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People | 21.03.2019

Diese Frau rockt unser Wien

Sigrid Oblak ist Direktorin der Wien Holding GmbH. look! sprach mit ihr über Geschlechterverhältnisse und die Herausforderungen ihres Jobs.

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FÜHRUNGSKRAFT. Als Chefin setzt Sigrid Oblak auf Motivation, Herausforderung und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. © Stefan Joham

Seit 2009 sitzt eine Frau im Chefsessel der Wien Holding. Sigrid Oblak studierte Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien und begann ihre Karriere bei der Stadt Wien unter anderem als Leiterin des Referats für Verkehrsplanung und Regionalentwicklung.

look: Sie sind seit 2009 Geschäftsführerin der Wien Holding und heuer zum dritten Mal wieder bestellt. Wie fühlt sich das an?

Sigrid Oblak: Es war eine große Freude, dass ich wieder bestellt wurde, weil es ein gewisses Maß an Vertrauen in meine bisherige Arbeit zeigt. Es fühlt sich gut an, weil ich laufende Projekte fortführen und neue beginnen kann. Diese Kontinuität ist für den Konzern insgesamt etwas Positives.

 

In Ihren Worten: Was ist die Wien Holding?

Die Wien Holding ist ein privatwirtschaftlich orientiertes Unternehmen, das im Eigentum der Stadt steht. Das ist etwas Besonderes, weil wir einerseits kommunale Aufgaben nach privatwirtschaftlichen Kriterien zu erfüllen haben, aber auch den Luxus haben, unsere ­Gewinne nicht an unseren Eigentümer abgeben zu müssen, sondern sie in weitere Projekte investieren können.

 

Die Wien Holding zählt zu den größten Konzernen der Bundeshauptstadt – was sind Ihre Aufgaben?

Unter dem Dach der Wien Holding sind mehr als 75 Unternehmen gebündelt, die haben wir thematisch in vier Cluster zusammengefasst. Ich bin ­zuständig für Immobilien und Medien und mein Kollege für Logistik und Kultur. Zum Immobiliencluster gehören zum Beispiel die Messe, die Therme Wien, Wirtschaftsparks und Spezialimmobilien. Wir entwickeln Stadtgebiete wie beim ehemaligen Gaswerk Leopoldau und haben Anteile an Wohnbauunternehmen wie die ARWAG. Im Logistik Bereich ist das Aushängeschild der ­Hafen und der Twin City Liner.

 

Wie stark hat sich die Wien Holding seit Ihrem Eintritt verändert?

Ich glaube, sehr stark. Vor allem die Umsatzerlöse. Als ich 2009 angefangen habe, waren wir bei 350 Millionen Euro, Ende 2017 bei 550 Millionen. Auch die Mitarbeiterzahl ist von 2.100 auf 2.900 gewachsen. Das ist zum Teil aus eigener Kraft passiert, aber auch durch neue Unternehmen, die hinzugewonnen wurden. Ich glaube, wir sind in vielen Bereichen, vor allem was die Konzernspitze und die Services für die Unternehmen betrifft, sehr viel straffer und effizienter geworden. Das bedeutet, dass wir bei gleichbleibender oder steigender Mit­arbeiterzahl die Leistungen sehr stark ausweiten haben können.

 

Zum Weltfrauentag: Wie sieht das Geschlechterverhältnis der Wien Holding aus?

Wir sind weiblicher geworden. Bei den Führungs- und Aufsichtsratsposten liegen wir ungefähr bei 30 % Frauen. Es ist Luft nach oben, aber im österreichischen Vergleich liegen wir im Spitzenfeld.

 

 

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Drei Frauen imTalk. Sigrid Oblak im angeregten Gedankenaustausch mit Herausgeberin Uschi Fellner und Verlagsleiterin Gabriele Stanek. © Stefan Joham

Was ist die größte Herausforderung?

