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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 06.02.2020

Mal wieder ins Kino gehen. Nette Idee!

Eigentlich.

Sie lesen sogleich: einen ganz normalen Dialog zwischen einem ganz normalen Mann und -einer ganz normalen Frau. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig. So. 

Wir haben Dienstag- oder vielleicht auch Donnerstagabend, in einer ganz normalen Woche. Es ist kurz nach 23 Uhr. Der Mann hat sich, erschöpft von den Mühen des Tages, bereits ins Schlafgemach zurückgezogen. Die Frau wuselt noch ein bisschen durch die Küche, fischt eine Plastikflasche (wo kommt die schon wieder her?) aus dem Papiermüll, legt einen enthöhlten Klumpen Brot, aus dem das Innere beherzt herausgebissen wurde (offenbar gibt es ein Wasserschwein im Haushalt, das größte bisher bekannte Nagetier), verwundert in die Brotdose zurück. Dann dreht sie im Haus die Lichter ab, weil alle Mitbewohner durch eine tragische Fügung des Schicksals am „Einerwirdschon“-Symptom leiden. (Einer wird schon abdrehen. Irgendwo, irgendwie, irgendwann.)Als die Frau das Schlafgemach betritt, döst der Mann – seine Handgurke entschlossen umklammernd – bereits vor sich hin (hiermit ist natürlich das Handtelefon gemeint). 

Und dann erschrickt die Frau. Denn der Mann mit der Gurke, der normalerweise um die Zeit schon wie ein Säugling heia heia macht, hat etwas gesagt. „Hm?“, fragt die Frau. „Hast du was gesagt?“„Wir sollten uns den neuen Schtawoas anschauen“, murmelt der Mann.„Hm?“, fragt die Frau. „Den neuen was? Was hast du gesagt?“„Schtawoas“, murmelt der Mann. „Was?“, fragt die Frau erneut, und in ihrer Stimme schwingt federleichte Gereiztheit mit, aber nur für Insider erkennbar.

„Schtawoas“, sagt der Mann. Die Frau legt ihr Ohr ganz nahe an die Lippen ihres Gurken-Mannes. Heischt sie etwa nach Liebkosung ihrer Ohrmuschel? Ist sie, auf gut Wienerisch, derrisch? Oder will sie nur ENDLICH wissen, was der Mann daherredet? Der Gurken-Mann bleibt entspannt. Sanfte Schnarchtöne lösen sich aus seiner Kehle, ein Indiz, dass heute Nacht die Gurke das Einzige bleibt, was er fest im Griff haben wird. Aus unerfindlichen Gründen ärgert das die Frau. Sie rüttelt ihn und fragt eine Oktave zu scharf: „Was hast du jetzt gesagt?“„Schtawoas“, sagt der Mann, „wir sollten wieder ins Kino gehen.“

Die Frau blickt stumm im Zimmer rum. Sie denkt: Das kann doch nicht sein Ernst sein? „Du meinst den neuen Star Wars-Film?“, fragt sie lauernd. Vielleicht meint er ja was anderes. Die neue Liebessülze mit Meg Ryan. Oder war das Meryl Streep? Würde sie sich zwar lieber mit ihren Freundinnen ansehen, aber gut. Man könnte danach ja was Nettes essen gehen, ein Kinoabend, warum nicht? 

Der Mann zieht eine Schnute. „Du hast mich aufgeweckt“, schmollt er. „Star Wars! Wir müssen uns das unbedingt anschauen, der soll so geil sein.“ „Ich schrei gleich vor Begeisterung auf“, sagt die Frau. „Warum musst du so genervt sein, wenn ich Star Wars sehen will?“, fragt der Mann. „DU kannst ihn dir gerne anschauen“, sagt die Frau, „ICH schau mir solchen Schwachsinn sicher nicht an.“ „Dann geh ich mit den Kindern!“, frohlockt der Mann. „Die haben ihn schon gesehen“, betoniert ihn die Frau (hehe), „aber geh nur!“ 

„Du missgönnst mir den Film“, sagt der Mann. „Spinnst du?“, fragt die Frau. „Die ganze Woche schuftet man und wenn man einmal ins Kino will …“, sagt der Mann. „Ich hab doch gesagt: Geh nur!“, sagt die Frau. „Aber du sagst es so, wie es jemand sagt, der es dem anderen nicht gönnt“, sagt der Mann. „Ich gönne dir alles“, sagt die Frau, „gerne auch Star Wars, drei Mal hintereinander.“ „So was von missgünstig!“, höhnt der Mann. 

Zum Glück sind beide müde, doch die Chancen stehen gut, dass das Gespräch in Kürze fortgesetzt wird. Wenn beide sich Mühe geben, dann hoffentlich ganz von vorne.