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People | 26.09.2018

Bio heisst für mich gelebte Nachhaltigkeit

„Mit dem, was ich jetzt mache, habe ich mir meinen ­Lebenstraum ­erfüllt“, betont Biobäuerin Maria Haumer aus der kleinen ­Waldviertler Ortschaft Zehenthöf (Gemeinde Waldenstein). Und wenn man ihr gegenübersitzt, spürt man, dass sie meint, was sie sagt.

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Der landwirtschaftliche Betrieb von Maria Haumer befindet sich in Zehenthöf, einem kleinen Dorf im nördlichen Waldviertel zwischen Gmünd, Weitra und Zwettl. Seit 2002 wird er organisch-biologisch bewirtschaftet. © Privat

Aufgewachsen im Waldviertel, verschlug es ­Maria Haumer aus fami­liären Gründen während ihrer Pflichtschulzeit in die Stadt. In Wien lernte sie den Beruf der Industriekauffrau. Danach kehrte sie – der Liebe wegen – wieder zurück in ihre Heimatregion. Sie heiratete in den landwirtschaftlichen Betrieb ein, den sie gemeinsam mit ­ihrem Mann im Jahr 2002 von der Schwiegermutter übernahm.

Ideale Voraussetzungen für den Dinkelanbau. „Der Betrieb wurde ­damals, wie in der Region üblich, als gemischter Betrieb mit Ackerbau und Tierhaltung geführt. Wir waren aber beide berufstätig und so war klar, dass wir den Betrieb umstellen müssen, um es arbeitstechnisch zu schaffen“, ­erzählt Haumer, die zu dieser Zeit als Außendienstmitarbeiterin einer Waldviertler Textilfirma viel unterwegs war.

Der rund 15 Hektar große Ackerbaubetrieb wurde auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt und Maria Haumer begann, Anbauversuche mit seltenen Kulturpflanzen anzustellen.
„Der Ackerboden bei uns ist ideal für den Dinkelanbau“, erklärt die heute allei­ne lebende Biobäuerin, warum sie schlussendlich beim Anbau dieses Urgetreides gelandet ist. Dinkel gehört zu den sogenannten „Spelzgetreiden“. Bei diesen Sorten ist das eigentliche Korn zusätz­lich von einer Schutzhülle (Spelz genannt) umgeben. Diese Hülle wird erst bei der weiteren Verarbeitung, im sogenannten „Entspelzen“, entfernt. „Der Spelz schützt das Korn vor äußeren Umweltbelastungen. Dadurch hat das Dinkelkorn auch eine dünnere, weichere Fruchtschale und das macht die Vollkornerzeugnisse aus Dinkel besonders bekömmlich. Dazu kommt noch sein ausgezeichneter Nährstoffgehalt und ein lang anhaltender Sättigungsgrad“, kommt Maria Haumer ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Produkt erzählt.

Kündigung erleichterte den Umstieg zur Bäuerin. Im Jahr 2006 wurde Maria Haumer gekündigt. Nachdem der erste Schrecken verdaut war, entschloss sie sich, den Beruf der Bäuerin hauptberuflich auszuüben und in die Direktvermarktung einzusteigen. Die Weiterverarbeitung des Dinkels zu Nudeln bot sich an, weil „ich durch die lange Haltbarkeit des Produkts in der Verarbeitung zeitlich flexibler bin. Das ist für mich wichtig, weil ich die Arbeit alleine machen muss“, so Haumer.
Doch bis es so weit ist, muss der ­Boden vorbereitet werden – ackern, eggen, fräsen –, bevor das zertifizierte Saatgut ausgebracht wird. Die Unkraut­bekämpfung erfolgt mechanisch. Wenn das Getreide reif ist, wird mit dem betriebs­eigenen Mähdrescher geerntet. Die Körner werden am Hof getrock­net und zum „Entspelzen“ zu ­einem Lohnunternehmen gebracht.
Der gereinigte Dinkel wird nun – wieder am Hof – zu verschiedenen Mehlen (Vollkorn, griffig und glatt) ­sowie Grieß vermahlen. In einem weiteren Verarbeitungsschritt werden aus dem Dinkelmehl die verschiedenen Nudelsorten hergestellt (Suppen- und Bandnudeln, Hörnchen, Spiralen, Fleckerl sowie Spaghetti).

„Ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich die richtige Siebeinheit herausgefunden habe, sodass das Mehl und die daraus erzeugten Nudeln meinen Vorstellungen – sowohl im Geschmack als auch im Aussehen – entsprochen ­haben“, blickt Maria Haumer auf die Zeit der Produktentwicklung zurück. „Ab 2007 bin ich dann auf zahlreichen Märkten, Messen und Veranstaltungen gestanden und habe mit Verkostungen meine Nudeln beworben“, so Haumer, deren Ziel aber bereits zu dieser Zeit der Verkauf über den Einzelhandel war. „Ich habe zwar einen kleinen Verkaufsraum und Kunden können nach telefonischer Vereinbarung gerne auf den Hof kommen. Aber da mein ­Betrieb doch etwas abgelegen ist, brauche ich andere Absatzwege.“

Um diese zu erreichen, war Klinkenputzen angesagt: Die innovative Biobäuerin begann, Produktproben mit einem „Bewerbungsschreiben“ an selbstständige Kaufleute zu verschicken. Später kontaktierte sie die Händler telefonisch und vereinbarte persönliche Gesprächstermine. Dabei erwiesen sich ihre beruflichen Erfahrungen aus dem Außendienst als hilfreich. Mittlerweile werden in rund 30 Lebensmittelgeschäften sowie Bio- und Regionalläden in ganz Niederösterreich Dinkelnudeln vom ­Urkorn-
Biohof zum Verkauf angeboten.

Maria Haumer hat damit ihre betrieblichen und arbeitsmäßigen Kapa­zitätsgrenzen erreicht, wie sie betont: „Ich kann von meiner Arbeit leben. Das ist mir wichtig. Ich möchte den Betrieb für die nächste Generation lebenswert und als Lebensgrundlage erhalten.“

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Haumer Nudeln. Die Nudelspezialitäten von Maria Haumer werden in rund 30 Geschäften in ganz Niederösterreich verkauft.

Nudelsalat mit Urkorn-Biohof-Hörnchen

Zutaten für 2 Portionen:
100 g Dinkel-Hörnchen
1 kleine Gurke
4 Cocktailtomaten
1/4 Paprika rot, gelb und grün
1 kleine Zwiebel
Kräuter zur Garnierung
Salz, Pfeffer, Öl, Essig

Zubereitung:
Dinkelhörnchen bissfest kochen (ca. 3–4 Min.), kalt abschrecken. Gurke halbieren und in Scheiben schneiden, Tomaten vierteln, Paprika in Stifte schneiden, Zwiebel schälen und klein hacken. Gemüse und Nudeln vermengen und je nach Geschmack mit Salz, Pfeffer, Essig und Öl würzen, mit Kräutern verfeinern und garnieren.


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OUT SOON: look! Country ist dem neuen Oktober-look!, welches am Samstag erscheint, beigelegt.