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Fashion | 21.06.2021

MÄNNER UND IHRE BAUSTELLEN

Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er auch Schwächen eingestehen kann und ehrlich reflektiert. Fünf Vorbildmänner öffnen ihre Baustellen.

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© Oliver Marcher

MARIO REICHEL

Geschäftsführung BLITZBLANK

"Mit der richtigen Planung und der nötigen Willenskraft wird eine Baustelle zu einem tollen Projekt."

look!: Welche Baustellen hat’s in Ihrem Leben schon gegeben?

Mario Reichel: Baustellen sind für mich eigentlich Meilensteine und auch positiv besetzt. Jeder Meilenstein ist mit Hürden und Herausforderungen verbunden. So gesehen gab es einige (lacht). Als Familienvater habe ich ein Haus gebaut. Eine echte Baustelle also. Natürlich sind auch Trennungen und Krankheiten im Leben Baustellen. Heute bin ich sehr glücklich und zufrieden. Mit vereinten Kräften und viel Zielstrebigkeit ist es mir gelungen, jede meiner Baustellen bisher zu einem großartigen Ergebnis zu bringen.

Was sind Ihre aktuellen „Baustellen“?

Die letzten eineinhalb Jahre als Unternehmer waren fordernd und schwer. Wir sind mit unseren Reinigungsbetrieben Akkord und blitzblank und unseren adcura Pflegeheimen in den Systemerhalterbranchen. Dennoch bin ich überzeugt, dass unsere gesellschaftliche Baustelle die Pandemie ist, und wir müssen die letzten 15 Monate aufholen.

Wo packen Sie gern selbst mit an?

Ich bin ausgebildeter Reinigungsmeister und stolz darauf. Ich wollte wissen, was meine Kunden und Mitarbeiter jeden Tag leisten. Wir sind ein Familienunternehmen, da müssen wir als Eigentümer mit gutem Beispiel vorangehen. Ich reinige, koche und mache viel im Garten.

Sind Männer mittlerweile das benachteiligte Geschlecht?

Wir schauen auf die Qualifikation von Mitarbeitern und nicht auf ihr Geschlecht. Privat habe ich zwei Töchter und genieße das sehr. Als Hahn im Korb
(lacht) fühle ich mich pudelwohl und in keinster Weise benachteiligt. Solange sich Männer nicht als benachteiligt sehen, sondern mit Frauen wertschätzend und respektvoll umgehen, sehe ich keine Benachteiligung.

Haben Sie Tipps für mehr Nachhaltigkeit in der Haushaltsführung?

Meine Kinder sind mit dem Thema Nachhaltigkeit aufgewachsen. Wir vermeiden Plastik, trennen den Müll, kaufen Textilien mit dem Fairtrade-Siegel,
verbringen Urlaube in Österreich und überlegen uns unseren ökologischen Fußabdruck bei jedem Schritt, den wir tun. Elektromobilität hat bei uns in der
Familie und in unserem Unternehmen schon längst Einzug gehalten.

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© Oliver Marcher

CHRISTOPH FEURSTEIN

Moderator, Journalist

"In der Pandemie waren es wieder die Frauen, die noch mehr zu schultern hatten."

 

look!: Welche Baustellen hat’s in Ihrem Leben schon gegeben?

Christoph Feurstein: Manchmal denke ich, wirklich auf die „Butterseite“ des Lebens gefallen zu sein. Natürlich hat es immer wieder kleinere Krisen
gegeben, aber die haben mich auch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Aus der Bahn geworfen hat mich bis jetzt nur der Krebstod meiner Schwester vor einigen Jahren.

Welche Interviews haben Sie in der Corona-Zeit am meisten berührt?

Viele Geschichten haben mich berührt, zwei Interviews sind mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Einmal mit einem Mann, der durch die
Corona-Krise alles verloren hat und in die Armut geschlittert ist. Das zweite Interview mit einer Frau, die Covid-19 im künstlichen Tiefschlaf nur knapp überlebt hat und sich seit Monaten mühsam zurück ins Leben kämpft. Sie musste sogar wieder sprechen und gehen lernen.

Was hat die Menschen in der Pandemie am meisten beschäftigt?

Menschen von jung bis alt haben durch die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen viel Einsamkeit erlebt. So werden uns auch die psychischen Auswirkungender Pandemie wohl noch längerbeschäftigen. Weiters waren es wieder die Frauen, die noch mehr zu schultern hatten. Und natürlich darf man die vielen Menschen nicht vergessen, die ihren Job verloren haben und nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen.

