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Lifestyle | 02.12.2019

Frauen und Finanzen: Liebe auf den zweiten Blick?

Geringerer Lohn, drohende Altersarmut – Themen, die vor allem Frauen betreffen. Dennoch beschäftigen sich auffallend wenig junge Frauen mit ihren Finanzen. Warum es wichtig ist, das zu ändern, erklärt dieser Beitrag.

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Frauen scheuen sich häufig vor dem Thema Finanzen. Dabei zeigen Studien, dass Frauen beim Sparen und Anlegen versteckte Talente haben. Wer diese jetzt nutzt, freut sich im Alter. © pixabay.com/Kevin Schneider (CCO Creative Commons)

Die Zukunft im Jetzt entscheiden

Lange galten Finanzen als männliche Domäne – von dieser Vorstellung scheinen wir uns erst langsam zu lösen. Das zeigt sich in vielen Bereichen. So bemängelt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Österreich in ihrer Studie Closing the Gender Gap, dass sich die gute Bildung der Frauen nach wie vor nicht in den Gehältern ausdrückt. Die Anzahl der Frauen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt habe sich zwar seit 2010 von 55 auf 69 Prozent gesteigert. Die Quote der Männer liegt bei 80 Prozent. Bei den tertiären Abschlüssen haben die Frauen bereits die Männer überholt. Das Gehalt der Frauen falle stets geringer aus. Die Unterschiede nehmen jedoch proportional zu, je geringer der Lohn bereits ist. Ein weiterer Einschnitt erfolgt bei Frauen oftmals in der Phase der Elternschaft. Ein Großteil der Frauen steigt beruflich aus, um danach in Teilzeit weiterzuarbeiten. Währenddessen steigen die Männer beruflich auf und verbessern ihr Einkommen.

 

Klug handeln

Diese Umstände lassen sich nicht einfach und sofort beheben. Diese Themen werden nur durch Druck und Öffentlichkeit auf politischer Ebene entschieden. Umso wichtiger ist es für Frauen, sich über ihre finanziellen Optionen zu informieren. Es gibt mehr Möglichkeiten als ein einfaches Sparkonto. Denn mit diesem und Sparverträgen sind die Gewinne oftmals sehr gering. Experten empfehlen eine clevere Mischung aus klassischem Sparen und Anlegen. Außerdem raten sie, früh zu starten. Die Anzahl der Wertpapiere und Aktien in österreichischen Haushalten liegen laut Statista bei rund 60 Millionen Euro. Gerade im Internet gibt es niederschwellige Angebote, die den Zugang zum Aktienmarkt mit geringen Beträgen ermöglichen. Start-ups wie Trade Republic ermöglichen beispielsweise ganz zeitgemäßes Trading per App. Solche Apps ersetzen zwar keinen klassischen Broker, dennoch kommen sie ganz gelegen, wenn man keinen großen Bildschirm zum Arbeiten hat. Vor allem geeignet sind solche Trading Apps für Personen, die nur kleine Beträge anlegen sowie regelmäßig kaufen und verkaufen. Laut Studien sind Frauen beim Anlegen übrigens oftmals Naturtalente. Sind die ersten Hemmungen überwunden, agieren Frauen umsichtig und clever.  

 

Partnerschaftlich agieren

Da für Frauen ein finanzieller Einbruch beim Start einer eigenen Familie droht, ist es wichtig, mit dem Partner über Geld zu sprechen. Doch in Beziehungen scheint das Thema Geld oftmals ein Tabuthema zu sein. Wer nicht offen über die finanzielle Situation spricht, riskiert wachsenden Unmut. Jedes Paar sollte vorbeugend diese Punkte klären:

  • Frage nach dem Konto
  • Aufteilung der Alltagskosten
  • Sparen
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Wer im hohen Alter gemeinsam unterwegs sein möchte, sollte das Thema Finanzen partnerschaftlich, fair und transparent klären. © pixabay.com/MabelAmber (CCO Creative Commons)

Konto

Bei der Frage nach der Kontoführung bleiben unterschiedliche Optionen:

  • gemeinsames Konto
  • gemeinsames Konto und jeder zusätzlich ein eigenes Konto
  • jeder ein getrenntes Konto

Wer sich für ein gemeinsames Konto entscheidet, sollte festlegen, wer sich um das Konto beziehungsweise wie man sich gemeinsam um alle relevanten Fragen kümmert. Wer sich für vollständig getrennte Konten entscheidet, muss die Alltagskosten sehr klar aufteilen, damit sie stets sicher gedeckt sind.