Eine große Herausforderung ist, in dieser Vielfalt Gemeinsamkeiten zu finden. Wir haben eine Mehrwertstrategie, dass wir Arbeitsplätze schaffen, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und somit die Lebensqualität in Wien insgesamt erhöhen wollen. Diese 3 Maximen können wir auf alle Sparten herunterbrechen. Das ist schon etwas, das uns alle miteinander verbindet.

 

Wie motivieren Sie Ihre MitarbeiterInnen?

Für mich war es immer eine gute Mischung, MitarbeiterInnen einerseits zu fördern, aber auch zu fordern. Eine gute Kombination ist ganz wichtig. Und auch, dass man den MitarbeiterInnen eine gewisse Herausforderung zutraut, sie dabei unterstützt. Wir sehen bei uns im Konzern, dass viele Mitarbeiter, die eher auf unterer Ebene angefangen haben, sich schrittweise nach oben bewegen und das ist, finde ich, ein guter Erfolg.

 

Sie haben Raumplanung an der TU studiert. Frauen in technischen Berufen zu fördern, ist Ihnen ein großes An­liegen. Welche Maßnahmen setzen Sie?

Wir haben Unternehmen, wo es sehr unausgeglichene Geschlechterverhältnisse gibt. Sowohl in weibliche als auch in die männliche Richtung. Meine Intention geht weg von der reinen Frauenförderung. Bei uns heißt das jetzt Gleichstellungsförderung. Ich bin der Meinung, dass jeder Überhang eines Geschlechts nicht förderlich ist und man sich in einem ausgeglichenen Verhältnis wiederfinden sollte. Deswegen wollen wir zur Verbesserung der Geschlechterverhältnisse beide fördern. Bei jungen Frauen versuche ich erst hineinzuhören, was sie interessiert, was sie können. Und sie zu ermutigen, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren. Viele Frauen wollen zum Beispiel Friseurin werden. Wenn man dann hinter die Gründe blickt, sieht man oft, dass sie zum Beispiel eine gute räumliche Vorstellungskraft haben, sich für verschiedene Strukturen interessieren. Das sind oft Dinge, die man auch im technischen Bereich anwenden könnte. Oft ist es nur so, dass junge Frauen diese Berufsbilder gar nicht haben oder kennen, und wenn man die Stärken junger Frauen einmal erkennt, dann muss man diese Perspektiven auch erweitern, um Frauen zu ­anderen Berufen zu ermutigen.

 

Wo orten Sie Unterschiede im männlichen und weiblichen Führungsstil?

Egal, ob Mann oder Frau, es braucht Mut, Entschlossenheit und Durchsetzungskraft. Wie man das umsetzt, erfolgt in unterschiedlichen Ausprägungen. Aus eigener Erfahrung sage ich, wenn man als Frau einmal die Ellbogen ausfährt, wird das gleich negativ angenommen. Bei Männern ist es oft das ­Gegenteil. Aber ich bin davon überzeugt, dass gemischte Teams am Ende des Tages erfolgreicher sind, weil man auf die Herausforderungen und Pro­bleme einen weiteren Blickwinkel hat. Ich bin dafür, dass man junge Frauen zu Geschäftsführern setzt und junge Männer zu Geschäftsführerinnen. Ich glaube, da kann sehr viel ausgetauscht und mitgegeben werden.

 

Als geborene Scheibbserin haben Sie Wien zum Lebensmittelpunkt erkoren. Was mögen Sie an Wien besonders?

Ich schätze die Vielfalt der Stadt. Es gibt alles, was ich mir vorstellen kann und was mein Leben bereichert. Es ist eine Mischung zwischen Vertrautheit und Anonymität. Nachdem ich schon seit einigen Jahrzehnten in der Stadtplanung tätig bin und die Entwicklung Wiens miterlebt habe, ist es schön zu ­sehen, wie diese Entwicklung vonstattengeht und das, was man mitgeplant hat, dann entsteht.

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"Bei der Frauenquote liegen wir österreichweit im Spitzenfeld." - Sigrid Oblak. © Stefan Joham