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Lifestyle | 20.07.2020

Von Liebe und anderen Dingen...

TV-Kult. Die ORF-Kuppelreihe „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ geht ab 6. Juli weiter – mit Vollblutjournalistin und Filmemacherin Nina Horowitz als Nachfolgerin von Elizabeth T. Spira.

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© Hans Leitner

Blitzlichtgewitter (mit Sicherheitsabstand!) rund um Nina Horowitz bei der ORF-Präsentation der 24. Staffel von „Liebesg‘schichten und Heiratssachen“ (jeden Montag um 20.15Uhr, ORF 2). Auf der mit vielen roten Herzluftballons, Rosen und Schneekugeln geschmückten MS Blue Danube wurde die mit Spannung erwartete erste Folge der neuen Staffel gezeigt.

Den Vergleich mit der vielfach ausgezeichneten Fernsehlegende Elizabeth T. Spira (sie starb im März 2019 im Alter von 76) braucht die 43-jährige Wienerin Nina Horowitz, die Spira als großes Vorbild bezeichnet, nicht zu scheuen, denn man spürt auch bei ihr: Hier ist jemand am Werk, der zuhören kann und seinen Job liebt. Mit Feingefühl hinterfragt, aber ebenso mit der richtigen Portion Humor.

Die extrem erfolgreiche Kuppelshow, die seit 1997 für Top-Quoten (pro Folge durchschnittlich fast 900.000 SeherInnen) sorgt, will ja vor allem unterhalten. Dennoch seien immer wieder Geschichten bzw. Schicksale dabei, die unter die Haut gehen, weil traurig und daher sehr berührend, sagt Horowitz. Aber wie bereits erwähnt, es gibt auch viel zu schmunzeln bzw. zu lachen.

Höchst unterhaltsam.

Wenn zum Beispiel die mondäne Luzia, 75, sagt „Ich will keinen faden Mann, weil langweilig bin ich selber“, der treuherzig blickende Edmund, 59, eine verschmuste, wenig „angemalte“ Frau sucht oder die recht lebenslustige Annemarie, 74, „am liebsten von einem wie George Clooney“ träumt, dann muss man einfach lachen – mit den Protagonisten. Das war auch der neuen Gestalterin wichtig, denn Menschen vorzuführen, ist und war nie ihre Absicht. 

 

Man darf sich auf diesen Sommer freuen, wenn 54 Singles – 27 Männer und 27 Frauen – aus ganz Österreich via Fernsehen eine neue Liebe suchen. Horowitz, die seit 15 Jahren in einer Beziehung lebt – sie ist seit zehn Jahren mit PULS4-Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz verpartnert und Mutter von sechsjährigen Zwillingsmädchen – übt sich derweil, frei nach Hape Kerkeling, „in fröhlicher Gelassenheit“. Grundsätzlich habe sie aber ein sehr gutes Gefühl. Was sie besonders freut, ist, dass Spiras Familie, allen voran Ehemann Hermann Schmid, bei der Präsentation auf dem Schiff dabei war und ihr gratulierte. Und: Selbst die anwesenden Singles schwärmen von ihrer professionellen wie einfühlsamen Art. Wenn also die zehn neuen Folgen das halten, was die erste versprochen hat, dann steht neuen Quotenrekorden nichts mehr im Weg. Außerdem sei ein Sommer ohne „Liebesg‘schichten“ unvorstellbar, so ORF 2-Channelmanager Alexander Hofer treffend.

 

DER TALK.

look!: Fiel die Entscheidung, die Kultsendung zu präsentieren, spontan oder hat es doch etwas gedauert?

Nina Horowitz: Die Entscheidung habe nicht ich getroffen, entschieden wurde im ORF. Dass die Wahl auf mich gefallen ist, macht mich natürlich sehr froh. Die „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ sind ein Kultformat. Man taucht tief in menschliche Schicksale ein. Das ist das Wunderbare an diesem Job.

Inwieweit wurde das Format verändert bzw. erneuert?

Wir haben im Team natürlich viel darüber nachgedacht, wie man mit so einem Kultformat umgeht. Die Sendung gibt es ja seit fast 25 Jahren. Das ist im Fernsehen eine Ewigkeit. Viele Österreicherinnen und Österreicher lieben die „Liebesg‘schichten“. Deswegen gehen wir sehr bewusst den Weg von Toni Spira weiter. Es wär‘ ja ewig schade gewesen, da zu viel daran zu ändern. Die größte Veränderung bin sicher ich. Und das Team ist bis auf die Sendungsverantwortliche Sharon Nuni und die Redakteurin Stefanie Speiser neu. Meine Cutterin Bettina Mazakarini hat ihre eigene, sehr gelungene Art zu schneiden. Die Kameramänner Gustl Gschwantner, Alex Tomsits und Hermann Dunzendorfer haben wunder-schöne Bilder gemacht. Die Sendung wird sich also durchaus vertraut anfühlen, gleichzeitig aber auch frisch.

Haben Sie je mit Elizabeth T. Spira zusammengearbeitet bzw. sie kennengelernt?