 

Alltagskosten

Die Alltagskosten bestehen gewöhnlich aus verschiedenen Posten:

  • Miete oder Kreditzahlung
  • Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas, Entsorgungsgebühren, …)
  • Telefon
  • Medien
  • Versicherungen
  • Lebensmittel
  • Hygieneartikel
  • Gebühren für Kinderbetreuung

Zusätzlich fallen – gerade bei kleinen Kindern – Anziehsachen und Schuhe, Spielsachen und Möbel ins Gewicht. Hierfür ist es sinnvoll, einen festen monatlichen Betrag zurückzulegen. Bei Bedarf ist so stets genug Geld vorhanden, um beispielsweise eine neue Winterjacke und Winterschuhe zu kaufen. Werden diese Posten aufgeteilt, empfiehlt es sich, dies prozentual vorzunehmen. Auch wenn diese Methode umständlich wirkt, sorgt sie für Gerechtigkeit und Durchblick. Hierbei wird aufgeteilt, wie viel Prozent des Haushaltseinkommens das jeweilige Gehalt ausmachen. Verdient der Mann 3.500 Euro und die Frau verdient 2.500 Euro, sind 6.000 Euro hundert Prozent des Haushaltseinkommens. Das Einkommen des Mannes macht 58,33 Prozent des Gesamteinkommens aus. Die Frau verdient 41,67 Prozent des Haushaltseinkommens. Liegen nun die gesamten Alltagskosten bei 5.000 Euro, so übernimmt der Mann 58,33 Prozent hiervon, sprich 2.916,50 Euro. Die Frau trägt 41,67 Prozent, was 2.083,50 Euro bedeutet.

 

Sparen

Beim Thema Sparen muss ein Paar entscheiden, ob es gemeinsam oder getrennt sparen möchte. Sind beide beim Thema Finanzen sehr unterschiedlich, bietet getrenntes Sparen eine sinnvolle Lösung. Allerdings bringt diese Methode im Alltag Hürden mit sich. Denn spart nur einer von beiden Partnern, ist es am Ende schwer, wenn das ersparte Geld beispielsweise in eine Immobilie oder als Rentenzusatz genutzt wird. Auf gemeinsame Ziele sollte gemeinsam gespart werden.

Tipp: Einige Paare legen in der Elternzeit ein Rentenkonto für die Frau an, die in dieser Zeit Renteneinbußen in Kauf nimmt. Die sorgt zumindest auf partnerschaftlicher Ebene für einen Ausgleich.

 

Kein Geld übrig? – Tipps zum Sparen

Gerade wenn das Geld knapp ist, scheint das Thema Sparen und Anlegen schwierig zu sein. Die Verlockungen in einer Stadt wie Wien zum Einkaufen sind groß. Doch das Aufschieben auf morgen hilft beim Thema Sparen nicht. Stattdessen hilft es, die eigenen Ausgaben kritisch zu beäugen. Hinter folgenden Punkten versteckt sich oftmals Sparpotenzial:

  • Mitgliedschaften
  • Abonnements
  • Versicherungen
  • Einkäufe

Ist das Geld am Ende des Monats immer knapp, empfiehlt sich eine kritische Bilanz. Seit einigen Monaten nicht mehr im Fitnessstudio gewesen? Dann die Mitgliedschaft kündigen. Die Zeitschriften oder die Zeitungen liegen bis zur nächsten Ausgabe noch ungelesen auf dem Tisch? Dann das Abonnement einstellen. Bei Versicherungen empfiehlt sich das Überprüfen in einem Vergleichsportal, ob das eigene Angebot wirklich das günstigste ist. Häufig verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank? Vor der neuen Woche einen Essensplan machen und entsprechend einkaufen. Wer mit einer Einkaufsliste einkaufen geht, kauft letztlich deutlich weniger spontane Zusatzprodukte.

 

Heute an morgen denken

Mit einem kleinen finanziellen Polster lebt es sich bequemer und ruhiger. Cleveres Sparen und Anlegen ist keineswegs schwierig. Als Paar braucht es klare Worte und eine offene Kommunikation, damit Geld nicht die Beziehung belastet. Singles müssen die ersten Hemmungen überwinden, um festzustellen: Geregelte Finanzen sorgen für ein gutes Gefühl.