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People | 24.12.2018

Engel in der Galerie

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Haushoch. Die Galerie Gugging ist ein ganz besonderer Ort – Leiterin Nina Katschnig vor einer Wandmalerei. © Stefan Joham

In Gugging hat GOTT ein blaues Kleid und ein Ringel-T-Shirt an. Die Verfasserin dieser Zeilen hat sich auf der Stelle in GOTT verliebt. In das Werk des Künstlers August Walla, dessen GOTT-Gemälde riesengroß im Büro der Leiterin der Galerie Gugging steht. Nina Katschnig arbeitet hier neben GOTT. Und das gefällt ihr. Denn die 46-jährige gebürtige Kärntnerin, die seit 18 Jahren die Geschicke der Galerie Gugging lenkt und maßgeblich am Aufbau des Museums Gugging beteiligt war, ist ein spiritueller Mensch.

Gott, das ist doch alles. Wir alle sind Gott. Jeder hat diesen göttlichen Funken. Alles ist Energie.

Gugging, das ist ein ganz besonderer Platz mit einer ganz besonderen Geschichte und unbedingt einen Besuch wert. Auf einer sanften Anhöhe liegen in Maria Gugging, nahe Klosterneuburg, lichtdurchflutete Gebäude, in denen das Museum und die Galerie untergebracht sind. Still ist es hier. Und die Natur atemberaubend schön. Doch die Idylle trügt. Gugging war einst der Sitz der Hölle auf Erden. 1885 wurde hier die „Landes-Irrenanstalt“ eröffnet, später kam eine „Anstalt für schwachsinnige Kinder“ dazu. Verwahrlost und misshandelt vegetierten die Insassen durch ein furchtbares Leben. Die Gräuel erreichten in der NS-Zeit ihren Höhepunkt, Hunderte fielen der NS-Euthanasie zum Opfer.  

Das Furchtbare gehört der Vergangenheit an. Heute leben und arbeiten hier im „Haus der Künstler“, das bereits in den 1980er Jahren gegründet wurde, unweit von Galerie und Museum psychisch gehandicapte Menschen. Ihre Werke werden nicht nur in der Galerie Gugging gezeigt, sie sind weltweit gefragt. Museen, Sammler und Kunst­interessierte zahlen hohe Preise.

Art Brut ist die Stilrichtung, zu der die Werke der Gugginger Künstler gezählt werden, spontan gestaltete auto­­­­­didaktische Kunst. Koryphäen wie etwa Arnulf Rainer zollen den Werken großen Respekt. 1990 haben die Künstler aus Gugging als Gruppe den Oskar-Kokoschka-Preis erhalten. Das macht mich stolz.

Im einstigen „Kinderhaus“, dem Ort großer Verbrechen, sind nun das Museum Gugging und die Galerie Gugging untergebracht, hier hat auch Nina Katschnig ihr Büro. Da sind ganz viele Seelen hängen geblieben. Deshalb war die Energie anfangs schwer und drückend. Wir sind davon krank geworden. Es war wichtig, das Haus zu reinigen. Ich habe geräuchert. Und durch Feng Shui hat sich alles gebessert. Man muss das nicht verstehen, es funktioniert auch, wenn man nicht daran glaubt.  

Gute Energie. Dank Nina Katschnig, die sieben Mitarbeiter hat, regieren hier nun Licht und Liebe. Auch den Aufschwung der Galerie hat sie sich quasi beim Universum abgeholt.

Wir müssen das Geld für den Erhalt der Galerie mit Verkäufen verdienen – keine Umsätze, kein Geld. Die steigenden Umsätze haben wir auch mit der Hilfe von oben geschafft. Wir segnen die Rechnungen, wir haben rosafarbene Aktenordner, denn das ist die Farbe des Erzengels Ariel, der für Vertrauen steht, für das Vertrauen, dass alles zum Besten des großen Ganzen passiert.  
Vertrauen, sagt Nina Katschnig, ist das Um und Auf, dass Wünsche von „da oben“, von einer universellen Energie, erfüllt werden. Es geht um positive Gefühle, um Zuversicht, um ein Leben ohne Angst.

