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People | 21.06.2019

Frauen, traut euch!

Andrea Lehner ist Maskenbildnerin beim ORF – und Produktentwicklerin. Ihre WaxStrips für die Augenbrauen verkaufen sich weltweit. Im Interview macht sie Frauen Mut: „Glaubt an euch, ihr könnt das auch!“

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Ich hab’ meinen Mann immer wie einen König behandelt. Dann hab’ ich ihn vom Thron gestoßen und mich selbst drauf­gesetzt. - Andrea Lehner © Bubu Dujmie

Die Frau hat Power für eine ganze Kompanie. Sie ist extrem tüchtig und fokussiert. Wenn Andrea Lehner sich ­etwas vornimmt, peilt sie ihr Ziel an und lässt es nicht aus den Augen. Mit Kreativität und Durchschlagskraft hat die 53-jährige Linzerin bereits mehrere Produkte zum Erfolg geführt, wie etwa andmetics, Waxingstreifen für die Augen­brauen, die mittlerweile weltweit verkauft werden. Weitere Produkte sind zum Patent angemeldet und in der Umsetzung, viele Ideen hat Andrea Lehner in der Pipeline. Jüngst erntete sie für ihre Ausführungen beim „4Gamechangers Festival“ in Wien Applaus. Im Interview spricht die Produktentwicklerin, die Chefmaskenbildnerin bei der ORF-Show „Guten Morgen Österreich“ ist, über ihre Karriere. Und sie sagt abseits von Abgehobenheit und Arroganz: „Ich will Frauen Mut machen. Ich hab’ nicht einmal Matura! Und trotzdem hab ich’s geschafft. Und jede Frau kann, was ich kann.“

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AT WORK. Andrea Lehner ist Chefmaskenbildnerin bei „Guten Morgen Österreich“. Hier schminkt sie Moderatorin Eva Pölzl. © Bubu Dujmic

Andrea Lehner im Interview mit look! 

 

look: Welchen Beruf haben Sie ­erlernt?

Andrea Lehner: Ich bin Friseurin, und hab’ auch noch eine Visagistenausbildung gemacht und vor rund 30 Jahren beim ORF-Landesstudio Oberösterreich zu arbeiten begonnen. Nach und nach wurde ich immer öfter für die Werbung und schließlich auch für große, internationale Filmproduktionen, wie etwa mit Christopher Lambert, ­gebucht. Jetzt bin ich die „Chefmaske“ bei der ORF-Morgenshow. Mit der Zeit wurde mir das allein zu viel und ich habe eine Firma gegründet – jetzt arbei­ten bis zu 25 Friseure und Visagisten für mich. Sie entwickeln aber auch Produkte. Wie schaffen Sie das zeitlich? Immer, wenn es ein Problem gibt, überlege ich, wie ich es lösen kann. So war es auch bei meinem ersten Produkt andmetics. Als Visagistin weiß ich ja, wie wichtig perfekte Augenbrauen für ein Gesicht sind. Und bei Stylingcoachings mit mehreren Frauen musste ich die Augenbrauen meiner Kundinnen jedes Mal langwierig in From zupfen. Deshalb habe ich Wachsstreifen für die Beine gekauft und für die Augenbrauen in Form geschnitten. So sind die Wax Strips für die Brauen entstanden. Es gibt dafür ein internationales Patent und mittlerweile wird das Produkt weltweit in 60 Ländern vertrieben.

 

Sie haben die Marke andmetics vor kurzem verkauft. Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Weil ich gemerkt habe, dass mich das ganze Rundherum nicht mehr interessiert – ich hätte mich in erster Linie um den Vertrieb kümmern müssen. Da wollte ich lieber etwas Neues anfangen. Und so ist der „Secret Strip“ entstanden, der Höschenretter, eine unsichtbare Slip­einlage für Frauen und Männer, die international zum Patent angemeldet ist. Ein großer Konzern ist bereits mein Produzent. Schauen wir, wohin die Reise weiter geht. Ein weiteres Projekt ist der sogenannte „Zungenkuss“. Da kann ich noch nichts verraten, das Produkt wird gerade zum Patent angemeldet. Parallel dazu entwickle ich mit einem Industriedesigner eine intelligente Brotdose für den Kühlschrank, weil mein Toastbrot immer schnell schimmlig wird.

 

Von der Erfindung eines Produkts bis zum Verkauf ist es ein weiter und teurer Weg.

Ich habe mich mit aller Kraft durchgebissen, mir Wissen über Marketing und Vertrieb angeeignet. Bei andmetics habe ich mein ganzes Erspar­tes, das waren damals 10.000 Euro, investiert. Schließlich habe ich mir einen Investor an Bord geholt. Und es hat geklappt. Genau das möchte ich Frauen weitergeben: Traut euch! Seid mutig! Glaubt an euch! Jede von euch kann es schaffen. 

 

Sie haben alles allein bewältigt?

Ja, ich schaffe alles. Nur wenn’s ums Geld geht, nehme ich meinen Schwiegersohn – den ich mittlerweile in die Firma geholt habe – zu Verhandlungen mit. Ich sag’ immer: Ich bin intelligent genug, um zu wissen, wann ich einen Mann mitnehmen muss. Denn leider ist es noch immer so, dass manche Männer denken, sie können eine Frau übervorteilen. Bei einem Mann als Gegenüber kommen sie gar nicht auf diese Idee.

 

Was war der Anstoß für Ihre Kar­riere als Produktentwicklerin?

Meine Scheidung. Ich war 26 Jahre verheiratet und habe meinen Mann immer wie einen König behandelt. Als von seiner Seite keine Wertschätzung mehr da war, hab’ ich mich scheiden lassen. Ich hab’ ihn vom Thron gestoßen und mich selbst draufgesetzt. Und plötzlich hatte ich Zeit, mich darauf zu konzentrieren, was mir wirklich Spaß macht: Produkte entwickeln.

 

Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Geld steht für mich nicht an erster Stelle, sondern die Freude an der Arbeit. Ich lebe eher bescheiden, ich investiere das meiste Geld aus einer Erfindung in die Entwicklung des nächsten Produkts.

 

Ihr Leitsatz?

Tüchtig sein. Dann gesellt sich auch das Glück dazu.