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Lifestyle | 13.05.2018

Medikamente für Frauen

Kurz vor der Zulassung: Das Biotech-Start-up ProFem geht mit dem ersten Produkt in die Phase wichtiger ökono­mischer ­Entscheidungen. CFO Mag. Karin Vilsmeier spricht über Herausforderungen, Marktumfeld und Zukunftspläne.

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Mag. Karin Vilsmeier verantwortet die kaufmännischen Agenden der ProFem. © Stefan Burghart

Das österreichische Biotech-Unternehmen ProFem hat sich der Aufgabe verschrieben, Frauengesundheit in den Fokus zu rücken. Das Team rund um Gründerin DI DDr. Noe befasst sich mit der Entwicklung von Medikamenten zur Therapie von Frauenleiden. Die zentrale „Proof of Concept“-Studie des Produkts „Candiplus“ (innovative Creme gegen Scheidenpilz) steht nun vor dem Abschluss und soll bis 2021 auf den Markt ­kommen.

B-look: Wie gestaltet sich das Marktumfeld?

Mag. Karin Vilsmeier: Traditionellerweise hat ein Großteil der Medikamente, die unter dem Begriff „Gynäkologika“ laufen, etwas mit Hormonen zu tun, von der Anti-Baby-Pille über Hormone zur Kinderwunschbehandlung bis zur Hormon(ersatz)therapie. Darüber hin­aus gibt es nicht allzu viele Firmen, die sich gezielt mit dem ­Thema Frauengesundheit auseinandersetzen. Dies liegt unter anderem ­sicherlich auch daran, dass viele solcher Leiden und Erkrankungen ungern als solche thematisiert werden und der Leidensdruck, der ­davon ausgeht, nicht in der breiten Öffent­lichkeit wahrgenommen wird. In dem Bereich, in dem das Projekt „Candiplus“ angesiedelt ist, gibt es etwa seit den 1980er Jahren ­keine wesentlichen Therapiefortschritte mehr, und das nicht deswegen, weil es hier keine Probleme mehr gibt. So sind hunderte Millionen von Frauen von chronischen vaginalen Pilz- und Bakterieninfektionen betroffen und ebenso viele von chronischen Blaseninfektionen und Folgeproblemen.

 

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FRAUENPOWER. Mag. Vilsmeier, DI DDr. Noe und PD Dr. Gouya (Klinische Programmleiterin). © Stefan Burghart

Wie sehen Ihre Agenden bei ProFem aus?

Im Rahmen der dreiköpfigen ProFem-Geschäftsleitung vertrete ich die betriebswirtschaftliche und finanzielle Seite des Unternehmens. Meine Aufgabe sehe ich darin, eine wachstums­orientierte und vor allem nachhaltige finanzielle Strategie zu entwickeln. Die spezielle Herausforderung für den CFO eines innovativen und forschungs­orientierten Pharmaunternehmens besteht in der erheblichen Langfristigkeit pharmazeutischer Projektumsetzungen. Von der Invention über die Innovation bis hin zum modernen, wirkungsvollen „Medikament für die Frau“ vergehen rund zehn bis 15 Jahre.

 

Welche Expertise bringen Sie ein?

Einerseits verantworte ich die finan­ziellen Belange des Unternehmens ProFem, andererseits vertrete ich aber auch die Interessen der neuen Inves­toren, konkret der WKV Investment Holding, St. Gallen. Diese Invest­ment Holding hat seit 2017 subs­tanzielle Finanzmittel in die ProFem eingebracht.

 

Wie viel steckt bis dato in der Forschung?

Es ist ein substanzieller Millionenbetrag und die Forschungsaktivitäten der ProFem umfassen eine Produkt-Pipeline von aktuell vier innovativen Medikamenten. Diese werden nach ­erfolgreichem Abschluss der Lizenzierungsphase für „Candiplus“ sukzessive auf den Markt gebracht werden.

 

Wie sehen die Zukunftspläne aus?

ProFem ist keine „One Product Company“, sondern hat eine nachhal­tige Firmenentwicklung zum Ziel. ­Unsere besonderen Stärken sehen wir vor allem im wissenschaftlichen ­Bereich, speziell bei der Umsetzung von neuen biomedizinischen Erkenntnissen in verkaufbare Produkte, ein Gebiet, das allgemein unter dem Schlagwort „Translational Sciences“ propagiert wird. Die Projekte beginnen mit einer umfassenden pathobiochemischen und pathophysiologischen Analyse des Krankheitsgeschehens, aus welcher sich das therapeutische Konzept ­ergibt. Unsere Expertise umfasst darüber hin­aus wesentliche Bereiche von Drug Discovery und Drug Development, einschließlich der pharmazeutischen und klinischen Entwicklung. Bei ProFem werden diese Fähigkeiten für die Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und die Behandlung ihrer Leiden gerichtet sind. Schwerpunkte sind derzeit chronische Urogenitalinfektionen, aber auch Frühgeburtlichkeit und Fruchtbarkeitseinschränkungen. Das derzeitige Firmenkonzept sieht daher die firmeninterne Entwicklung der Projekte bis in späte klinische Phasen vor, während die Vermarktung mittelfristig gemeinsam mit Lizenzpartnern erfolgen soll.

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ProFem- Gründerin DI DDr. Noe kämpft für die Enttabuisierung von Frauen­leiden. © Stefan Diesner