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People | 19.02.2022

Die Reise zu mir war nicht immer easy

Optimistisch. Die aus der TV-Serie „SOKO Donau“ und als Umweltaktivistin bekannte Schauspielerin Lilian Klebow präsentiert ihr erstes Buch und zeigt, dass die Klimakrise auch eine Geschlechterkrise ist, da Frauen vom Klimawandel viel stärker betroffen sind. Aber noch ist es nicht zu spät!

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"Ich liebe Fridays für Future. Wer soll rebellieren, wenn nicht die jungen Leute?" - Lilian Klebow. © Jan Frankl

Sie blickt entspannt und lächelnd in die Kamera. Coronabedingt findet das Interview per Zoom statt, doch schon nach wenigen Augenblicken vergisst man die digitale Distanz und hat das Gefühl, dass man sich mit der besten Freundin gerade zum Plausch im Kaffeehaus trifft. Lilian Klebow strahlt und scheint ganz bei sich angekommen. Ihr Buch, zu dem Jane Goodall ein Vorwort beigesteuert hat, ist gnadenlos ehrlich und voller Hoffnung.

look!: Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Lilian Klebow: Jahrelang habe ich versucht, Erwartungen zu erfüllen – die der anderen und meine eigenen. Als Schauspielerin, als Mutter, als Mensch. Irgendwann wollte ich das nicht mehr. Und fragte mich, an welchem Punkt meines Lebens ich mich selbst verlassen hatte. Ich wollte ganz ehrlich sein, nichts mehr beschönigen und etwas zutiefst Persönliches machen. Nur dann werden sich andere auch persönlich angesprochen fühlen. Und man schafft das, was der Welt im Moment fehlt: Verbindung. Ich würde mir wünschen, dass wir alle authentischer, echter und ehrlicher sind. Es kann ohnehin keiner mehr die Politfloskeln hören.

Diese Ehrlichkeit berührt. Hatten Sie keine Angst, zu viel von sich preiszugeben?

Sehr große sogar! Ich war wahnsinnig aufgeregt und habe mich doch wieder gefragt, was andere denken. Das erste Mal aus meinem Buch zu lesen, hat mich große Überwindung gekostet, aber ich glaube ganz fest daran. In dieser Verletzlichkeit liegt die Kraft, die die Welt momentan braucht, die wir Menschen brauchen.

Wie wurde nun aus „Billie, der Insel“ Lilian Klebow?

Das ist eine lange Reise und es gibt bei mir immer wieder diese Momente, wo ich meine Unsicherheit extrem spüre. Manchmal sollte ich irgendetwas Intelligentes sagen und schlagfertig sein. Da ist sie dann wieder, die Billie-Insel, aber ich habe gelernt, mich in solchen Momenten in den Arm zu nehmen. Ich muss nicht zwangsläufig lustig sein und darf auch manchmal schüchtern sein. Mein voller Name ist Sibylla Lilian Klebow, meine Agentin hat mir zu Lilian geraten. Als Schauspielerin kann ich gut abstrahieren: Penny Lanz war immer meine mutigere Schwester. Sie ist ganz anders als ich, ich bin immer weicher und verletzlicher geworden.

 

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PERFEKTES PAAR. Mit ihrem Ehemann und Lebensmenschen, dem Schauspieler Erich Altenkopf. © Andreas Tischler

Versuchen Sie immer noch, bei „SOKO Donau“ der vierte Kerl zu sein?

Nein, das versuche ich tatsächlich nicht mehr. Ich habe jetzt auch neue Kollegen, es ist mit jeder Person immer wieder anders gewachsen. In der Psychologie würde man es das Familienkarussell nennen. Ich habe die Biografie von Penny Lanz selber geschrieben, dass sie immer gegen das System rebelliert hat, da treffen wir uns dann wieder. Aber ich versuche nicht mehr, cooler als die Jungs zu sein und die blöderen Sprüche zu machen.

Ist es heute schwieriger, eine Frau oder ein Mann zu sein?