Toni Spira und ich haben nie zusammengearbeitet. Leider. Das wäre sicherlich eine tolle Erfahrung gewesen. Sie war eine mutige Filmemacherin. Mit viel Empathie hat sie die österreichische Seele freigelegt. Wir haben uns zweimal gesehen und da habe ich sie als charismatische Frau empfunden. Ich mochte vor allem ihren wunderbaren Sinn für Humor, der so selten ist.

Würden Sie sagen, mit dieser Sendung beruflich angekommen zu sein – oder gibt es noch weitere Ziele bzw. Pläne?

Ich kann in dieser Sendung beruflich das machen, was ich am liebsten mache, nämlich mit Menschen Gespräche zu führen. Und das möchte ich gerne noch viele Jahre tun. Ans Weiterziehen denke ich gar nicht. Es geht ja jetzt gerade erst richtig los!

Warum meinen Sie, ist es für viele Menschen so schwierig, einen Partner zu finden – leben wir in einer derart schnelllebigen, oberflächlichen Welt, in der bei ersten Problemen Beziehungen beendet werden?

Ich bin Journalistin und keine Paartherapeutin. Aber obwohl jede Geschichte individuell ist, habe ich das Gefühl, dass die Ansprüche komplexer geworden sind. Früher war man zusammen, um Kinder groß zu ziehen und aus ökonomischen Gründen. Heute will man das ebenso, aber zugleich muss der Partner auch noch der beste Freund sein, ein aufregender Liebhaber, der Beichtvater, lustig und fesch. Da sind Enttäuschungen schon auch programmiert. Es wird schwierig, wenn man all das von nur einem Menschen will. Vielleicht über-schätzen manche Menschen Beziehungen und unterschätzen Freundschaften.

Ist eine funktionierende Partnerschaft in erster Linie Glück oder muss man regelmäßig daran „arbeiten“ bzw. dafür etwas tun?

Es gibt das Wort „Beziehungsarbeit“, das sich jetzt nicht besonders romantisch anhört. Aber ich bin schon der Überzeugung, dass man an einer Partnerschaft arbeiten muss. Das gilt ja für jede enge Bindung im Leben.

Könnten Sie sich vorstellen, je selbst an einer Sendung wie dieser mitzuwirken – als Kandidatin?

An einer Bewerbung hindert mich vor allem, dass ich verheiratet bin. Aber ich hoffe, ich hätte auch den Mut dazu. Denn die Singles in der Sendung sagen, was sie sich wünschen, sie gehen sehr aktiv mit ihrer Situation um. Und hoffen, einen spannenden Menschen zu finden. Weil, worauf warten? Wie sagt Jasmina aus Innsbruck so schön und treffend: „Keine Zeit für Langeweile!“

Wie verlaufen die Dreharbeiten – gibt es sehr viele spannende bzw. „extravagante“ Singles?

Die Dreharbeiten laufen sehr gut, danke. Wir haben wunderbare Menschen in ganz Österreich kennengelernt. Zum Beispiel Luzia in Salzburg, die endlich einmal einen Mann ohne Altlasten kennenlernen will. Oder den ehemaligen Tänzer Manfredo in der Steiermark, der extravagante, bunte Hemden und die Musik von „Modern Talking“ liebt. Wir präsentieren 27 Männer und 27 Frauen, sind also ausgewogen. Das ist der Sendungsverantwortlichen Sharon Nuni auch sehr wichtig. Und mir natürlich gleichermaßen.

Sie reisen für die Interviews quer durch alle Bundesländer. Bleibt da gelegentlich auch Zeit, die Landschaft bzw. die Städte zu genießen?

Naja. Oftmals haben wir einen straffen Zeitplan bei den Drehs. Aber man lernt dennoch wunderbare Orte kennen, die man sonst nie gesehen hätte. Der Frauensee in Tirol ist zum Beispiel eine Reise wert. Ein sehr idyllisches Fleckchen. Das Platzerl hätte ich ohne Helga, die einen fröhlichen Wanderkumpanen sucht, niemals entdeckt.

Sie moderieren zusätzlich noch das wöchentliche Format „Panorama“ und sind zudem im Team von „Am Schauplatz“. Wie lässt sich Beruf und Privatleben mit zwei Kindern vereinbaren?

 Für „Am Schauplatz“-Reportagen fehlt mir leider die Zeit, weil ich mit den „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ und „Panorama“ ausgelastet bin. Alle Eltern, die Vollzeit arbeiten und Kinder haben, wissen, dass das nie unanstrengend ist und ganz sicher nicht nur eine Frage von guter Organisation. Man braucht Hilfe in der Betreuung, die meine Frau und ich zum Glück haben. Sonst würde es sicherlich nicht funktionieren. Dieses Privileg genießen nicht alle. Des-halb ist eine gute institutionelle Kinder-betreuung so wichtig. Nie sollte eine Frau einen Job, den sie gern machen möchte, wegen ihres Mutterseins nicht ausüben können.

Was wünschen Sie sich für „Liebesg’schichten und Heiratssachen“?

Das ist einfach beantwortet: Ich wünsche mir sehr, dass das Publikum auch weiterhin zuschaut! Möge die Übung gelingen.