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Lifestyle | 08.03.2021

100 Jahre Weltfrauentag

Der Weltfrauentag wird auf verschiedenste Art zelebriert. Der ursprüngliche Sinn dieses besonderen Tages liegt aber keineswegs in Blumen, Geschenken und prozentuellen Nachlässen auf Konsumgüter. Ganz im Gegenteil. Wir erzählen euch, wie es überhaupt zur Abhaltung des Weltfrauentags kam - und zu welchen Erfolgen im Sinne der Gleichberechtigung er bisher beigetragen hat.

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Statue der legendären Frauenwahlrechtsaktivistin Millicent Fawcett in London © iStock by Getty Images

HER-STORY.

"There is no force equal to a woman determined to rise." Es gibt kaum Worte, die den Internationalen Weltfrauentag so treffend unterstreichen wie dieses Zitat des US-Soziologen und Civil Rights Movement Aktivisten William E. B. Du Bois. Im Jahr 2021 begehen wir in Europa den Weltfrauentag zum 100. Mal und blicken zurück, auf ein turbulentes Jahrhundert, das die Welt für immer veränderte. Die einflussreichsten Entwicklungen in Politik, Industrie, Technik, Bildung und Gesundheit genauso wie die größten Verbrechen der Geschichte der Menschheit prägten die gesamte Weltbevölkerung in gigantischem Ausmaß. Die Rolle der Frau innerhalb dieser historischen Entwicklungen, ihre Aufgaben, ihre Rechte, ihre Identitäten, ihre Visionen und Träume, gehört zu den facettenreichsten Kapiteln der Gesellschaftsgeschichte. Maßgeblich für den Anstoß dieser Veränderungen rund um den gesellschaftlichen und rechtlichen Platz der Frau waren die sozialistischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Noch bevor Frauen auf europäischen Boden begannen, ihre Stimme zu erheben, gingen in den Vereinigten Staaten am 28. Februar des Jahres 1909 Frauen auf die Straße und forderten ihr Wahlrecht. Der erste "National Women's Day" war geboren - eingeführt von der ukrainisch-stämmigen Suffragette und Sozialistin Theresa Malkiel und der Sozialistischen Partei Amerikas als feministischer Kampftag zur Forderung des Frauenwahlrechts. Nach diesem Vorbild schlug die deutsche Sozialistin Clara Zetkin1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Bereits am 19. März 1911 wurde dieser erstmals in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. In Wien demonstrierten 20.000 Menschen für die Frauenrechte auf der Ringstraße. Oberste Priorität: die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Wahlrecht für Frauen. Im 12. November 1918 wurde diese Forderung in Österreich erfüllt - eine der vielen Errungenschaften, die der Aktivismus rund um den Weltfrauentag im Laufe der Zeit mit sich brachte.

Die folgenreichste Demonstration fand am 8. März 1917 in St. Petersburg statt: die Arbeiter- und Soldatenfrauen lösten damit die Februarrevolution aus. Um an die Rolle der Frauen in der Revolution zu erinnern, gilt der 8. März in Russland bereits seit den 20er Jahren als internationaler Gedenktag. Von Jahr zu Jahr wuchs die Anzahl der TeilnehmerInnen (auch Männer demonstrierten an der Seite der Frauen) und die Stärke der Forderung nach Gleichberechtigung auf verschiedensten Ebenen. Hohe Priorität hatte vor allem, Bewusstsein die katastrophalen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Frauen zu schaffen, und Veränderung zu fordern. Zweifelsohne eine Problematik, die bis heute noch nicht gelöst ist. Auch im Europa von 2021 kämpfen wir nach wie vor für gleiche Entlohnung bei gleicher Arbeit.

Nichtsdestotrotz kann mit Stolz gesagt festgehalten werden, dass die AktivistInnen der vergangenen 100 Jahre mit ihrem Engagement maßgeblich zu den größten Meilensteinen in Richtung Gleichberechtigung der Frau beigetragen haben - und das, obwohl dem Einsatz für die Rechte der Frau in der Geschichte auch massive Steine in den Weg gelegt wurden. So waren beispielsweise der Weltfrauentag und alle damit verbundenen Aktivitäten während der NS-Zeit verboten, und der feministische Aktivismus brauchte bis in die sechziger Jahre, um wieder Fahrt aufzunehmen. Vor allem ab den 70ern konnten dank des unermüdlichen Engagements der Frauen (und Männer) eine Reihe wichtiger Reformen erreicht werden, wie zum Beispiel die Reform des Familien-, Namens- und Scheidungsrechts, das Gleichbehandlungsgesetz, den straffreien Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Wochen, verbesserte Mutterschutzbestimmungen, die Väterkarenz, das Verbot der Vergewaltigung in der Ehe, die Verfassungsmäßige Gleichstellung der Geschlechter und viel mehr. Das Ziel der vollständigen Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht - doch am heutigen Weltfrauentag schöpfen wir Kraft und Motivation aus dem starken, inspirierenden Einsatz von aktivistischen Frauen und Männern der letzten 100 Jahre.