir, lassen Sie mich nicht in Ihre Wohnung und wenn doch: Was nicht festgeschraubt ist, unbedingt verräumen! Ich bin gnadenlos.

So ähnlich würde mich zumindest mein Mann beschreiben. Er ist ein Behalter übrigens. Ein Streich des Schicksals. Oder wie ein altes jüdisches Sprichwort treffend beschreibt: „Alles bei einem, findest bei keinem.“ 

Ich finde bei meinem die erstaunlichsten Dinge. Blechdosen aus den 50er Jahren mit der Aufschrift „Avo – wer damit würzt, sagt bravo“. Mächtige Treibholzstücke von seiner griechischen Lieblingsinsel, sorgsam vor mir im Koffer versteckt, heimgeschleppt und dann überheblich im Wohnzimmer drapiert (nicht lange – keine Ahnung, wo das plötzlich hin verschwunden ist). T-Shirts aus den späten Siebzigerjahren mit der Aufschrift „Schuh Ski“. Einen zerschlissenen Bademantel mit der Aufschrift „Wäscheflott Wien, seit 1948“. Einen hoffentlich ungetragenen Pullover mit dem peinlichen Aufdruck „Young, Free and Single. Gehen wir tingel-tingel!

Verstehen Sie mich jetzt? Wenn wenigstens „klingel-klingel“ darauf stehen würde! Aber „tingel-tingel“ ist ja wohl das Letzte. 

Und Strickwesten. Jede Menge. Müssen aus den frühen Neunzigern stammen, als ihm jemand eingeredet hat, Strickwesten seien das neue Cool.

An sich wäre mir das alte Gelumpe ja egal, würde es mir nicht den Platz in allen unseren Kästen verstopfen. So aber vertrete ich den Standpunkt: Was muss, das muss. Zack und weg.

Wobei ich hier strategisch intelligent vorgehe. Zunächst übersiedle ich Schatzis heilige Schätze in das Unterbewusstsein unserer Wohnung, den Keller. Hat den Vorteil, dass es flugs zur Hand ist, falls Schatzi entsetzliche Sehnsucht nach der „Avo – wer damit würzt, sagt bravo“-Dose überkommt. 

Ahhh, da ist sie ja!“ Alles gut! Statistisch ist es bei ihm so, dass er Dinge, die er über drei Jahre aus dem Blickfeld verloren hat, auf immer vergisst. Ein Schelm, der jetzt an Böses denkt.

Nur manchmal, wenn auch selten, wird die Wegschmeißerin in mir autoritär. Heute Früh zog Schatzi eine seiner Neunziger-Strickwesten an und sonnte sich darin vor dem Spiegel. „Was ist DAS?“, fragte ich. „Meine Weste!“, rief er froh, „ich finde, die steht mir immer noch hervorragend.

Mein Mann sah in der dunkelblauen Wirkware wie ein 78-jähriger Firmling aus. Irgendwie war ich jetzt aber doch froh, seinen Westenstapel nicht wie geplant zu Humana, dem Wiederverwerter für Altkleider, gebracht zu haben. „Du musst dich von deinem Gerümpel endlich trennen“, schlug ich souverän vor. Kam nicht gut an.

„ICH?“, rief Schatzi aufgebracht und kreuzte schützend die Arme vor seiner Weste. „Wenn hier wer mit seinem Plunder das ganze Haus verstopft, dann bist das DU!Plunder??? „Alles bei einer, ndest bei keiner“, wäre die passende Antwort gewesen, aber ich neige bei Diskussionen nicht zur Diplomatie.

Es gibt eben Männer und Frauen. Behalter und Wegschmeißerinnen. Und letztere sagen in solchen Situa- tionen das einzig logisch Vertretbare: „Sag, spinnst du jetzt total?“ Oder auf gut Wienerisch: „BAM, OIDA?

Schreiben Sie mir Ihre Meinung: uschi.fellner@looklive.at