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People | 20.12.2018

Fashion, Passion & Family

Doris Rose sieht aus wie ein Topmodel und ist Head of Design des Austro­-Familien­unternehmens Jones. Sie versteht nicht nur viel von Mode. Sie lebt und liebt die Mode auch.

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TOP-UNTERNEHMERIN. Doris beim Shooting für den neuen Jones-Katalog. Die Top-Designerin und Jones-Miteigentümerin ist das beste Testimonial ihrer Firma. Ihr cooler Style ist Vorbild für tausende Jones-Kundinnen. © Paul Prader
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Doris Rose mit ihrem DOB-Designer Harald Vogelbauer und Merchandizer Anna Punz bei der Stoffauswahl im Atelier von Jones.© beigestellt

Ein Interview mit Doris Rose kann überall stattfinden. Nur eher nicht am Schreibtisch. Die Miteigen­tümerin und Chefdesignerin des österreichischen Familienunter­nehmens Jones ist in den mehr als fünfzig österreichischen Filialen der Modekette zwar omnipräsent, aber sie ist auch eine Vielreisende in Sachen Mode. Eine typische Doris­ Woche kann so aussehen: Heu­te Verhandlungen mit Lieferanten in Istanbul, morgen nach Dänemark zur Produktionsbesprechung, übermorgen zur Stoffmesse nach Paris und von dort gleich weiter nach Hongkong. Fluch und Segen zugleich ist, dass die sportlich­-durchtrainierte Mehrfach­-Mama, Kreative und Top-­Unternehmerin auch selbst aussieht wie ein Topmodel. Und daher ihre eigene Kollektionen vor Kunden und Produ­zenten authentisch präsentieren kann. O­-Ton Doris Rose: „Ich ziehe mich deshalb an man­chen Tagen bis zu 40 Mal um.“

 

look: Doris, wie sieht ein typischer Jones- Arbeitstag bei dir eigentlich aus?

Doris Rose: Wenn ich in Wien bin, jogge ich um 8.15 Uhr ins Büro und beginne meinen Tag gleich mit einem 7,5 km­ Lauf. Eine gute Gelegenheit, meine Gedanken zu sammeln. Dann geht es gleich voll los, mit Kollektionsproben, Meetings und Produktionsbesprechungen. Ich sitze in einem kreativen Großraum­büro, was ich liebe, weil ich alle Details mit­bekomme. Ab 16 Uhr beginnt meine kreative Phase. Ich leite als Head of Design die krea­tive Kollektionsarbeit, aber die Bereiche Jeans, Strick, Parkas/Steppmäntel mache ich alleine. Und da bereite ich die Modelle und Handzeichnungen bis in die Abend­ stunden vor, lege sie dann auf die jeweiligen Schreibtische der Merchandizer. Mein Mann und ich beenden den Bürotag meistens um 19.30 Uhr, dann wird noch kurz überlegt, was der Kühlschrank zu Hause bietet und entweder wir gehen noch schnell einkaufen oder zum Inder um die Ecke.

 

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IMMER UNTERWEGS. Doris und Gabor Rose in Carpi (not Capri!) in einem Strickbetrieb. ©beigestellt

Woher nimmst du die Inspiration für neue Kollektionen, woran orientierst du dich? Und woran erkennst du, was in der nächsten Saison Trend werden wird?

Die Branche ist immer schnelllebiger geworden, es gibt eigentlich keine großen Trends mehr, nur mehr Micro-­Trends, sie sind wie Sternchen, sie kommen schnell und gehen noch schneller. Das macht den Markt unbere­chenbar. Da ist G’spür gefragt und wie sehr man seinen Markt und seine Kundin kennt. Wir bauen auf sehr treue Stammkundinnen, die unsere Marke lieben und leben, die meine Postings kommentieren und die mir schon vertraut sind. Da nehme ich die Idee für den Aufbau der Kollektion her. Natürlich gespickt mit Infos, die ich mir auf meinen vielen Reisen hole. Für mich ist der Streetcheck –immer und überall anwendbar – sehr wichtig. Eine Frau will sich nicht verkleiden, sie will sich wohlfühlen, will hübsch aussehen – für sich selbst – und einen vollen Arbeitstag in ihrem Outfit bewältigen können. Da setze ich an, da kann ich mich als Frau gut hineinfühlen.

 

Wie hat sich das Konsumverhalten deiner Meinung nach geändert?

