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People | 11.05.2018

Einfach großartig

Top. Sie feiert demnächst im Burgtheater in „Der Besuch der alten Dame“ Premiere, er brilliert derzeit in „L’Animale“ im Kino bzw. ab Herbst in „Der Trafikant“. Die Rede ist von Petra Morzé und ihrem Sohn Simon.

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Innig. Burgstar Petra Morzé, 53, und ihr Sohn Simon, 22, versuchen sehr offen und vor allem sehr respektvoll miteinander umzugehen. © Bubu Dujmic

Diesen zwei zu begegen ist Vergnügen und Bereicherung gleichermaßen. Schon beim Shooting in den ehrwürdigen Räumlichkeiten des Burgtheaters, dort wo Petra Morzé seit 2002 Ensemblemitglied ist, scherzen Mutter und Sohn, lachen und werfen sich in alle möglichen Posen. Ihnen zuzusehen erfüllt mit Freude.

Einsame Klasse. Sie, die feine Charakterdarstellerin, deren edle Gesichtszüge sehr an Meryl Streep erinnern und die von der ORF-Hörspiel-Jury zur „Schauspielerin des Jahres“ (2014) gewählt wurde, und ihr Erstgeborener, Simon, der seit seinem neunten Lebensjahr mehr oder weniger ununterbrochen dreht. Ja, sie sind stolz aufeinander, sehr sogar, wie sie später erzählen, und vor allem, wenn die Frau Mama von Simons Hauptrolle in Seethalers „Der Trafikant“ (Kinostart im November 2018) berichtet, strahlen ihre Augen. Dennoch wünscht sie sich, dass er doch noch eine Schauspielausbildung absolviert. Denn sein Handwerk sollte man gelernt ­haben. Tochter Merle, 20, hat sich bisher als Einzige der Familie – auch der Vater der beiden Kinder, Stefan Matousch, ist Schauspieler – für einen anderen Beruf entschieden: Sie besucht „Die Graphische“ und maturiert bald.

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Spannend. Simon Morzé und seine Mutter Petra, die gesteht, heute ihren Lebensentwurf einer „überzeugten“ Alleinerzieherin doch mit anderen, kritischeren Augen zu sehen. © Bubu Dujmic

Zwei Kinofilme in einem Jahr

Naturtalent. In Katharina Mücksteins Drama „L’Animale“ (wurde bei der Diagonale mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet) ist Simon Morzé derzeit mit Sophie ­Stockinger, Jack Hofer, Kathrin Resetarits u.a. im Kino zu sehen; ab Herbst glänzt Morzé in der Hauptrolle des Lehrlings Franz neben Bruno Ganz (als S. Freud) und Johannes Krisch (als O. Trsnjek) in Robert Seethalers Drama „Der Trafikant“!

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© Bubu Dujmic

Burg-Premiere und Kinofilm

Klasse. Derzeit steckt Petra Morzé (als Frau Ill) für „Der Besuch der alten Dame“ (ab 26. 5.) mit Maria Happel (Claire Zachanassian), Roland Koch (Bürgermeister) und Burghart Klaußner (Alfred Ill) mitten in den Proben. Ab Herbst ist sie im Kinofilm „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ mit Karl Markovics u. a. m. zu sehen.

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© Bubu Dujmic

look: Wie würden Sie Ihre Beziehung beschreiben?

Simon Morzé: Seit ich ausgezogen bin und in einer WG wohne, noch besser (lacht). Wenn wir uns jetzt treffen, dann ist es nur schön. Zusammen zu wohnen ist doch anders!

 


Fiel Ihnen das Loslassen leicht?

Petra Morzé: Am Anfang war ich froh, aber dieses Aufatmen dauerte nicht lange, dann habe ich begonnen, beide Kinder mit Anrufen zu bombardieren (lacht). Ich konnte damit nicht umgehen und ich litt einige Monate unter Abschiedsschmerz, weil mehrere Abschiede hinzukamen wie etwa, dass man feststellt, in einem Alter zu sein, in dem man keine Kinder mehr bekommen kann.

 


Und wie ging’s Ihnen beim Abnabeln?

Simon: Also ehrlich gesagt, ich habe das Abnabeln nicht so schwierig empfunden (beide lachen). Aber meine Mutter war nie klammernd, sie hat immer sehr viel gearbeitet und uns zur Selbstständigkeit erzogen. Wir sind nicht dauernd aufeinander gepickt.

Petra: Aber wir haben doch mehr zusam­men gemacht, als mir jetzt zugeschrieben wird (lacht). All die Ausflüge auf die Schallaburg zum Beispiel.

Simon: Jaja, aber so eine typische Mutter-Sohn-Tochter-Beziehung mit sonntags picknicken, das waren wir nie.

 

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© Bubu Dujmic

Haben Sie je versucht, Ihrem Sohn den Beruf auszureden?

Petra: Nein, denn meine Agentin fragte erst einmal sehr vorsichtig an, ob es denkbar wäre, dass Simon – damals neun – die Rolle eines herzkranken Buben spielen könnte. Als ich ihn dann fragte, hat er sehr vernünftig reagiert und wollte zuerst einmal den Text lesen.

Simon: Ich war anfangs nicht sofort begeistert, aber dass man bezahlt wurde, das hat mich damals schon beeindruckt (lacht).

Petra: Du wurdest bezahlt? Davon weiß ich ja gar nichts (lacht)! Worüber ich sehr erstaunt war: Er konnte den Text nach einmal durchlesen und war in der Rolle sofort sehr authentisch.

 


Sind Sie stolz auf Ihre Mutter?

Simon: Ja, sehr stolz! Vor allem, dass sie sich allein und aus eigener Kraft so durchgekämpft hat.

Petra: Meine größte Wunde ist schon, dass ich stets dachte: „Wenn ich mal Mutter bin, dann werde ich meinen Kindern nur Liebe und Geborgenheit ­geben, und sie auf keinen Fall die Angst spüren lassen, die ich als Kind erlebt habe.“ Tatsache ist: Ich wollte nie, dass meine Kinder sich nicht geborgen fühlen, aber es ist mir nicht immer geglückt. Es gibt Einsamkeiten in einem, die niemand füllen kann. So wie wir alleine sterben. Leben ist für mich daher auch ein wenig sterben lernen.

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© Bubu Dujmic

Text: Andrea Buday