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People | 18.12.2019

„Ich bin ziemlich chaotisch“

In der wichtigsten ORF-Nachrichtensendung, der „Zeit im Bild“, erklärt Nadja Bernhard regelmäßig mehr als einer Million ZuseherInnen die Welt. Bei der „Women of the Year“-Gala wurde sie nun mit einem Award ausgezeichnet. Das Interview über Job und Privates.

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Strahlende Siegerin. Nadja Bernhard wurde in der Kategorie „Women in Media“ ausgezeichnet: „Eine besondere Freude, weil der Preis von Frauen verliehen wurde.“ © Stefan Joham

So sehen Siegerinnen aus: Nadja Bernhard, ebenso kluge wie attraktive ZiB-Anchorwoman, überstrahlt selbst das Blitzlichtgewitter der Fotografen. Sie freut sich „wahnsinnig“ über den Award in der Kategorie „Women in Media“ bei der „Women of the Year“-Gala im Wiener Rathaus. Die Auszeichnung erhielt die Journalistin vor allem für ihre exzellente Performance als Moderatorin der „Zeit im Bild“. Ob Polit-Knüller oder Wirtschafts-Aufreger: Nadja Bernhard präsentiert Aktuelles jedweder Art stets ruhig und besonnen. „Das ist Routine“, sagt sie im Interview. Aus dem Takt gerät sie allerdings noch immer, „wenn in einer durchgeplanten Sendung Unvorhergesehenes passiert, wenn ein Rädchen nicht ins andere greift – dann ist auch
die ZiB-Moderation Live-Freestyle“. Zum ORF kam Nadja Bernhard bereits 1999, sie arbeitete für den Sender zehn Jahre lang in Rom und in Washington. Seit 2012 ist die 44-Jährige nun an der ZiB-Front tätig, mehr als eine Million ZuschauerInnen lassen sich von ihr regelmäßig das Weltgeschehen erklären.

Was bedeutet Ihnen der Preis in der Katgeorie „Women in Media“?

Nadja Bernhard: Das freut mich wahnsinnig! Eine Auszeichnung ist immer schön, vor allem aber, wenn sie von Frauen kommt, wie das bei der „Women of the Year“-Gala der Fall ist.

War der Nachrichten-Journalismus schon immer Ihr Ziel?

Ich habe Publizistik und Kunstgeschichte studiert, und da ich sehr kunstaffin bin, lag mir eher die Kunstgeschichte näher. Ich hätte mir auch einen Job in der Modebranche vorstellen können. Das Interesse am Journalismus kam, als ich während eines Auslandssemesters in Italien beim dortigen ORF-Studio gearbeitet habe. Da habe ich Blut geleckt. Ich habe erkannt, wie spannend der Beruf ist.

Früher waren News-Journalismus und die Moderation von News-Sendungen fest in männlicher Hand. Heute sind immer mehr Frauen in diesen Jobs verankert. Ein großer Wandel ...

Ja, das macht sich vor allem im Krisen-Journalismus bemerkbar, etwa bei CNN. Es gibt sogar Studien, dass Frauen in Krisensituationen ein bisschen empathischer sind als Männer, dass sie in Ausnahmesituationen mit großer Empathie und Nachsicht vorgehen und deswegen die „besseren Geschichten“ liefern – weil sich Menschen ihnen eher öffnen als männlichen Kollegen. Dadurch sind auch tiefergehende Interviews und Berichte möglich.

Auch Greta Thunberg wurde bei der „Women of the Year“-Gala ausgezeichnet, als „Game Changer“ des Jahres. Wie stehen Sie zu ihr?

Sie hat wirklich etwas verändert, sie hat die Menschen aufgerüttelt. Hut ab davor. Seit 30 Jahren warnen Wissenschaftler vor einer Klimakatastrophe, doch wir negieren das. Da ist der Mensch schon eine spezielle Spezies. Jede Tierart würde versuchen entgegenzusteuern, wenn sie bedroht ist. Doch der Mensch geht sehenden Auges in den Untergang. In wenigen Jahren werden wir uns alle an den Kopf greifen und uns fragen, warum wir nur so blind waren.

Den Medien, wie etwa dem ORF, kommt da die Rolle der Aufklärer zu.

Deshalb hat der ORF etwa auch den Schwerpunkt Klimatag ins Leben gerufen. Denn es ist die Kernaufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, faktenbasierend zu informieren. Und wir sehen ja generell bei den Klimathemen, dass die Menschen sehr sensibilisiert sind und dass es Bedarf nach seriöser Information gibt. Vor allem in Zeiten der Fake News.

Leben Sie selbst umweltbewusst?

Ich versuche es, doch es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich einen Vorzeigehaushalt habe. Aber Greta Thunbergs „Fridays for Future“-Bewegug hatte großen Einfluss auf mich, es gab bei mir eine radikale Zäsur in Bezug auf Plastik. Ich kaufe keine in Plastik verpackten Waren mehr und verzichte auch sonst so weit wie möglich auf Plastik.

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Job & Hobby. Nadja Bernhard mit Tarek Leitner im „Zeit im Bild“-Studio. © Thomas Ramstorfer

Sie sind in Kanada geboren, haben einen Teil Ihrer Kindheit in der Südsteiermark verbracht, waren zehn Jahre als Journalistin in Italien und den USA. Wo sind Sie verwurzelt?

In Kanada, denn dort habe ich ja meine ersten sieben Jahre verbracht. Ich bin in Windsor in der Nähe von Detroit aufgewachsen. Meine Eltern waren die klassischen Auswanderer, sie gingen in den 1960er Jahren nach Kanada. Als sie sich scheiden ließen, kam ich mit meiner Mutter zurück in ihre Heimat, die Südsteiermark. Jetzt fühle ich mich mehr und mehr auch dort verwurzelt.

Könnten Sie sich vorstellen wieder im Ausland zu arbeiten?

Ja! Eigentlich war das immer mein Ziel. Und Rom ist ja meine zweite Heimat, auch Washington würde mich interessieren.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie stets versuchen, PolitikerInnen bei Interviews Dinge zu entlocken, die man noch nicht von ihnen kennt. Was wären diese überraschenden News bei Ihnen?

Überraschend ist vielleicht, dass ich chaotisch bin (lacht). Das Bild, das die ZuseherInnen der „Zeit im Bild“ vermutlich von mir haben – dass ich total ordentlich und strukturiert bin –, entspricht nicht der Realität. Privat bin ich chaotisch. Ich bin auch unpünktlich. Vermutlich bin ich die einzige Moderatorin, die es schafft, zu einer Sendung zu spät zu kommen.

Ihr Job ist stressig, wie entspannen Sie sich?

Beim Spazierengehen mit meinem Hund Symi, einem Mischling. Und ich spiele Ziehharmonika, derzeit scheitere ich gerade am „Steirischen Brauch“, aber ich übe brav (lacht).

Was fasziniert Sie an der Ziehhar­monika?

Ich mag ästhetische Dinge und die Ziehharmonika ist ein extrem schönes Instrument, ein Kunstwerk.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ich versuche mit einer gewissen positiven Einstellung an Dinge heranzugehen. Ich denke, das Leben wäre leichter, wenn wir alle das täten. Wir sitzen alle im selben Boot.

Wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückschauen – welche Liedzeile wäre ein treffender Titel?

Stayin’ alive.