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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 28.09.2014

Yoga oder Nicht-Yoga

- oder wie die Umstände für alles verantwortlich sind

An meinem Badezimmerkästchen hängt seit ein paar Wochen die Karte eines „Monsters des Alltags: die Umstände“ (erforscht und illustriert von Christian Moser):

 

„um-stän-de, die (lat. Causae auxiliares) bieten ihre Hilfe an. Diese beflissenen kleinen Dienstleistungsmonster übernehmen bereitwillig die Verantwortung für jeden Ausrutscher und geben ein wasserdichtes Alibi. Und sie verlangen nicht mal was dafür: So ist man gerne ein Opfer der Umstände.“

 

Und während ich den Umständen gerne mal den schwarzen Peter zu schieben möchte, so gibt es auch solche, denen ich absolut dankbar bin.

 

Zum Beispiel dem Umstand, dass ich seit meinem Umzug vor ein paar Wochen einen eigenen hellen Raum in der Wohnung habe, in dem ich ausschließlich Yoga übe, meditiere oder auch mal jemanden mit einer Thai Yoga (Nuad) Session verwöhne.

 

Seither stehe ich morgens auf und schnappe mir ohne viel nachzudenken die Matte, zünde ein Kerzerl an, mache vielleicht noch Musik und tauche dann ein in meine Yoga-Praxis. Einfach herrlich. Unaufgeregt, ruhig und doch so wirksam.

In meiner alten Wohnung hatte ich zwar auch Platz für die Matte, aber es war einfach nicht das selbe.

 

Jetzt kann man sich Umstände bekanntlich kreieren, sie beeinflussen, Konsequenzen ziehen. Sie sind ja selten 'einfach nur da'. Gerade wenn es um das eigene Wohlbefinden geht, merke ich, wie gerne ich manchmal nur an der Oberfläche kratze, und wenn es nicht gleich klappt, die Geduld verliere. Das fängt bei mir beim Kochen an und hört mit dem Erstellen eines Wohlfühl-Kalenders auf. “Stop should-ing yourself!“ höre ich da April, die ich vor ein paar Jahren in Panama kenne gelernt habe, sagen. Ich bin ihr bis heute dankbar für dieses Wortspiel – "should-ing" hört sich fast genauso an wie "shooting". Denn mit jedem resignierten „Ich sollte....“ (I should...), tue ich mir irgendwo selbst weh.

 

Auf jeden Fall habe ich mich daraufhin mit mir selber auf das Motto „Weniger ist mehr.“ geeinigt. Und siehe da, der Widerstand schmilzt dahin. Lieber nur 3 Sonnengrüßen oder 20 Minuten Yoga am Morgen, statt es überhaupt bleiben zu lassen. Lieber nur eine halbe Stunde laufen als gar nicht. Ich wundere mich immer wieder, wie viel Lust auf mehr ich bekomme, wenn ich erst mal angefangen habe. So wie der Appetit beim Essen kommt....eben.

 

Und das mit den Umständen.... – hm, ein bisschen Nachhelfen ist oft gar nicht so schwer. Weniger ist auch hier oft mehr: Frische Musik für den i-Pod – und die Motivation zum Laufen steigt! Ein neues (Yoga-, Tanz-, Lauf-)Teil zum Anziehen – und ich fühle mich irgendwie frischer – klingt banal, wirkt aber. Ein 10-er Block statt einzelne Einheiten im Yoga- oder Fitnessstudio. Eine Laufgruppe (http://www.wienläuft.at/ oder einfach 'Lauftreff Wien' googlen) statt als Alleinkämpferin los zu ziehen. Ein Semesterkurs beim Tanzen, der jetzt anfängt und mich durch die zähen Herbst- und Wintermonate bringt, wenn das Wetter so günstige Umstände zum Couch-Liegen bietet.

Oder eben ein Umstände-Monster im Badezimmer – es hält mir verlässlich den Spiegel vor!

 

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