Sie machen seit mehr als 20 Jahren spannende Reportagen und Interviews zu verschiedensten Themen. Was hat sich in dieser Zeit in Bezug auf die Interviewpartner und Ihre journalistische Arbeit verändert?

In manchen Bereichen viel, in anderen leider gar nichts. So berichte ich seit 27 Jahren über Gewalt an Frauen und die Forderungen der Hilfsorganisationen. Leider wurden die wenigsten davon bis heute erfüllt. Wie die schrecklichen Frauenmorde der letzten Wochen zeigen, hat sich auch an den patriarchalen Strukturen nichts geändert. Verändert hat sich natürlich die große Konkurrenz durch die vielen neuen
Sender und auch die sozialen Medien. Umso wichtiger sind Sendungen wie „Thema“, die in einer immer komplexer werdenden Welt Einordnung bieten.

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© Oliver Marcher

RAINER DEISENHAMMER

Eigentümer, Geschäftsführer GW Cosmetics

"Vieles von dem, was ich erreicht habe, habe ich Frauen zu verdanken und nicht Männern!"

look!: Welche Baustellen – symbolisch gesehen – hat’s in Ihrem Leben schon gegeben?

Rainer Deisenhammer:  Schon einige. Die für mich prägendsten waren: die Beziehung bzw. Nichtbeziehung zu meinem Vater. Diese Baustelle hat mich viele Jahre begleitet und auch stark geprägt. Hier konnte ich erst mit fast 60 Jahren feststellen, dass ich meinen Frieden mit ihm gefunden habe. Und dann die Beziehung mit meiner, leider am Anfang der Pandemie verstorbenen, Frau. Ich habe es leider nicht zuwege gebracht, meine Gattin von ihren schweren
Depressionen und der damit verbundenen Alkoholsucht zu befreien. Das hat dann auch nach über 20 Jahren zur Trennung geführt. Aktuell habe ich als positive Baustelle mein Unternehmen. Hier habe ich in der Pandemie die Strukturen und Prozesse völlig neu aufgesetzt. Das ist naturgemäß bei den Mitarbeitern nicht nur auf Zustimmung gestoßen und hat mich immer zweifeln lassen, ob der eingeschlagene Weg der richtige war. Aber heute kann ich sagen, dass die Baustelle bis auf die finalen Arbeiten positiv beendet ist. Privat bin ich mit mir und meinem Leben zufrieden, daher keine Baustelle.
GW ist ein nicht hierarchisch geführtes Unternehmen und die Menschen spielen die wichtigste Rolle.

Wo packen Sie selber an?

Meine Aufgabe sehe ich sehr stark in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und im Umgang mit unseren Partnern. Hier höre ich mir die verschiedenen Meinungen an und entscheide dann, was es braucht.

Sind Männer mittlerweile das benachteiligte Geschlecht? Was sind die „Hürden“ im Männer-Alltag?

Diesen Eindruck hat man tatsächlich. Viele Männer kommen mit starken und erfolgreichen Frauen offenbar nicht zurecht. Ich persönlich sehe keine Hürden im Männer-Alltag. Wenn man den Frauen vermittelt, dass man sie wertschätzt und versteht – auf diese Weise habe ich mein ganzes Leben nur positive Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht gemacht. Vieles von dem, was ich erreicht habe, habe ich Frauen zu verdanken und nicht Männern.

Was ist das Besondere an natürlicher Schönheit?

Die Ausstrahlung , die man nur hat, wenn man mit sich und seiner Umwelt im Reinen ist. Das ist eine Schönheit, die man spürt, aber nicht sieht.

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© Oliver Marcher

ANDREAS MARTIN

Geschäftsführer Porsche Media & Creative GmbH

"Die große Herausforderung ist wohl der Trade-off zwischen Berufs- und Privatleben."

 

look!: Welche Baustellen hat’s in Ihrem Leben schon gegeben?

Andreas Martin: Insbesondere im ersten Shutdown war es für einen geschiedenen Vater wie mich nicht leicht, Homeoffice und Homeschooling mit zwei schulpflichtigen Kindern unter einen Hut zu bringen. Zumal die ehemalige Partnerin als Apothekerin zur „kritischen Infrastruktur“ zählt. Das Positive an Corona ist in meinem Falle allerdings, dass ich seit Spätsommer vorigen Jahres mit einer neuen Partnerin liiert bin und wir nun mit vier Kindern (4, 8, 10 und 10) im Patchwork in Wien und im Burgenland leben und ich beruflich auch noch nach Salzburg pendle.

Brauchen Männer viele PS für ihr Selbstbewusstsein?

