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Die geheimen Botschaften der LiebeDr. Monika Wogrolly

Die geheimen Botschaften der Liebe | 25.06.2019

„Was tun, wenn ich mich zu dick für Sex fühle?"

Immer mehr Frauen entwickeln unter dem Eindruck von Perfektionismus und Magerwahn ein Selbstbild, das ihnen vorschreibt, wie sie auszusehen haben. Und schämen sich, nicht der erträumten Idealfigur zu entsprechen. Was hilft? Eine Therapeutin klärt auf!

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© iStock by Getty Images

Angelika, 40, hätte beinah einen Kollaps erlitten, als ihr Mann sie mit einem sexy Dessous als Mitbringsel überraschte. „Was tust du mir nur an – willst du mich lächerlich machen?“ brach es aus zornig ihr heraus, ehe sie unter Tränen aus dem Zimmer lief und sich für Stunden in Kummer wand: nicht perfekt, nicht begehrenswert, nichts wert, sondern nur noch eins zu sein: fett und unmöglich.

„Ich schäme mich für mein Hüftgold, obwohl mein Mann mich genau so liebt, wie ich bin“, klagt Angelika später in einer Psychotherapie-Sitzung. Und in einem bedenklichen Nachsatz bezeichnet sie ihren Mann als „womöglich pervers“, wenn er auf eine so fette Person stehe. Im Schlafzimmer der beiden ist schon lang tote Hose. Angelikas permanente Angriffe auf Rolf haben die Atmosphäre vergiftet. Lang würde die Beziehung solchem Druck nicht Stand halten. Im schlimmsten Fall sind Frauen mit fehlender Selbstakzeptanz vollkommen beziehungslos. Sie gleiten von einer sexuellen Vermeidungshaltung in ein generelles Vermeidungsverhalten: sie vermeiden Situationen, in denen sie sich eine Blöße geben könnten, gehen in kein Schwimmbad und an keinen Strand, treiben keinen Sport. Und schließlich schnappt die Depressionsfalle zu. „Ich bin das nicht, diese fette Person“, urteilte Angelika eiskalt über sich.

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DR. MONIKA WOGROLLY © Arman Rastegar

Sie nahm nach ihren beiden Schwangerschaften insgesamt sieben Kilo zu, fühlte sich wie ein „unförmiges Etwas“, das sie niemandem zumuten konnte. So lange eine Frau dieser Überzeugung ist, dringt ein Hilfe suchender Partner auch in einer Paartherapie nicht durch. Bei Beziehungskrisen wie von Angelika ist zuerst mit der Frau allein in einer Einzelpsychotherapie an ihrem aus den Fugen geratenen Selbstbild zu arbeiten. Denn der vermeintliche Paar-Konflikt besteht hier nicht primär in der Beziehung zu Rolf, sondern ist eine Folgeerscheinung von Angelikas innerem Konflikt. Erst nach der Versöhnung Angelikas mit sich selbst wird sie bereit sein, sich und ihren Mann mit gütigeren Augen zu sehen und ihren unrealistischen Perfektionsmusdrang abzumildern, der sie um jede Lebensqualität und um die Beziehung zu sich selbst bringt. 

 

Haben Sie auch eine Frage an Dr. Monika Wogrolly zum großen Geheimnis der Liebe? Schicken Sie eine Mail an liebe@looklive.at

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Lesen Sie auch das Buch der Paartherapeutin und Sexualtherapeutin „Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben“ © beigestellt