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People | 24.09.2019

Die Frauen aus dem Nobelbezirk

Die „Vorstadtweiber“ sind zurück und begeistern seit Mitte September mit zehn neuen Folgen. Nina Proll ist – neben Martina Ebm und Maria Köstlinger – seit der ersten Staffel dabei. Lange verschnaufen kann sie nicht, denn die nächsten Drehs starten demnächst.

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Spannend. Wally (Maria Köstlinger, l.), Caro (Martina Ebm, M.) und Nico (Nina Proll) ent- decken einen Blutfleck auf dem Teppich. Und bald darauf findet die Polizei eine Leiche im Park. © ORF

Na, endlich! Seit 16. September steht wieder jeden Montag „Heimkino“ auf dem Programm. Dann nämlich, wenn die „Vorstadtweiber“ vor den Fernseher locken. Denn die ORF-Serie rund um die toughen Ladys gilt nach wie vor als Quotenhit. Mit bis zu 993.000 Zusehern erreichte die Auftaktfolge der dritten Staffel einen Rekordwert seit Start im Jänner 2015. Und: Durchschnittlich 800.000 verfolgten die zehn Episoden, die auch beim jüngeren Publikum sehr gut ankamen. Sogar international reißt man sich um die Damen aus dem Nobelbezirk – sowohl on air als auch online. Eine der Hauptdarstellerinnen ist Nina Proll, die als Nicoletta „Nico“ Pudschedl (sie ist ja inzwischen mit dem Polizisten Jörg Pudschedl alias Thomas Mraz verheiratet) brilliert. Die 45-Jährige, die gerade das neue Programm für ihren Liederabend „Kann denn Liebe Sünde sein?“ (ab 11. Oktober) vorbereitet und zudem eine Kinokomödie plant, im Talk über ihre Rolle, Frauensolida­rität und ihr Leben abseits der Kamera.

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Ich glaube nicht an eine generelle Solidarität zwischen Frauen. Denn ,die Frauen‘ gibt es nicht, sondern sehr viele unterschiedliche. - Nina Proll © ORF

Sind Sie erleichtert, dass die Dreharbeiten vorbei sind – oder eher traurig?

Nina Proll: Ich bin immer melancholisch, wenn Dreharbeiten zu Ende gehen, da ich bei jedem Projekt -fürchte, dass es mein letztes sein könnte. Umso mehr freue ich mich aber und bin -überrascht, wenn ich dann doch wieder drehe.

Sind Sie mit der Entwicklung Ihrer Rolle einverstanden bzw. haben Sie ein gewisses Mitspracherecht?

Mitspracherecht habe ich nur bedingt, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Rollenentwicklung. Ich habe von Uli Brée in Staffel 4 wirklich viel Stoff zu spielen bekommen und bin sehr dankbar für die wunderbaren Szenen, die er sich für mich ausgedacht hat. Gerade Nico war in der ersten Staffel noch die undefinierteste Figur und wurde immer interessanter. Sie hat viel Emotionales zu verarbeiten, da sie kein Geld hat, überlegt sie sich, wie sie wieder dazu kommt. Sie nimmt sich sexuell, was sie braucht, nicht was andere von ihr wollen und sie stellt sich ihrer familiären Vergangenheit, um - herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Außerdem raucht sie, was heutzutage im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein absolutes No-Go ist, und mir schon -allein deswegen gefällt. Egal, ob es um moralische, gesetzliche oder sonstige Regeln geht, die „Vorstadtweiber“ brechen sie und machen einfach, was sie wollen. Und das ist sehr befreiend und auch modern.

Was mögen Sie an Nico besonders?

Ich mag, dass sie immer wieder aufsteht, unabhängig davon, wie tief sie fällt – und nicht in Selbstmitleid versinkt. Und dass sie ihre Weiblichkeit einzusetzen versteht und dies auch genießt. Außerdem ist sie nicht neidisch, weil sie sich selbst alles gönnt, was das Leben ihr bietet.

Und was schätzen Sie weniger?

Dass sie oft den Weg des geringsten Widerstandes geht.

Würden Sie privat eine Frau wie Nico kennen wollen?

Unbedingt! Ich glaube, mit ihr kann man viel Spaß haben.

Mitte September startet die neue Staffel. Wo werden Sie sein?

Ich werde – wie alle anderen auch – vorm Fernseher sitzen und gespannt der Handlung folgen, an die ich mich nur mehr rudimentär erinnere. Und am 23. September beginnen ja schon wieder die Dreharbeiten zum zweiten Block der fünften Staffel.

Wie geht’s mit Ihrem Serien-Gatten Jörg Pudschedl (Thomas Mraz) weiter?

