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Lifestyle | 14.07.2022 Entgeltliche Einschaltung

Wir alle sind einzigartig und individuell

Maßgeschneiderte Therapie durch personalisierte Medizin

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Nicht erst seit der Pandemie sind psychische Erkrankungen wie Angst und Depressionen im Steigen. Viele Betroffene versuchen, vorerst ihre Probleme allein in den Griff zu bekommen. Gut gemeinte Ratschläge wie „Halte durch!“ oder „Lass den Kopf nicht hängen!“ tragen kaum zu einer Verbesserung bei. Der nächste Schritt ist der Weg zu professioneller Hilfe. Wir sprachen mit Dr. Helmut Paulus, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut aus Salzburg, über seine Behandlungsansätze und seinen Zugang zu maßgeschneiderter Medizin.

Für die Bundesländerinnen Frau Dr. Christine Dominkus im Gespräch mit Dr. Helmut Paulus, Neurologe, Psychiater und Physiotherapeut aus Salzburg.

Was ist personalisierte Medizin und welchen Sinn hat sie?
Dr. Helmut Paulus: Seit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts vor über 20 Jahren hat sich die Medizin verändert. Wir wissen seither, wie Gene das menschliche Gehirn steuern und wie defekte Gene Krankheiten auslösen können. Wir haben auch gelernt, welche Rolle äußere Einflüsse auf die Gene spielen, wie z. B. Stress die Entstehung von Depression begünstigt. Die Medizin hat früher primär statistische Grundlagen für ihre Handlungsweisen herangezogen, das heißt, sich an den durchschnittlichen Befunden der Allgemeinheit orientiert. Heute können wir das Wissen über die Ursache und den Verlauf einer Krankheit sehr genau für die einzelne Personen anwenden. Wir können nun unsere Aufmerksamkeit zunehmend auf den Patienten als Individuum mit einer ganz bestimmten genetischen Veranlagung für Gesundheit und Erkrankung richten. Das ist das Wesen der personalisierten Medizin.

Sind neurologische und psychische Erkrankungen im Steigen?
In Europa leiden rund 60 % der Bevölkerung an einer neurologischen oder psychischen Erkrankung, Tendenz steigend. Je höher das Alter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen Diagnose. Andere Krankheiten wie etwa Gehirnhautentzündungen gehen tendenziell zurück. Demgegenüber nehmen z. B. Demenz, Parkinson, Depression oder Angsterkrankung
zu. Die Fortschritte in der Medizin haben jedoch zu einer Verringerung des Schweregrads und somit der Belastungen für jeden Einzelnen geführt. Diesen Fortschritt verdanken wir auch der personalisierten Medizin.

Gibt es genügend Therapieansätze?
Es gibt zahlreiche Medikamente, die dabei helfen, den Schweregrad der Erkrankung zu reduzieren, Betroffene zu stabilisieren und die Genesung langfristig zu unterstützen. In vielen Fällen kann eine Beschwerdefreiheit und Vermeidung von Rückfällen erzielt werden. Psychotherapie kann eine ähnliche Wirkung wie ein Medikament entfalten – vorausgesetzt, es besteht eine gute emotionale Bindung zur behandelnden Person und es gelingt im Laufe der Therapie, die persönlichen Alltagsrituale zum eigenen Vorteil zu verändern. So ergänzen sich Medizin und Psychologie auf ideale Weise.

Warum ist es oft schwierig, das passende Medikament zu
finden?
Die Art und Weise, wie ein bestimmtes Medikament im Organismus verstoffwechselt wird, ist genetisch vorbestimmt, also individuell. Dabei spielen etwa Enzyme in der Leber eine Rolle, die mitbestimmen, ob und wie schnell die Wirkung von einem Medikament ein- oder ausgeschaltet wird. Wenn zusätzliche Medikamente eingenommen werden, können diese sich gegenseitig behindern oder auch fördern. Alle diese Faktoren sind bei jedem Menschen spezifisch und individuell. Diese können erst durch eine genetische Untersuchung ergründet werden. Die Pharmakogenetik hilft, diese persönlichen Bedingungen zu entschlüsseln und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Nutzen und Verträglichkeit eines Medikaments sowie die Wechselwirkung mit anderen vorhergesagt werden kann. So können Leidenswege durch unnötige Therapien und Nebenwirkungen erheblich reduziert und abgekürzt werden.

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Fotocredit: PharmGenetix

Bei welchen Indikationen haben Sie besondere Erfolge?
Durch die Anwendung der Pharmakogenetik ist die personalisierte Medizin bei der Suche nach dem passenden Medikament im klinischen Alltag angekommen. Davon profitieren vor allem jene Menschen mit neurologischen und psychiatrischen Krankheiten, bei denen sich das gewünschte Ergebnis nicht einstellte, belastende Nebenwirkungen vorherrschten oder aufgrund mehrerer gleichzeitiger Erkrankungen eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten zu befürchten war. Da die Depression besonders häufig mit anderen Erkrankungen auftritt, ist gerade hier die Sorgfalt bei der Auswahl des richtigen Medikaments für den Genesungsverlauf entscheidend. In Zukunft könnte ein sogenannter „genetischer Pass“ einen neuen Weg in der personalisierten Medizin eröffnen, der auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte untereinander zum Wohle des einzelnen Patienten deutlich verbessern kann.

Wie aufwendig ist eine genetische Untersuchung?
Die Voraussetzung ist die Gewährleistung der Datenschutzrichtlinien auf höchster Sicherheitsstufe. Die pharmakogenetischen Untersuchungen werden inzwischen bei steigender Bedeutung für die Medizin und starker Nachfrage in spezialisierten Labors mit guter Qualität durchgeführt. Die Bestimmung erfolgt durch eine Blut- oder Speichelprobe. Eine Auswertung dauert ca. 14 Tage und umfasst auch andere Medikamente. Dann muss anhand des Befundes vom behandelnden Arzt eine Auswahl von Medikamenten getroffen werden, die eine optimale Wirkung und Verträglichkeit erwarten lassen. Bei Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Begleiterkrankungen werden die jeweiligen Spezialisten eingebunden.