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Lifestyle | 28.11.2022

Eine Geschichte österreichischer Vergangenheit: „Schächten"

Der neue österreichische Spielfilm von Thomas Roth läuft ab 2. Dezember in den Kinos!

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RECHT, GERECHTIGKEIT & RACHE. „Schächten" ist eine Geschichte österreichischer Vergangenheit, die bis heute untrennbar mit der Gegenwart verbunden ist. © Ricardo Gstrein

Vergangenheit ist nicht gleich vergangen

Victor Dessauer (Jeff Wilbusch), ein in Wien geborener Jude, wird im Kindesalter Zeuge, wie seine Großeltern von Nazischergen brutal ermordet und seine Eltern und seine Schwester verschleppt werden. Er erkennt dabei den Anführer der Männer, Kurt Gogl. 20 Jahre später betreibt Victor mit seinem Vater Paul in Wien einen Textilhandel und ist mit der jungen Katholikin Anna Stöger liiert. Victors Leben scheint sich langsam in eine bessere Zukunft zu entwickeln, bis sein Vater erfährt, dass Kurt Gogl angeblich unbekümmert und unbescholten im Salzkammergut lebt und dort als Volksschuldirektor arbeitet. Paul beauftragt den inzwischen als “Nazijäger” bekannten Simon Wiesenthal, Gogl aufzuspüren und ihn vor Gericht zu bringen. Gogl wird auch tatsächlich angeklagt, aber im noch immer naziverseuchten Österreich schlussendlich freigesprochen. Als Victors Vater kurz danach an den Folgen der Aufregungen um den Prozess erkrankt, beschließt Victor, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen und setzt dabei seine eigene Existenz aufs Spiel.

Der erste seiner Art
Die nicht vorhandene Aufarbeitung der Nazi-Zeit mit ihren verheerenden Gerichtsurteilen, der ungenügenden Entnazifizierung und ihrem verdeckten Postenschacher, wurde noch nie aus der Sicht eines jungen, in Wien aufgewachsenen Juden gezeigt, der in den 1960er-Jahren, in einem über weite Teil noch immer braun gefärbten Land, sein Recht zu erkämpfen versucht. Eine Geschichte österreichischer Vergangenheit, die bis heute untrennbar mit der Gegenwart verbunden ist.

Eintauchen in eine dunkle Welt der Schmerzes
Das Buch "Recht, nicht Rache" von Simon Wiesenthal diente für den Regisseur Thomas Roth als Quelle der Inspiration. Der Autor behandelt in seinem Buch akribisch die Aufarbeitung vieler gescheiterter Versuche, in Österreich Gerechtigkeit für Opfer des Holocaust einzuräumen. Es handelt von Nazi-Verbrechern, die vor Gericht freigesprochen wurden, KZ-Leiter, die in sozialer Sicherheit als Beamte arbeiten und Politikern mit SS-Vergangenheit, die sich plötzlich an nichts mehr erinnern konnten.

Es ist erschreckend wie lang sich Österreich hinter einem Opferstatus versteckt hat, wo es doch eigentlich Mittäter war. „Dem kollektiven Gedächtnis in unserem Land, in dem Verleugnung, Verharmlosung und Verdrängung bis zur Jahrtausendwende eingeschrieben war, muss kontinuierlich aktualisierte Bewertungsschemata bereitgestellt werden. Ein Ende ist nicht abzusehen", so die Produzentin des Films Mag. Katharina Ernst.


Der offizielle Kinostart von „Schächten" ist am 2. Dezember.
In folgenden Kinos kann der Film angeschaut werden: Votiv, Cine, Urania, Village, Apollo, Donauplexx, Auhof Center & Millennium

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„Schächten" ist ein rein in Österreich finanzierter Kinofilm. Wien war als Spiel- und Drehort aus kultureller und historischer Sicht deswegen wichtig, weil die Familie Wagner, deren Schicksal hier fiktional erzählt wird, seit Jahrhunderten in Wien gelebt hatte, aus ihr vertrieben wurde, dann aber wieder zurückkam, um schlussendlich von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager verschleppt zu werden. © cultfilm