Ich würde den vielzitierten Satz bemühen: „Wir haben uns auseinandergelebt.“ Der Jörg und ich waren für eine gewisse Zeit Lebensabschnittspartner, die einander „gebraucht“ haben. Aber „Liebe“ war es nicht. Ich denke, auch er hat sich damit abgefunden.

Die Vorstadtweiber sind toughe Frauen, die befreundet sind, aber stets bzw. zumeist eigennützig agieren. Gibt es Solidarität unter Frauen?

Es gibt, glaube ich, keine generelle Solidarität zwischen Frauen, weil es nicht „die Frauen“ gibt, sondern sehr viele unterschiedliche. Simone de Beauvoir schreibt in ihrem Buch „Das andere -Geschlecht“ sinngemäß: „Bürgerliche Frauen sind mit bürgerlichen Männern solidarisch, nicht mit proletarischen Frauen und umgekehrt. Weiße Frauen mit weißen Männern und nicht mit schwarzen Frauen usw.“ Das Einzige, was alle Frauen miteinander verbindet, ist das Potenzial, Kinder zu gebären. Und damit gehen Frauen ganz unterschiedlich um. Die einen finden darin ihre Erfüllung, die anderen wollen gar keine Kinder, die einen können sich Kindermädchen und Haushälterin leisten, manche sogar ohne zu arbeiten und wieder andere reiben sich zwischen Beruf und Kinderbetreuung auf. Es gibt also kein generelles, gemeinsames Interesse.

Wie darf man sich Ihr Leben abseits vom Set vorstellen?

Mein Leben abseits vom Set ist -eigentlich recht bodenständig. Ich verbringe die meiste Zeit zu Hause, vormittags arbeite ich am Computer, lese, schreibe, mache meine Buchhaltung oder beantworte E-Mails, um 14 Uhr kommen die Kinder nach Hause, dann machen wir Hausübung und um halb sechs sind wir meist am Fußballplatz. Dazwischen versuche ich noch meine Yogaeinheiten unterzubringen und Hausarbeiten zu erledigen.

Wird es wieder mal Konzerte geben?

Ich bin gerade in Vorbereitung für mein neues Programm „Kann denn Liebe Sünde sein?“, mit dem ich ab 11. Oktober toure. Wien-Premiere ist allerdings erst am 14. Jänner 2020 im Rabenhof. Ich versuche darin, dem Thema Sünde auf den Grund zu gehen. Gibt es in unserer postmodernen, neoliberalen Gesellschaft so etwas wie Sünde überhaupt noch oder haben sich die Sünden nur verändert? Es herrschen ja ganz neue -gesellschaftliche Regeln und Verbote, Stichwort #metoo, Satireverbot, Diskriminierungsverbot, Rauchverbot, Wurstsemmelverbot usw. Und wie steht es dann eigentlich um unsere Lust in diesen genussfeindlichen Zeiten? Dazu habe ich Lieder von meinem langjährigen Begleiter Christian Frank neu arrangieren -lassen, die an ein anderes Lebensgefühl erinnern – z. B. „Livin’ On A Prayer“
von Bon Jovi, „Sweet Dreams“ von Eurythmics oder auch „The Edge Of Heaven“ von Wham!.

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Die neue Staffel mit neuen Gesichtern. Karl Fischer, Ines Honsel, Laurence Rupp, Ruth Brauer-Kvam und Andrea Eckert. Auch Regisseurin Mirjam Unger ist erstmals für die „Vorstadtweiber“ im Einsatz. © ORF

Die neuen Folgen

„Vorstadtweiber“ 

So geht’s weiter. Ein Jahr nach dem Rachefeldzug von Joachim Schnitzler (Philipp Hochmair) hat sich das Leben in der Vorstadt wieder etwas beruhigt. Waltraud (Maria Köstlinger), Nico (Nina Proll), Caro (Martina Ebm) und Vanessa (Hilde Dalik) haben ihre Leben neu ausgerichtet, privat wie auch beruflich. Aber es wäre doch furchtbar langweilig, wenn alles wie am Schnürchen liefe. Der Tag, an dem Jörg Pudschedl (Thomas Mraz) die Leiche eines Geschäftsmannes auf einer Parkbank findet, wird als jener Tag in die Erinnerung der Damen eingehen, an dem ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt wurde. Denn dieser tote Geschäftsmann hat drei Frauen im Schlepptau, die den „Vorstadtweibern“ auf vielfältige Weise näher sind, als ihnen lieb sein wird.

Neuzugänge. Die neue Staffel lockt auch mit neuen Gesichtern wie u. a. Andrea Eckert, Brigitte Hobmeier, Ines Honsel, Alina Schaller, Ruth Brauer-Kvam, Karl Fischer und Andreas Kiendl.