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Lifestyle | 06.05.2018

Tabuthema: Geld & Liebe

Spannend. Das liebe Geld birgt nach wie vor – selbst in harmonischen Beziehungen – großes Konfliktpotenzial. Der deutsche Top-Paarberater Michael Mary widmet sich in seinem neuen Buch genau diesem Thema.

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Kein happy end. Der vielfache, aber einsame Millionär Gatsby (Leonardo DiCaprio) und seine Jugendliebe Daisy (Carey Mulligan), die einen anderen geheiratet hat. © Courtesy of Warner Bros. Pictures / Everett Collection / picturedesk.com

"Die Liebe und das liebe Geld" nennt sich das neue Werk von Therapeut und Sachbuchautor Michael Mary, der anhand vieler Fallbeispiele sowohl konkrete Anregungen als auch theoretische Er­kenntnisse liefert. Und neue Perspektiven eröffnet. Denn Tatsache bleibt: Wenn die Finanzen stimmen sollen, muss man darüber reden. Und je offener und ehrlicher man mit diesem heiklen Thema umgeht, umso besser wirkt es sich für beide Partner aus. Wichtig ist natürlich ebenso, seine persönliche Einstellung Geld gegenüber zu erkennen und klarzustellen. Mary kommt es auf zweierlei an. „Erstens, die Rolle zu beschreiben, die Geld in Paarbeziehungen einnimmt, und zweitens, individualisierbare Anregungen zum Thema Liebe und Geld zu geben, aufgrund derer ein Paar selbst entscheiden kann, wie es mit dem Thema umgehen möchte.“

 

Über den Begriff Geld

Für Mary ist Geld ein komplexes soziales Phänomen, dem er drei wesentliche Funktionen zuschreibt: Versprechen, Mittel und Symbol. „Geld ist ein unpersönliches Mittel, um wirtschaftliche Überschüsse an Dingen/Diensten mithilfe staatlich gewährleisteter Versprechungen zu verwalten. Geld macht nicht vergleichbare Dinge durch symbolische Zahlenwerte vergleichbar, stattet seine Besitzer mit sozialer Bedeutung aus und nimmt individuell unterschiedliche Bedeutungen an.“

 

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"Es spricht alles dafür, das Tabu um das Geld in der Liebe aufzulösen." - Michael Mary. © beigestellt

Über die Paarliebe

In heutigen Paarbeziehungen finden  sich laut Mary drei Bindungsformen. Die älteste Form der Beziehung zwischen Mann und Frau basiert auf Tausch – „einem Austausch von Dingen und Diensten bei der Bedürfnis­erfüllung“. Man ist zusammen, „weil man einander zum Überleben und zur Alltagsbewältigung braucht, man sich vertraut, sich aufeinander verlässt und einander durchs Leben begleitet“. Als zweite Form der Bindung nennt Mary die freundschaftliche Liebe, in der es „allein um das psychische Wohlbefinden des Partners geht. Wenn Partner einander Wohlwollen zeigen und Wesensunterstützung geben, können sie sich dafür lieben“. Als dritte Form führt der Autor die „emotional-leidenschaftliche Bindung“ an. „Die wesentliche Aufgabe der heu­tigen Paarliebe lautet: Erweckt füreinander den Eindruck der Ganzliebe. Denn wer sich ,ganz‘ geliebt fühlt, der fühlt sich auch ,ganz‘ bestätigt.“ Diese Form der Beziehung scheine von allen anderen Bedingungen befreit zu sein. „Emotional-leidenschaftlich wird man nicht geliebt, weil man ein verlässlicher Partner ist, und auch nicht, weil man Interessen teilt oder den anderen in seiner psychischen Entwicklung unterstützt, sondern dafür, dass man so ist, wie man ist.“

 

Über die Allianz von Geld und Liebe

„Geld ist in einer Paarbeziehung nicht einfach nur Geld – es ist Beziehungsgeld, das sich in drei Geldformen aufteilt. Auf diesen drei Begriffen – Partnergeld, Freundesgeld und Liebes­geld – beruht der richtige Umgang mit Geld in Paarbeziehungen. Im partnerschaftlichen Liebesbereich werden Leistungen ausgeglichen. Wenn Geld diesem Leistungsausgleich dient, wird es zu Partnergeld.“ Über die Leistungen der Partner werde verhandelt, Verträge müssen geschlossen werden, Abmachungen werden notfalls eingefordert. Beim Freundesgeld wiederum rückt laut Mary das eigene Ego in den Hintergrund. „Der gültige Maßstab ist das Glück des Partners. Geben und Nehmen müssen sich auf Dauer ausgleichen.“ In Bezug auf Liebesgeld gilt, dass es bedingungsfrei gegeben wird und keine Verpflichtungen damit verbunden sind. „Liebesgeld ist Geld, das dem Ausdruck der Liebe dient. Weil weder Leistung noch Wohlwollen damit verbunden sind, wird es zu ,heißem‘ Geld.“ Im Gegensatz dazu beschreibt Mary z. B. Geschäftsgeld als „kalt“.

 


Über die konkrete Vorgehensweise

Mary rät, zuerst das Thema aufzugreifen, indem man einfach sagt: „Wir müssen über Geld sprechen“, dann zu klären, um welche Art von Geld es sich handelt, und festzulegen, wie damit umgegangen werden soll. Die eigene Bedeutung des Geldes dabei nicht außer Acht lassen. Und zuletzt die Lösung formulieren und gegebenenfalls schriftlich festhalten oder in bestimmten Fällen notariell beglaubigen lassen.

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Geld und Liebe.

Sehr informativ.

Top. Michael Mary beleuchtet das letzte Tabu in Paarbeziehungen sehr genau. Und beschreibt, wie man über Geld reden kann, ohne die Liebe zu beschädigen. Denn unabhängig vom Kontostand: Die Finanzen sind immer Thema.

Text: Andrea Buday