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People | 04.09.2018

Der Krebs kriegt mich nicht!

Brustkrebs. Im August wurden Bettina Gordonwayne beide Brüste amputiert. In look! spricht sie über das Leben „ danach“, ihren Umgang mit Krebs und ihr Liebesglück - Sohn Hunter (4). und meine Webseite ist BettinaGordon.com nicht Bettina-Gordon.com

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© Nathalie Schueller

Als Hunter auf die Welt kam, war Bettina Gordonwayne einfach nur glücklich. Glücklich darüber, mit 44 Jahren als späte Mutter einen gesunden Sohn auf die Welt gebracht zu haben. Ein wahrhaftes Kind der Liebe. Ihr Buch "The Joy of Later Motherhood" über Mamas mit 40+ wird ein Erfolg und die gebürtige Niederösterreicherin ist angekommen. Im Leben, in der Liebe, in den USA und überhaupt. Ihr Blog (Bettina-Gordon.com) erreicht und ermutigt unzählige Frauen weltweit. Ja, Bettina Gordon-Wayne ist das, was man gemeinhin eine starke, eine Power-Frau nennt. Als Hunter knapp vier ist, bekommt Bettina Gordon-Wayne die Diagnose Brustkrebs. Sie muss beide Brüste amputieren lassen.

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AUTORIN. Bettina Gordon-Wayne wurde mit 44 erstmals Mutter und hat ein Buch geschrieben über das „Glück der späten Mutterschaft“. © beigestellt

Warum? In Gesprächen mit look!, die vor und nach der beidseitigen Mastektomie geführt wurden, redet die ehemalige Wirtschaftsjournalistin sehr offen über Trauer, Angst und den Willen, lang zu leben. Und den Schmerz, einen geliebten Teil ihres Körpers aufgeben zu müssen.


look: Warum haben Sie sich für beidseitige Amputation entschieden, obwohl nur eine Brust vom Krebs befallen war?

Bettina Gordon-Wayne: Ich hatte zuerst eine brusterhaltende Operation, die aufdeckte, dass viel mehr Krebs in meiner Brust war, als Mammografie und MRT gezeigt hatten, weil ich so ein dichtes Brustgewebe habe. Ich wollte wirklich krebsfrei sein und nicht in Angst leben, dass unentdeckte Krebs herde wachsen können, weil die Diagnostik bei mir versagt. Die Mastektomie hat mir aber viel mehr Angst gemacht als die Krebsdiagnose. Einen Teil meines Körpers hergeben zu müssen, den ich liebe! Ich mag meine Brüste, sie haben ja niemandem was getan! Das war schlimm für mich. Aber ich bin ein starker Mensch. Und ich habe dennoch klar gespürt, der Weg der Amputation ist für mich der richtige.

 

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GIPS ABDRUCK. Drei Tage vor der Mastektomie hat Bettina Gordon einen Abdruck ihrer Oberweite gemacht. „Als Erinnerung.“ © Screenshot www.bettinagordon.com

Die OP hat 12 Stunden gedauert, weil die Chirurgen nach der Amputation die Brüste mit Eigengewebe aus dem Bauch gleich wieder aufgebaut haben.

Ja, eine sehr lange OP, die meinen Körper für immer verändert. Aber ich habe mit meinem Mann vor der OP einen Gipsabdruck von meinen Brüsten gemacht. Als Erinnerung. Eine meiner besten Ideen. Es ging mir auch darum, meinem Körper die Ehre zu erweisen, die ihm gebührt (kämpft mit
den Tränen). Danach haben Joshua und ich wirklich Frieden schließen können mit diesem, unserem Weg.

 

Ihr Sohn ist erst vier Jahre alt. Inwiefern hat Ihr kleines Kind Ihren Umgang mit dem Krebs verändert?

Meine beidseitige Mastektomie war auch eine Entscheidung, weil ich ein kleines Kind habe, für das ich da sein will. Ich möchte Enkelkinder haben. Wenn Hunter sich so lang Zeit lässt wie ich, muss ich noch sehr alt werden. Ja, ich habe das auch für mein Kind gemacht. Ich will lange leben und das gesund!

 

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© beigestellt

Sie haben Ihre Diagnose, die Amputation, sogar den Gipsabdruck – einfach Ihren Umgang mit Krebs – auf Facebook mit einer großen Öffentlichkeit
geteilt. Warum?

Für mich war das eine der besten Entscheidungen überhaupt, so öffentlich damit umzugehen. Es war für mich befreiend, kathartisch. Ich wollte darüber reden! Und es kam so eine wunderbare Welle an Liebe, Sympathie und Unterstützung zurück, die mir einen irrsinnigen Auftrieb gegeben hat. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das baut mich auf und ist jetzt Teil meiner Heilung, weil es Kraft gibt. Das ist toll!

 

Wenige Wochen nach der OP geht es Ihnen schon erstaunlich gut. Gibt es etwas, das Sie aus dieser schlimmen Zeit mitgenommen, gelernt haben?

Meine Krebserkrankung kam wirklich zu einem miserablen Zeitpunkt. Gerade als mein Buch, mein zweites Baby, auf den Markt gekommen ist, bekam ich die Diagnose. Und mein Buch war mir so wichtig! Aber ich habe mich voll auf das Thema Krebs eingestellt und mich gefragt: Was braucht mein Körper, gesund zu werden? Wie kann ich mental noch stärker werden? Ich habe gelernt, liebevoller und achtsamer mit mir umzugehen. Und dass es mir jetzt, wenige Wochen nach der OP, so gut geht, ist sicherlich, weil ich seit Monaten auf die Gesundheit meines Körpers und meines Geistes achte und mit Stärke in die Operation reingegangen bin. Und ich möchte eines zum Schluss noch sagen, was ich ganz wichtig finde: um Hilfe bitten! Meine beste Freundin Michaela Kargl ist extra aus Österreich eingeflogen, um mir zu helfen und mein Kind zu versorgen. Wie toll ist das denn?!

 


Meine mentalen Power-Tipps

Es ist NICHT unsere Schuld, wenn bei uns Krebs diagnostiziert wird. Ich bin felsenfest der Meinung, dass die meisten Krankheiten, die sich so rasch verbreiten, auf unser Leben/ unseren Lebenswandel/unsere Lebensweisen im 21. Jahrhundert zurückzuführen sind.

Anstatt Emotionen zu stoppen oder hinunterzuschlucken, lass ihnen freien Lauf. Trauer, Zorn, Hilfl osigkeit, Angst, allen Emotionen den Raum und die Zeit geben, die sie brauchen, durch den Körper durchzulaufen…

Wir haben unsere Krankheit nicht wissentlich verursacht, aber wir haben ihr gegenüber Verantwortung. Ich muss Selbstverantwortung
übernehmen, meiner Krankheit gegenüber, aber, viel wichtiger, vor allem meiner Gesundheit gegenüber. Mache das, was dir Freude bringt!