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People | 06.03.2019

Bessere Chancen für Frauen

AK-Präsidentin Renate Anderl über Gleichstellung von Frauen im Beruf, Kinderbetreuung, Papamonat und die Anrechnung von Elternkarenzzeiten.

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AK-Präsidentin Renate Anderl im Talk. © Bubu Dujmic

Seit knapp einem Jahr ist Renate Anderl Präsidentin der Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte (AK). Die 56-jährige Wienerin leitet damit die größte Arbeitnehmer-Organisation Österreichs. Anderl, die vor ihrer jetzigen Tätigkeit u. a. als ÖGB-Vizepräsidentin im Einsatz war, gilt als engagiert und integer, als bodenständig und geerdet.

Im Interview sagt Renate Anderl, was für die Chancengleichheit von Frauen getan werden muss.

look: Frau Präsidentin, Sie sind eine Kämpferin für Frauenrechte. Warum ist das im 21. Jahrhundert überhaupt noch notwendig?

Renate Anderl: Weil es immer noch Unterschiede – etwa beim Einkommen – und Diskriminierung – etwa bei der Besetzung von Vorstandsposten – gibt. Wir Frauen haben in Österreich schon vieles erreicht, dennoch übernehmen Frauen zum Beispiel noch immer einen großen Teil der Kinderbetreuung, was dazu führt, dass sie im Beruf zurückfallen und damit finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

 

Stichwort Kinderbetreuung. Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot in Österreich?

Es gibt hier ganz klar ein Stadt-Land-Gefälle. Während etwa in Wien die Kinderbetreuung bereits recht gut ausgebaut ist, besteht am Land noch Aufholbedarf. Hier schließen viele Kindergärten bereits zu Mittag, es fehlt an Nachmittagsbetreuung. Wie sollen Frauen Vollzeit arbeiten, wenn sie keine Möglichkeit haben, ihre Kinder betreuen zu lassen? Ich fordere daher den Ausbau von flächendeckender, ganztägiger und vor allem leistbarer Kinderbetreuung.

 

Apropos Kinder – der Papamonat wird derzeit heiß diskutiert.

Beim Papamonat muss es einen Rechtsanspruch und einen Kündigungsschutz geben. Das zeigt die Erfahrung aus unserer Rechtsberatung. Und den Vorwurf, dass sich die Wirt- schaft den Papamonat nicht leisten kann, kann ich nicht nachvollziehen. Denn die Unternehmen zahlen den Papamonat ja nicht. Und der kurze Ausfall von einem Monat ist planbar.

 

Ein Anreiz, dass mehr Männer sich um die Kinder kümmern, wäre auch die Anrechnung von Karenzzeiten. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Genau, deshalb sollte die gesetzliche Anrechnung der Karenzzeiten auf alle dienstzeitabhängigen Ansprüche rasch umgesetzt werden – besonders im Hinblick auf die Gehaltsschere. Denn eine Anrechnung bedeutet, dass Eltern auch in den Genuss von Vorrückungen kommen, wenn diese in ihre Karenzzeiten fallen. Damit werden Diskriminierungen beim Einkommen verhindert und Frauen erhalten in Folge höhere Pensionen. Die gesetzliche Anrechnung würde außerdem dazu beitragen, die Karenz auch für Männer attraktiver machen. Die Zeit ist überreif für ein modernes Familienbild – das können und das müssen wir uns leisten!