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Lifestyle | 15.02.2019

Beten ist gesund

Spannend. Johannes Huber, Hormonspezialist, Theologe und Bestseller­autor, erforscht in seinem neuen Buch die Ewigkeit. Und versucht, auf rationaler Ebene die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten.

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Erfrischend. Johannes Huber, 72, weiß inzwischen mit Kritik umzugehen. „Einer der wenigen Vorteile des Alters“, sagt er lachend. © Stefan Diesner

"Woher wir kommen. Wohin wir gehen“, titelt der neue Bestseller von ­Johannes Huber, in dem er sich sowohl auf physikalische als auch auf medizinische Erkennt­nisse wie u. a. Elektronenfluss und Epigenetik bezieht und daraus ablei­tet, dass die Existenz von Dämonen und Schutzengeln als körperlose Wesen „rational schlüssig“ sei. Darüber hinaus führt er uns in einer faszinierenden Zeitreise zurück bis zum Urknall und zeigt, dass schon am Anfang allen Lebens die gesamte Information angelegt war.

look: Was motiviert Sie zu Büchern, mit denen Sie mitunter auch anecken?

Johannes Huber: Ein Beweggrund ist sicher, dass Kardinal König, dem ich ja zehn Jahre zugearbeitet habe, kurz vor seinem Tod zu mir gesagt hat, ich solle sooft als möglich darauf hinweisen, dass Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze sein müssen. Und ­zudem ist jeder von uns auch epigenetisch ­geprägt. Mein Vater war Sozialdemokrat, meine Mutter eine eifrige Kirchengeherin und in diesem Widerspruch bin ich aufgewachsen. Daher wollte ich einen Weg finden, der für beide gangbar ist. (lacht) Aus dieser epigenetischen Prägung heraus interessiert mich diese Thematik. Die Wissenschaft kann den lieben Gott nicht beweisen, auch nicht das Transzendentale, aber sie kann ihn als vernünftig erscheinen lassen. Meine Intention ist es, darzustellen, dass es intellektuell redlich ist, an Dinge zu glauben, die man nicht wiegen oder messen kann.

 

Wie etwa auch an Schutzengel?

Ja, wobei ich nie beweisen wollte, dass es sie gibt. In meinem Buch über Engel habe ich lediglich einen Schweizer Kosmophysiker zitiert, der darauf hingewiesen hat, dass eine Ähnlichkeit – nicht Identität – besteht zwischen Photonen, also Lichtteilchen, und dem, was die drei großen abrahamitischen Religionen über Engel schreiben: Sie sind ewig, kennen keine Zeit, haben keine Ruhemasse und sind daher nicht wägbar. Natürlich heißt das nicht, dass Photonen Engel sind, aber wenn es ­sogar in der Phsyik schon Realitäten gibt, die für uns nicht nachvollziehbar sind, dann ist es legitim, wenn jemand sagt, er glaubt an Schutzengel.

 

Im Gegensatz dazu: die Existenz des Bösen. Wie schützt man sich davor?

Indem man sich vor allem von den sieben Todsünden, zu der auch die Gier gehört, fernhält, die innere Balance wahrt und vernünftig lebt. Dann hat man ein größeres Schutzschild.

 

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Bereichernd. Anregender Talk über Glaube, Tod u. v. m. in Prof. Hubers Wiener Ordination. © Stefan Diesner

Wohin entwickeln wir Menschen uns – Ihrer Meinung nach – eigentlich?

Eine Theorie besagt, dass Großkaufhäuser die Kirchen ersetzen, die Menschen sich immer mehr auf das Habenwollen konzentrieren und alle Brücken zum Transzendentalen abbrechen. Die andere Auffassung, der ich eher anhänge, ist, dass die Menschen – und das klingt jetzt völlig unglaublich – weniger polymorph werden. Wir sehen es an den Kindern, die u. a. weniger streitsüchtig sind. Auch der Verkauf von Kriegsspielzeug geht inzwischen sehr zurück. Hinzu kommt die multiple Östrogenisierung, die Menschen werden insgesamt weiblicher und ich glaube, dass dieser Östrogenisierungseffekt die Menschen auch friedlicher macht. Eine Hypothese, aber eine, die es wert ist, darüber nachzudenken.

 

Haben es gläubige bzw. betende Menschen im Leben denn leichter?

Sie haben sicher eine größere innere Ruhe. Und man weiß inzwischen dank Studien auch, dass Beten sogar das Herzinfarktrisiko senkt.

 

Sie schreiben, die ganze Evolution hat ein Gedächtnis ...

Ja, wir tragen die gesamte Entwicklung des Lebens in uns. In der embryonalen Entwicklung machen wir das alles auch durch: erst die Fisch-, dann die Amphibienphase usw. Und das Gleiche gilt für das persönliche Erleben. Ganz neue Studien, die erst vor kurzem erschie­nen sind, beweisen, dass die Raumtemperatur bei der Zeugung über die Verteilung des braunen und schwarzen Fettes entscheidet, also ob der Mensch später dicker oder dünner wird. Je kälter es war, umso mehr braunes Fett und umso schlanker. Aber auch die Liebe lässt sich vererben.

 

Auf welche Weise?

In den ersten zwei, drei Lebensjahren, also im zweiten epigenetischen Fenster, ist es wichtig, dass das Kind sooft als möglich gestreichelt und abge­schmust wird. Es muss nicht unbe­dingt die Mutter sein, aber ­jemand, der das kontinuierlich macht. Und dieses Zunei­gungs- und Sicherheitsgefühl prägt sich dermaßen in das Epigenom, dass es weitervererbt wird an die Kinder und Kindeskinder.

 

In Ihrem letzten Buch haben Sie sehr berührende Worte über Kardinal König geschrieben. Ihr Lebensmensch?

Schauen Sie, ich komme aus ärmeren Verhältnissen, mein Vater war Elektriker und meine Mutter Hausfrau. Und auf einmal fahr’ ich mit dem Kardinal König – er ist übrigens nicht mein Vater, was eine große Ehre für mich wäre – zu den Kennedys nach Washington, bin bei Nobelpreisträgern, rede mit Erich Fromm, lerne Kreisky näher kennen usw. Er war eine Persönlichkeit, die mich geprägt und die Großes geleistet hat – wie u. a. die Aussöhnung mit den Sozialdemokraten. Eine historische Leistung, die ich miterlebt habe ... Ein weiser, natür­licher Mensch und ein Vorbild.

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Viele Antworten

Top. Der Bestsellerautor widmet sich in seinem neuen Buch nicht nur Engeln, Dämonen, dem Urknall und dem Tod, er publiziert auch erstmals seinen Briefwechsel mit Sir Karl Popper (einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts), der Hubers Thesen voll unterstützt hat.