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"Jeder hat diesen göttlichen Funken. Wunder geschehen, weil alles Energie ist." Mag. Nina Katschnig© beigestellt

Von Engeln und Klangschalen. Nina Katschnig wurde auch von einem Engel nach Gugging geführt.  
Engel kommen über Menschen zu uns. Über Situationen. Bei mir war das etwa meine erste Chefin. Gleich nach der Matura habe ich in der Anzei­­­­­­­genabteilung einer Zeitung gearbei­­­­­tet. Schon nach drei Monaten hat meine Chefin, die Frau Hofer, gesagt: „Nina, Sie können hier schon alles. Lernen Sie weiter, studieren Sie.“ Das war mein Traum, aber ohne diesen Anstoß hätte ich es nie gemacht und  mein Glück vermutlich nicht gefunden.

Ein anderer Engel hat ihr nach dem abgeschlossenen Psychologiestudium den Weg nach Gugging gewiesen.
Mich hat die Psychiatrie zwar nicht so sehr interessiert, aber die Kunst, die schon damals in Gugging verankert war.  Das wollte ich mir anschauen. Und obwohl ich fest in Kärnten verwurzelt war, hab ich beschlossen: Hier bleibe ich. Professor Johann Feilacher, heute künstlerischer Leiter des Museums, hat mir einen Job gegeben. Mit ihm gemeinsam und einem kleinen Team habe ich dann das Museum aufgebaut und die Galerie weiterentwickelt. – Alles kommt so, wie es kommen soll.

Engel, sagt sie, waren schon immer ihre Begleiter. Schon die Mutter hat mit ihnen gesprochen.
Ich weiß, dass ich zwei an meiner Seite habe. Sie haben gut auf mich aufgepasst. Ich wäre bei der Geburt fast gestorben, und ich hatte auch einige gefährliche Unfälle. Trotzdem lebe ich noch. Ich kann meine Engel nicht sehen, aber ich weiß, dass sie da sind.

Engel, Gebete, Klangschalen, Feng Shui – wenn’s um Spiritualität geht, bedient sich Nina Katschnig aus einem breiten Spektrum an Techniken. Für sie ist das kein Widerspruch. Ich beschäftige mich mit vielem, von Ayurveda über Yoga bis Reiki. Das Leben hat eine spirituelle Dimension. Und dort ist all das zu finden. Auch jede Religion.

Wenn Wunder geschehen. Und was hält Nina Katschnig, die ob ihrer Sanftmut und Empathie selbst ein Engel zu sein scheint, Zweiflern entgegen?
Macht ja nichts. Es wirkt ja trotzdem. Es gibt doch so viel zwischen Himmel und Erde, im Universum, von dem wir keine Ahnung haben. Und trotzdem ist es da. Als ich anfangs hier in Gugging die Klangschale gespielt habe, dachten die Mitarbeiter auch „Feueralarm!“ Manche haben sicher über mich gelächelt. Jetzt wissen sie: Das ist die Nina, sie spielt die Klangschale, um gute Energie zu schaffen. Man muss es einfach ausprobieren.

Stellt sich die Frage: Wie geht ein „Ungläubiger“ an die Sache heran? Laut Nina Katschnig ist das ganz einfach.
Viele Menschen sind tief in ihren Ängsten verhaftet. Wir können das aber ändern. Hinsetzen, bewusst durch die Probleme durchatmen und ein Gebet sprechen. Dankbar sein für all das, was gut im Leben ist. Schon allein dadurch fühlt man sich besser. Und wenn man sich dann noch einen Engel an die Seite holt und eine Affirmation spricht, wie „Ich bin von Sicherheit umgeben und für mich ist immer gesorgt“, läuft es. Einfach  loslassen und vertrauen, dass Gutes geschieht. Dann geschehen Wunder.

Und diese Wunder funktionieren, so Katschnig, weil wir unsere Gedanken ändern. Und das ist auch die wichtigste spirituelle Übung:  
Pass auf deine Gedanken auf! Denn alles, was wir denken, manifestiert sich. Jetzt oder später.  

Ganz schön mutig, dass die Leiterin der Galerie Gugging so offen über ihre Spiritualität spricht.
Ich kenne viele, die genauso denken. Aber sie reden nur im engsten Kreis darüber, weil sie nicht wollen, dass sie für verrückt gehalten werden. Mir ist das egal. Was ist denn schon normal?

GOTT wohnt tatsächlich in Gugging. Und er hat ein blaues Kleid und ein Ringel-T-Shirt an.

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Galeristin. Nina Katschnig ist stolz auf jeden einzelnen Künstler: „Die Werke werden in der ganzen Welt gezeigt.“ © Stefan Joham