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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 07.08.2015

Yoga & Hippie Woo Woo Crap –

Oder: ein Impuls-Tanz-Workshop mit Sri Louise

Freitag Abend. Mitten im Hochsommer. In Wien. Die Gedanken schmelzen dahin wie das Schokoeis im Becher vor mir. Entscheidungen zu treffen bei diesen Temperaturen.... Worum ging's gleich noch mal? Ach ja! Ähhhhm.... Es geht nicht. Allein das Erwägen verschiedener Optionen fühlt sich schon zu anstrengend an. Dabei sollte ich jetzt wirklich bald wissen, was.... Egal.

 

Tja, in diesem Zustand befinde ich mich seit knapp einer Woche. Seitdem ich aus dem genialen und viel zu kurzen Urlaub auf meiner Lieblingsinsel zurück gekommen bin. Ich habe den Verdacht, dass ein Teil von mir einfach dort geblieben ist und sich standhaft weigert zurück zu kommen. Ich kann es ihm nicht verübeln. Ob ich ihn persönlich abholen sollte...? Ähmmm.... Das kann ich jetzt aber wirklich nicht entscheiden.

Tja, so oder so ähnlich sehen dann meine Gedankengänge aus dieser Tage. Mein Freund ist am Verzweifeln. Meine Mitbewohnerin nimmt es mit Humor. Ich stehe einfach neben mir. Bestimmt die Hitze, oder.....?!

 

Und trotzdem habe ich es irgendwie geschafft, diese Woche an einem Impuls-Tanz-Workshop teilzunehmen. Und nicht nur das. In den paar Stunden jeden Vormittag ist meine Aufmerksamkeit aus dem Dämmerzustand in Fully-alert-mode gesprungen. Und das schon um neun Uhr Früh im Arsenal. Sri Louise fordert volle Aufmerksamkeit ein. Allein schon durch ihr Auftreten. Und sie bekommt sie. Sogar von mir. Beziehungsweise von dem, was von mir aus dem Urlaub zurück gekommen ist.

 

Yoga & Whiteness: Facing the Colonial Self or Outing the Hippie Woo Woo Colonial Crap – der Titel des Workshops. Yoga kombiniert mit einem sozialpolitischen Thema? Klang erfrischend anders. Wie sie das wohl rüber bringt?

 

 

Kurze Videos, Diskussionen....Selbstreflexion, Hinterfragen von Gewohntem, Schichten abtragen, Spurensuche, Rückkehr zur „eingefleischten“ Geschichte....kombiniert mit Übungen, die in Mini-Schritten einzelne Körperpartien erfühlbar machen wie nie zuvor.... Blinde Flecken im Körper wahrnehmen, blinde Flecken in der eigenen Geschichte und der Geschichte der heutigen sozialen Strukturen entdecken. Und das ganze zusammen führen.... subtil und mithilfe von ausgewählter Musik während der Asanapraxis. Powerful!! Ich habe die Energie in meinem Körper noch nie so intensiv während einer Asanapraxis gespürt wie am vierten Workshoptag, als sich die Puzzleteile, die wir in den vorangegangenen Tagen sowohl im Körper wie auch im Diskurs auf emotionaler und geistiger Ebene freigelegt haben, zusammenfügen!

 

'Your issues are in your tissues', heißt es so schön auf Englisch. Sprich, deine Themen/Probleme sind in deinem Gewebe verankert, eingefleischt. Die Yoga-Asana-Praxis soll helfen, diese freizulegen und Blockaden zu lösen, damit die Lebensenergie so richtig fließen kann. So kraftvoll wie im Workshop diese Woche habe ich das bisher noch nicht erlebt. Weil die gesellschaftliche Dimension, mein Platz in diesem System, meine Wurzeln und das, was ich im größeren Ganzen unbewusst verdrängt habe, an die Oberfläche gebracht wurde? Weil ich auf der Matte nicht 'nur mit mir' als Individuum gearbeitet habe, sondern mit mir als Teil des großen Ganzen – nicht im esoterischen Sinne, sondern im ganz praktischen und alltäglichen? Weil ich neue Zusammenhänge in meinem Körper und in meinem alltäglichen Handeln und Denken erkannt habe? Diese Kombination hat Power! Und ich möchte mehr davon.

'As on the mat, so in life' hat für mich diese Woche eine neue Dimension bekommen.

Und während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie die Lethargie schwindet und das Leben hier und jetzt spannend wird. Hitze hin oder her.

 

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