Als großer Fan der Elektromobilität weiß ich, dass es im Elektrozeitalter nicht nur um Leistung, sondern auch um eine (energie-)effiziente Fahrweise geht. PS unter der Haube sind daher hier nur eine relative Größe.

Gibt es einen Trend bei Frauen, schnellere Autos zu fahren?

Ich kenne überraschenderweise immer mehr Frauen, die gerne schnellere und größere Autos fahren. Hoffentlich liegt das nicht nur an meinem Alter, sondern ist wohl mehr ein Trend der Zeit.

Sind Frauen risikobewusster?

Das Risikobewusstsein erscheint mir mehr eine Persönlichkeits- als eine Geschlechterfrage.

Wie stehen Sie selbst zum fahrbaren Untersatz – bevorzugen Sie eher sportliche oder alltags- und familientaugliche Modelle?

Meine persönlichen Präferenzen zum fahrbaren Untersatz sind abseits der umweltpolitischen Aspekte definitiv die familientauglichen Modelle. Insbesondere in meiner Patchwork-Situation gibt es starke Stimmen für einen VWBus. Von dessen Vorzügen konnte ich mich erst in den vergangenen Monaten
überzeugen.

Haben Sie Tipps für uns, wie mamit dem Auto sicher in den Urlaub unterwegs ist?

Es geht nichts über eine professionelle und digitale Planung jeder Reise mit dem Auto. Elektrisch angetrieben glaubt man kaum, wie schnell die Elektro-
Ladeinfrastruktur gerade ausgebaut wird. Unabdinglich für jede längere Fahrt ist es auch, die entsprechenden Pausen einzuplanen. Wenngleich vielfach
ohnehin die Kids bestimmen, wann Pause ist...

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© Oliver Marcher

PHILIPP JELINEK

Triathlet und ORF-Vorturner

"Die Regelmäßigkeit bringt den Erfolg. Mit täglich 20 Minuten wirst du eine Veränderung spüren!"

look!: Welche Baustellen hat’s in Ihrem Leben schon gegeben und was sind Ihre aktuellen „Baustellen“?

Philipp Jelinek: Baustellen haben wir alle und jeder von uns ist gefordert, diese auf seine Art und Weise zu bewältigen. Das Leben stellt dich immer wieder vor neue Aufgaben. Ich habe vor 18 Jahren begonnen, an mir zu arbeiten, mich mit mir zu befassen, habe mit einem Schamanen gearbeitet oder nach zwei schweren Unfällen mit einer Therapeutin mein Leben durchforstet. Wir bekommen es so oft vorgesetzt, bis wir die Lektion gelernt
haben, und dann geht es weiter, Stufe für Stufe – oder zurück zum Start – ein bisschen wie in einem Videospiel.

Sind Männer mittlerweile das benachteiligte Geschlecht?

Die Frage ist, wo beginnt Benachteiligung? Im Berufsleben sage ich, die oder der Bessere soll den Job bekommen. Wenn das der Fall ist, kann man
nicht von einer solchen sprechen. Egal ob Mann oder Frau, wir alle verdienen uns Respekt, Anstand und Wertschätzung, und am Ende des Tages zählt der Mensch.

Sind Frauen fleißigere Turnerinnen als Männer, bezogen auf Ihre Sendung?

Also von den Rückmeldungen her sind definitiv die Frauen die aktiveren. Aber es gibt auch die Ausnahmen, wo er mitmacht und sie zusieht.

Sind Frauen gesundheitsbewusster?

Corona und die damit entstandene tägliche Bewegungseinheit haben bei den Menschen schon ein Umdenken ausgelöst. Sie merken, Bewegung tut
ihnen gut, sie fühlen sich danach besser und sie können aktiv etwas für ihre Gesundheit tun.

Wie stehen Sie selbst zum Thema Gesundheit, ab wann hat die Gesundheit eine entscheidende Rolle für Sie gespielt?

Gesundheit war immer schon ein Thema für mich, ich gehe seit meinem zwanzigsten Lebensjahr regelmäßig zum Urologen, und da ich viele Sommersprossen habe, auch zum Hautarzt. Ich versuche, ungesunde Dinge zu meiden, aber ich möchte auch leben – die Menge
macht das Gift!

Ein, zwei Tipps, wie Bewegung den Alltag erleichtern kann?

Nehmt euch bei all dem Stress, der Arbeit, Familie usw. auch Zeit für euch. Tragt euch einen Termin mit euch ein. Seid euch wichtig! Und das regelmäßig! Es bringt nix, wenn ich der Welt zwei bis drei Wochen ein Loch in den Bauch reiße und dann wieder nichts tu!