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People | 23.06.2022

GEBT UNS EINE CHANCE!

Gewaltbeziehung, Schulden, seelische Probleme – die Gründe, auf der Straße zu landen, sind schwerwiegend. Umso wichtiger ist es, dass es Anlaufstellen wie das „Obdach Wurlitzergasse“ gibt, hier bekommt jeder eine zweite Chance!

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MITEINANDER. Die TeamleiterInnen Kathrin Sedlacek und Gerald Lamprecht fördern die Reintegration der BewohnerInnen im „Obdach Wurlitzergasse“. © Elisabeth Lechner

Die Wurlitzergasse 89 im 17. Bezirk ist eine Adresse von Bedeutung – vor allem, wenn man das eigene Dach über dem Kopf verloren hat und auf der Suche nach einem Zuhause ist. Das „Obdach Wurlitzergasse“ ver­steht sich als sogenanntes Chancenhaus und bietet erwachsenen Frauen und Männern Zuflucht, die keinen regulären Anspruch auf eine Einrichtung der Wie­ner Wohnungslosenhilfe haben– egal ob aus Therapieeinrichtungen, Tageszen­tren oder auch aus der Haft kommend, hier müssen keine Voraussetzungen für eine Aufnahme erfüllt werden. Bis zu 150 Plätze in möblierten Einzel­ und Doppelzimmmern stehen BewohnerInnen zur Verfügung. Die Zimmer sind in einzelne Wohngruppen unterteilt, die über gemeinsam genutzte Toiletten und Waschräume verfügen.

Um das Wohl ihrer Schützlinge kümmert sich ein 42-köpfiges Team unter der dualen Führung von Kathrin Sedlacek und Gerald Lamprecht: neun SozialarbeiterInnen, 29 BetreuerInnen, zwei Geckos (Gesundheitskoordinato­rInnen) sowie zwei Peers – ehemalige Wohnungslose, die nun das Team als eigene Berufsgruppe unterstützen. Gemeinsam hilft das multiprofessio­nelle Team bei Fragen rund um Geld, Gesundheit und Miteinander: Was tun bei finanziellen Schwierigkeiten? Wie gehe ich mit Krisen um? An wen wen­de ich mich bei gesundheitlichen und seelischen Problemen? Außerdem hilft das Team bei der Wohungssuche, Behör­dengängen und Bewerbungen.

Stichwort Bewerbung: Auch Eva K., Dashdorj N., Slavica K. und Dasa K. sind im „Obdach Wurlitzergasse“ untergekommen und auf der Suche nach einem neuen Job, der ihnen einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit und eigene Wohnung ermöglichen soll. Für ein optimales Bewerbungsfoto gab es Freiwilligenhilfe von Fotografin Elisabeth Lechner und den Make­up­ Artists Maike Kolmer und Sara Savic, die sich die Zeit genommen haben, um die vier Chancenhaus-­Bewohnerinnen typgerecht zu stylen und gekonnt für ihre zukünftigen Arbeitgeber in Szene zu setzen. Wir freuen uns, die motivierten Frauen auf den nachfolgenden Seiten bei ihrer Jobsuche unterstützen zu können und wünschen ihnen viel Erfolg bei ihren Bewerbungen!

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DASHDORJ N., 55

AUSBILDUNG: MITTLERE REIFE

2019 verlor Dashdorj ihre Wohnung und war seither auf die kurzfristige Unterbringung in Notschlafstellen und anderen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe angewiesen – bis sie vor eini­gen Monaten im „Obdach Wurlitzergasse“ unter­gekommen ist. Der größte Wunsch der gebürti­gen Mongolin wäre es, sich so rasch wie möglich wieder eine eigene Wohnung finanzieren zu können sowie Geld für ihre Pension anzusparen, damit sie diese nicht auf der Straße verbringen muss. Deshalb ist sie auch auf der Suche nach einem neuen Job, am liebsten als Küchenhilfe oder Schneiderin. Gerade als Schneiderin kann sie bereits einiges an Erfahrung vorweisen.

© Elisabeth Lechner

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EVA K., 43

AUSBILDUNG: KÖCHIN/KELLNERIN

Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann kam Eva zusammen mit ihren drei Buben (3, 6, 9 Jahre) aus der Slowakei nach Österreich. Nach einer vorübergehenden Station in einer Obdachlosen­ unterkunft wurden ihre Kinder vergangenen November vom Jugendamt untergebracht – und Eva fand Zuflucht im „Obdach Wurlitzergasse“. Um möglichst bald wieder mit ihren Kids vereint zu sein, setzt Eva alles daran, auf eigenen Beinen stehen zu können – und sucht deshalb nach einer Stelle als Köchin, Kellnerin, Reinigungskraft oder Rezeptionistin. Bisher hat sie als Chefköchin, Reini­gungskraft und Zimmermädchen gearbeitet.

© Elisabeth Lechner

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DASA K., 39

AUSBILDUNG: KÖCHIN/KELLNERIN

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder kam Dasa 2006 aus der Slowakei nach Wien – und hat hier begonnen, als Küchenhilfe zu arbeiten. 2014 der Schicksalsschlag: Innerhalb weniger Monate sterben zuerst ihr Bruder und kurz darauf ihre Mutter – Dasas Leben wird völlig aus der Bahn geworfen und sie landet für drei Jahre auf der Straße. Eine neue Wohnung lässt sie wieder Hoffnung schöpfen, doch dann der nächste Tiefschlag: Anfang 2022 wird ihr die Wohnung gekündigt und sie muss ins „Obdach Wurlitzergasse“ ziehen. Eine eigene Wohnung ist ihr größtes Ziel – ein Job als Küchenhilfe würde sie ihrem Wunsch einen Schritt näher bringen.

© Elisabeth Lechner

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SLAVICA K., 51

AUSBILDUNG: VERKÄUFERIN

Kein Geld, hohe Schulden und ein Leben auf der Straße bzw. in verschiedensten Obdachlosen­ unterkünften haben die vergangenen Monate von Slavica geprägt. Das „Obdach Wurlitzer­gasse“ hat ihr endlich wieder eine Perspektive gegeben und die Möglichkeit, Fuß zu fassen – mithilfe eines Jobs könnte sie wieder unabhän­giger werden und neu durchstarten. Nachdem die Slowakin gerne mit älteren Menschen zusammenarbeitet, sucht sie nach einer Anstellung als Heimhilfe oder 24-­Stunden­-Betreuung als Quereinsteigerin. Berufserfahrung hat sie bis jetzt als Verkäuferin in einem Shop für Damen­ und Kindermode sammeln können.

© Elisabeth Lechner

SO KÖNNEN SIE HELFEN

Wer das „Obdach Wurlitzergasse“ oder andere Einrichtungen von Obdach Wien unterstützen möchte, kann sich auf der Website unter obdach.wien zur Freiwilligenarbeit anmelden. Derzeit werden vor allem FriseurInnen gesucht, die direkt ins Haus kommen. Sie wollen den BewohnerInnen dabei helfen, wieder Fuß zu fassen, und haben sogar ein Jobangebot für sie in Aussicht, dann kontaktieren Sie: claudia.gabrutsch@fsw.at