Das müsste man für jeden Lebensbereich einzeln abstecken. Die Berufswelt ist teilweise noch immer so, wie sie vor 10.000 Jahren von Männern erfunden worden ist. Es zählen noch immer die Attribute „höher, schneller, weiter, Konkurrenz, Härte, Unverwundbarkeit“. Es war schwierig, mit einem zwei Monate alten Baby am Set zu stehen und sich nicht verwundbar zu zeigen. Aber in manchen Bereichen ist es schöner, eine Frau zu sein, weil wir durch unsere Epigenetik, durch unsere Geschichte immer wieder lernen mussten, trotz Zwängen Freiheit in unserem Kopf zu finden. Das ist unsere Superkraft.

Als Jugendliche fanden Sie sich nicht attraktiv. Wie ist das heute?

Ich mag mich heute wie ich bin, mit allen Ups and Downs, die wir alle haben. Aber ich mag mein Gesicht heute viel lieber, ich mag auch die Geschichte, die es erzählt. Ich bin stolz auf meine Figur wie sie ist, alleine schon, damit meine Tochter nicht anfängt, ihren Körper ständig zu hinterfragen. Ich habe immer Sport gemacht, aber wir Frauen werden zu viel von Außenbildern gesteuert, das finde ich furchtbar.

Was möchten Sie Ihrer Tochter und Ihrem Sohn mitgeben?

Dass sie niemandem entsprechen müssen außer sich selbst. Dass sie wirklich ihre eigene Wahrheit finden dürfen, dass sie unabhängige, selbstständige, selbst denkende Menschen sind. Und dass sie auf ihr Herz hören sollen, da wir die Diskussion mit meiner Tochter jetzt oft hatten. Menschen, die dich vom Äußeren her beurteilen, sind nicht deine Freunde, die Leute sind ja nicht mit deiner Kleidung befreundet, sondern mit dir. Ich wünsche mir für beide, dass es in der Zukunft keine weiblichen und männlichen Attribute mehr gibt. Dass wir wirklich als Menschen mit unseren ganz persönlichen Eigenschaften gesehen werden.

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GRENZEN ÜBERSCHREITEN. Mit ihrem Buch möchte Lilian Klebow eine ehrliche und echte Verbindung mit Menschen schaffen. © Lukas Beck

Sie interessieren sich schon lange für Umweltthemen. Wie kam es dazu?

Schon im Elternhaus hat das bei uns einfach dazugehört. Mein Vater hat immer über Solarzellen schwadroniert und meine Mutter hat die Getreidemühle ausgepackt. Wir sind mit einem Tandem überallhin geradelt. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir Eltern haben eine Riesenverantwortung, unseren Kindern mitzugeben, was nachhaltiges Leben bedeutet.

Sie sind seit 2011 Ehrenbotschafterin des Jane Goodall Instituts. Wie haben Sie einander kennengelernt?

Ich sah mir im Kino „Jane’s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall“ an. Selten hat mir etwas so aus dem Herzen gesprochen, Jane ist so eine unglaublich echte und berührende Person, ich kenne niemanden, den ich mir mehr als Weltpräsidentin wünschen würde als Jane Goodall, die mich auch ermutigt hat, echter und ehrlicher zu sein.

Gibt es noch andere Vorbilder für Sie?

Die Bücher von Alice Schwarzer habe ich sehr genossen und geschätzt. Duff McKagan von Guns N’ Roses ist ein großartiger Autor, mit 13 war ich in ihn verliebt. Auch seine Biografie fasziniert mich.

Sie sind eine Vielleserin. Welches Buch begleitet Sie schon lange?

„Konsumrebellen“ von Joseph Heath und Andrew Potter habe ich sehr oft gelesen, aber auch „Die unendliche Geschichte“ und „Momo“, darin finde ich alles, wofür ich heute stehe.

Drei Worte, wie Ihr Leben sein soll ...

Humorvoll, liebevoll, hoffnungsvoll.

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REISE ZURÜCK ZU MIR. Lilian Klebow erzählt von Selbstwert, Selbstermäch­tigung, innerer Rebellion und modernem Feminismus. Und warum möglichst viele Menschen diese Reise zurück zu sich selbst antreten sollten. edition a, 288 S., € 22,– © Jan Frankl