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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 05.10.2018

Manches war früher echt besser...

Z. B. die Musik. Vielleicht auch die Toasts.

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look! into my life by Uschi Fellner. © iStock by Getty Images

Leider sind die meisten Kinder heutzutage geschmacksverwirrt. Sie wollen Miso- statt Buchstabensuppe. Sie trinken eisgekühlten Green Tea aus der Dose statt herzerwärmenden Himbeersaft. Vanillepudding ist vollkommen out und Toast Hawaii, mein Lieblingsgericht aus Kindheitstagen,  ist der Titel eines neuen Online-Stadtmagazins (das sich bei weitem nicht so herrlich liest, wie der original Toast Hawaii geschmeckt hat. Genau, der mit der Dosen-Ananas!).


Jedenfalls erkennt man am Geschmack seiner Kinder, wie alt man selbst ist, sollte man es vergessen ­haben. Und manchmal können einen Kinder mit harmlosen Fragen sogar aus der aktuellen Generation kicken, einfach so.
Die Frage kann zum Beispiel lauten: „Mama, was ist eine Schallplatte?“ Achtung! Sollten Sie so etwas gefragt werden, achten Sie bei der Beschreibung darauf, die Wörter „damals“, „früher“ oder „seinerzeit“ unbedingt zu vermeiden. Es sei denn, Sie wollen als kompletter Komposti gelten (­Komposti = Steigerung von Grufti. Wohin der Weg eines Kompostis führt, überlasse ich gern Ihrer Fantasie).


Sagen Sie also nichts in der Art von „Liebes Kind, damals, als dein Vater noch lange Haare hatte und beglückt die neue Led-Zeppelin-LP aus der ­Hülle zog ...“ Sondern kurz und knapp: „Schallplatten sind die Vorläufer von CDs und jetzt wieder im Kommen.“ (Wenn Sie mutig sind, fügen Sie an: „So wie auch der Toast Hawaii“.)


Zurück zum Geschmack unserer geliebten Brut. Vor allem deren Musikgeschmack ist von perspektivloser Qualität. Unsereins hörte seinerzeit wenigstens noch Neil Diamond. Oder Supertramp. So was schweißt zusammen, über Weltanschauungen und soziale Grenzen hinweg. WIR hörten gute Musik und wissen YouTuber mit Millionen Followern deshalb einzuordnen, wo sie hingehören.


ABBA, erklärte ich unlängst meinem 14-jährigen Sohn, sind Kult. Das seien Lieder für die Ewigkeit. Ich verstieg mich sogar zur Behauptung, dass es zur Allgemeinbildung gehöre, ein paar ABBA-Songs zu kennen. Mein Sohn sah mich an wie einen Autobus, und bevor die Peinlichkeits-­Messlatte in den Himmel wuchs, zog ich die Notbremse und fragte ihn nach seinem liebsten YouTuber. Mein Sohn nannte seltsame Namen von Menschen, die es aufgrund ihrer Millionen Follower schon weit gebracht hätten im Leben, prächtige Villen, fette Autos, Flugzeuge und tausende Gucci-Trutschi-Teile besitzen, und er deutete an, einen persönlichen steilen Karriereweg als YouTuber nicht ungeil zu finden.


Ich verzog mich ins Auto und warf ABBAs Greatest Hits in den CD-Player. Und dann Simply Red. Und dann die Bee Gees. Und dann Madonna und die Rolling Stones und dann Barry White und Brian Ferry und dann, ach.
Was soll ich sagen? Die Menschen neben mir an den Ampeln waren sprachlos vor Entsetzen über die Entfesselte, die auf das Lenkrad hämmerte und überglücklich mitgrölte.


Und nachdem die Grenzen ohnehin schon gesprengt sind, gibt’s heut Abend bei uns ein neues Kult-Gericht. Und Ananas soll übrigens durchaus gesund sein.

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Schreiben Sie mir Ihre Meinung: uschi.fellner@looklive.at. © Stefan Joham