Die Anforderungen werden immer tougher. Aber andererseits würde ich mich oder Jones auch nicht weiterbringen, wenn alles so bliebe und es keine Weiterentwicklung gäbe. Die Kundin ist wohlinformiert und lebt in der stationären als auch in der virtuellen Welt. Kauft mal hier und mal dort und holt sich, was sie will, immer und jederzeit, es gibt keine Limits und keine Ladenschlusszeiten. Die Kundin will im Store wahrgenommen und empfangen werden, sie will aber auch im Onlinestore über Newsletter und Bildmaterial informiert werden. Gerade in den letzten Monaten, im vergangenen Sommer, hat der Onlinehandel durch die Wetterkapriolen enorm angezogen, es war zu warm zum Shoppen, online ist da schon eine tolle Alternative.

 

Jones steht für trendige und qualitativ hochwertige Mode. Ein Zukunftskonzept? Und glaubst du an das Online-Konzept?

Ich glaube, dass es ein Zusammenspiel ist und bleibt. Und ich hoffe, dass wir uns noch lange gut behaupten können, im schwierigen Umfeld der großen Global-Retailer. Ich gebe mein Bestes.

 

 

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On the road in Como. © beigestellt

Sind die Österreicherinnen modemutig?

Ich glaube schon! Sie sind besser gestylt als die Deutschen, aber nicht so mutig wie die Italienerinnen.

 

Wie sieht dein typischer Style aus und inwieweit beeinflusst er deine Kollektionen?

Casual Chic, bequem, aber nicht shabby und meist schwarz/weiß/grau. Ich habe mit so vielen Farben zu tun, da ist es besser, seinen eigenen Style ruhig zu halten. Im Urlaub und privat liebe ich Farben, am liebsten Jadegrün, Rosa, Senfgelb. Und: Ich liebe schmale Lederhosen. Eigentlich bin ich vom Style her die typische Französin, mit Trenchcoat, schmaler Hose und Pulli. Und bitte kein langes Oberteil drüber, ich zeige schon gerne Figur. Natürlich hat mein persönlicher Style auch Einfluss auf die Kollektion.

 

Wann hat eine Frau für dich Style und ist gut angezogen?

Auftreten ist mir sehr wichtig, Sprache, Ansichten, Gepflegtheit – dann kann sie tragen, was sie will, denn dann hat diese Frau Selbstbewusstsein. Ich glaube, wenn man sich wohlfühlt in seiner Haut, dann findet man seinen Style und der kann vielfältig sein.

 

Du warst immer eine typische Working Mum. Wie hast du Familie und Job vereinbart bzw. hast du einen Rat für andere in der gleichen Situation?

Ich hatte das Glück, mit meinem Mann zu arbeiten, also haben wir alles geteilt, auch den Job zu Hause – danke, lieber Gabor. (lacht) Aber ich hatte auch ein 24/7-Kindermädchen und den Luxus, mit Kind zu reisen. Das ist ein großes Privileg. Mein Rat: Nie eifersüchtig sein auf das Kindermädchen, ein Kind weiß immer, wer die Mami ist. Und eine entspannte Mami hat viel mehr Zeit für das Kind.

 

Wie hältst du dich fit, wie kannst du entspannen? Was macht dir neben dem Job die meiste Freude?

Fit bin ich durchs Laufen und alle 14 Tagemache ich 3-Drink-Detox-Tage. Fit bin ich auch, weil ich eine schlechte Hausfrau bin und es oft tagelang bei uns nur „Licht“ im Kühlschrank gibt. Das unterstützt das Dinner-Cancelling. Am meisten Freude habe ich auf Reisen, vor allem auf meinem Lieblingskontinent Afrika. Ich hätte am liebsten meine Family immer mit dabei. Und ich bin stolze Omi von den entzückendsten Zwillingsmädchen der Welt.

 

Wenn du, wie etwa gerade jetzt, für einige Tage nach Hongkong verreist: Handkoffer oder großes Gepäck? Welche Pflichtteile sind im Koffer? Und was hast du immer dabei?

Mein Gepäck ist superklein, the more you travel, the smaller the luggage. Immer dabei habe ich zwei schwarze Hosen, eine Leo-Hose, eine weiße Hose, ein Kleid, zwei Blusen, drei T- Shirts, zwei Pullis, ein Blouson, einen Bikini. Und Laufsachen. Was man nicht dabei hat, kann man in der Not kaufen, das ist meine Devise.

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Doris in Hongkong, Hotel Interconti. © beigestellt