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People | 19.06.2019

Abschied & Aufbruch

Birgit Lauda. Knapp ein Jahr lang hoffte und bangte sie an der Seite ihres Ehemannes Niki nach dessen Lungentransplantation. Ende Mai verlor die Formel-1-Legende den letzten großen Kampf. Jetzt muss Birgit das Leben der Familie neu sortieren. Bleibt sie in Österreich?

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COOLES PAAR. 15 gemeinsame Jahre waren Niki und Birgit Lauda vergönnt. 2004 lernten sie einander kennen, 2008 folgte die Hochzeit. © Getty Images

Kaum zu ermessen, wie belastend die vergangenen Monate für Birgit Lauda, 40, gewesen sein müssen. Ein höchst emotionaler Spagat zwischen Wien und Zürich, zwischen ihren beiden Kindern, den Zwillingen Max und Mia, 9, und ihrem schwerstkranken Mann.

Niki Lauda, 70, wurde auf dem letzten Teilstück seines Überlebenskampfes nach der Lungentransplantation im August des Vorjahres in einer Klinik in Zürich behandelt. Ehefrau Birgit war so oft wie möglich bei ihm. Sie sprach ihm Mut zu und gab ihm Hoffnung. Auf der anderen Seite die Aufgabe, den gemeinsamen Kindern daheim in Wien, wo sie zur Schule gehen, Stabilität zu geben. Denn das Alltagsleben der Laudas spielte und spielt sich in erster Linie in der wunderschönen alten Cottage-Villa in Wien-Währing ab. Hier durfte sich Birgit Lauda nicht anmerken lassen, wie dramatisch sich die Lage in Zürich zuspitzte. Ein Hoffen und Bangen, eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Dann der Super-GAU. Niki Laudas Zustand hatte sich weiter verschlechtert. Birgit flog mit den Kindern in die Schweiz ... Wenig später, am 20. Mai, die Nachricht an Freunde – „Niki ist heute gegangen ...“ Bei der Einladung zum Requiem im Stephansdom wird das Maß des Verlustes überdeutlich: „Tieftraurig geben wir Nachricht, dass unser geliebter Ehemann, Vater und Großvater Andreas Nikolaus Ritter von Lauda – Niki Lauda – im 71. Lebensjahr friedlich entschlafen ist. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle. Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorglicher Ehemann, Vater und Großvater.“

Sie veränderte Nikis Leben. Birgit Lauda ist stark. Dennoch: Wie schwer muss es sein, Abschied für immer von diesem Überflieger, von diesem coolen, toughen Mann zu nehmen? 2004 lernte sie Niki Lauda kennen, als sie für seine Airline Flyniki als Flugbegleiterin arbeitete. Bereits 2005, nach nur wenigen Monaten Beziehung spendete sie ihm eine Niere. Davor wurde Lauda bereits 1997 eine Niere seines Bruders Florian transplantiert. 2008 heirateten der dreifache Formel-1-Weltmeister und seine Birgit, ein Jahr später komplettierten die Zwillinge Max und Mia das Glück. Immer wieder gab Niki Lauda im Lauf der Jahre zu Protokoll, dass ihn erst „seine Birgit“ zum Familienmenschen gemacht habe. Viel hätte er bei seinen beiden Söhnen aus erster Ehe mit Marlene Knaus – Lukas, 40, und Mathias, 38, – versäumt. Diesen Fehler wollte er bei Max und Mia nicht wiederholen: „Ich möchte sie aufwachsen sehen.“

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GLÜCKLICHE ZEITEN. Birgit veränderte Laudas Leben. Wegen ihr und der gemeinsamen Zwillinge Max und Mia, 9, verlagerte er seine Prioritäten in Richtung Familie. © AP / picturedesk.com

Rückblick. Nur einen kurzen Weg durfte Lauda mit seinen Kindern gehen. Im Vorjahr schlug das Schicksal zu. Eine Virusinfektion und seine durch den Formel-1-Unfall 1976 vorgeschä­digte Lunge machten im August 2018 eine Lungentransplantation notwendig. Lauda überstand die OP überraschend gut, Ende Oktober verließ er das Wiener AKH. Doch beim Weihnachtsurlaub mit der Familie auf Ibiza, seiner zweiten Heimat, zog er sich einen grippalen Infekt zu. Er musste auf die Intensivstation – der Anfang vom Ende.

Zwar konnte er im März in eine Reha-Klinik bei Luzern in der Schweiz einchecken. Doch sein Zustand verschlechterte sich sukzessive. Eine Niere versagte, er brauchte Dialyse. Laudas letzte Station war eine Klinik in Zürich. Der Wiener Thoraxchirurg Walter Klepetko im ORF: „Es gibt keine Todesursache. Seit Anfang des Jahres war es ein Auf und Ab ...“

Die Zeit seit der Lungentransplantation muss unendlich schwer für Niki und Birgit Lauda gewesen sein. Er, der ewig Rastlose, der noch im Jänner 2018 die Air-Berlin-Tochter Niki zurückgekauft hatte, war zur totalen Untätigkeit verdammt. Diese Phase erleichterten ihm auch seine beiden erwachsenen Söhne Lukas und Mathias (die Lauda zum dreifachen Großvater gemacht hatten), sie waren bis zuletzt an seiner Seite.

Zukunft im Ausland? Jetzt, nach Requiem im Stephansdom und Beisetzung Nikis im engsten Familienkreis, wird Birgit Lauda darangehen, ihr
Leben neu zu sortieren. Zumindest ums Finanzielle muss sie sich sicher keine Sorgen machen. Denn dass der Perfektionist Niki Lauda seinen Nachlass – sein Vermögen wird auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt – bis ins Detail geregelt hat, ist anzunehmen.

Vermutlich hilft Birgit Lauda die Arbeit für ihre Wiener Galerie in der Zeit der Bewältigung des ersten Schmerzes. Seit 2017 verkauft die Kunsthistorikerin in der „B.LA Birgit Lauda Foundation“ zeitgenössische Kunst, mit dem Gewinn werden soziale Projekte unterstützt. Vielleicht ist auch die Liebe zur Kunst der Grund, warum Birgit Lauda überlegt ins Ausland zu gehen. Des Öfteren soll sie gegenüber Freunden geäußert haben, dass sie sich ein Leben in den Metropolen Barcelona, aber vor allem in London gut vorstellen könne. Wo sie auch hingeht: Niki hält sicher schützend die Hand über sie und die Kinder.