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People | 24.11.2017

Ich kann leider nicht weinen

Christiane Hörbiger. Sie hat, wie sie selbst sagt, das „schwerste Jahr“ hinter sich und möchte jetzt „nach vorne blicken“. Bei der „Women of the Year“-Gala wird sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Der Talk.

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"Es waren sehr harte Tage, die ich durchstanden habe. Der Herbst macht es nicht besser", so Christiane Hörbiger. © Getty Images

Dass sie bei der großen look! „Women of the Year“-Gala mit dem ­Life­time Achievement Award ausgezeichnet wird, bedeutet Christiane Hörbiger (79) sehr viel. „Es ist ein Blumenstrauß, nein, ein riesengroßer Rosenstrauß, den mir Österreich, mein Heimatland, und look! vor die Füße legen.“ Und das gerade jetzt, nach dem wohl schwersten Jahr ihres ­Lebens.

Verlust. Denn im August 2016, nur wenige Tage vor der geplanten Ehe nach 30 „wilden“ gemeinsamen Jahren, starb Hörbigers Lebensmensch Gerhard Tötschinger. Nach dem Verlust des Vaters ihres Sohnes ein ­zweiter, schwerer Schicksalsschlag. Im sehr persönlichen Interview mit look! spricht die Theater- und Filmikone über Verlust, Trauer und Schmerz.

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Lebensmensch. Kurz vor der Hochzeit im August 2016 starb Gerhard Tötschinger. © picturedesk.com

look: Liebe Frau Hörbiger, darf ich schlicht und ergreifend fragen, wie es Ihnen geht?

Christiane Hörbiger: Also ich habe mir von anderen Frauen sagen lassen, die selbst Witwen sind: Dieser ganz arge Schmerz dauert zwei Jahre. So hoffe ich, dass es ab nächstem August ein bisschen leichter wird. Aber es sind harte Tage, die ich da durchgestanden habe! Und der Herbst und die Dunkelheit machen es nicht besser. Aber da muss ich durch.


Sie waren aber in diesem Sommer sehr bewusst am Wolfgangsee. Dort, wo Sie 2016 Ihren geliebten Mann verloren haben. Warum?

Ich habe es lang überlegt. Ich habe dann mit einem befreun­deten Arzt besprochen, dass ich dort wieder hinfahre. Der hat gesagt: Um Gottes willen! Sage ich: Nein, es ist ein so wunderschöner Platz. Seine Antwort? Dann musst du es so sehen, dass du an diesem wunderschönen Platz mit deinem Gerhard Tötschinger sehr glücklich warst. Wenn man es von dieser Seite aus betrachtet, hat man den Schrecken verloren, dass es dort passiert ist. Ich hatte Angst bei der ­Ankunft. Nur ist dieses Fleckchen Erde, diese Schönheit hier ist so unglaub­lich – das ist stärker als alles Menschliche. 

 

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Familienbande. Christiane Hörbiger im Kreis ihrer geliebten Schwestern Maresa Hörbiger und ­Elisabeth Orth sowie Mavie. © picturedesk.com

Neben Ihrem Sohn und Ihren Schwestern waren aber auch Ihre beiden Hunde, die geliebten Möpse, ein Trost, ist das richtig?

Unbedingt! Ich bin durch diese beiden wunderbaren Tiere zwar allein, aber nicht einsam. Und ich bin mit beiden so beschäftigt von früh bis abends, dass für trübe Gedanken jetzt, im zweiten Trauerjahr, fürs Grübeln und zum Rückwärtsschauen keine Zeit bleibt. Die beiden zwingen mich dazu, nach vorne zu schauen.

 


Ein Mops ist ja nicht vergleichbar mit anderen Hunden, sagen mir Mopsbesitzer. Warum?

Ein lieber Freund hat mir einmal gesagt: Ein Mops ist kein Hund, das ist ein Wesen. Das stimmt!

 


Und kann es sein, dass Ihre beiden Möpse sehr verwöhnt werden?

Ich glaube ja! Ich überlege mir auch am Morgen, was ich Ihnen am Abend neben dem normalen Hundefutter bieten kann. Da werden wir heute bei Thunfisch mit Ei bleiben.

 

Ihre beiden Schwestern und Ihr Sohn ­waren natürlich im ersten Trauerjahr auch immer für Sie da.

Um Gottes willen, das kann man nicht vergleichen, natürlich. Das mit den Möpsen ist nur mein tägliches ­Leben. Meine große Verbindung ist natür­lich zu meiner Familie mit zwei wunderbaren Schwestern, einem wunderbaren Neffen und meinem Sohn. Sascha ruft immer an und fragt, wie es mir geht, und ist der liebste und wichtigste Mensch in meinem Leben.

 

 

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Auseinandersetzung mit dem Tod. Hörbiger im TV-Film „Die letzte Reise“. © Letzte Reise


Sie sind, nicht nur in der Außenwahrnehmung, eine sehr disziplinierte, starke Frau. Würden Sie sich selbst als Kämpfernatur bezeichnen?

Für meine Belange und für mich persönlich kämpfe ich. Ich gebe nicht auf. Ich gebe nicht auf bei zwei schweren Erlebnissen, die ich hatte. Der Tod des Vaters meines Sohnes war ja auch sehr, sehr schwer für mich. Ich sage mir heute noch sehr oft: Nein, ich lasse mir mein Leben nicht ruinieren durch Umstände, die an mich herangekommen sind.

 

Wie gehen Sie mit Momenten der Schwäche um? Was hilft?

Ich bin ja immerhin jetzt 79 Jahre, und alte Menschen weinen nicht so leicht. Ich weine eigentlich kaum, obwohl es mich sicher erleichtern würde.

 


Kommen wir zur großen Frauen­gala am 29. 11. im Rathaus, bei der Sie mit dem Preis für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet werden. Wie betrachten Sie denn Ihren so beachtlichen Weg?

Ich halte natürlich Rückschau, ­wobei es in den Situationen, in denen ich war, lebenswichtig war, nach vorne zu schauen. Aber ich kriege langsam, langsam Respekt vor mir (schmunzelt). Solange ich gesund bleibe – hoffent­lich.

 

Viele Preise säumen Ihren Weg. Was bedeutet Ihnen speziell dieser Preis im Verlauf Ihrer langen Karriere?

Er bedeutet mir sehr viel! Es ist ein Blumenstrauß, nein, ein riesengroßer Rosenstrauß, den mir Österreich, mein Heimatland, vor die Füße legt. Genauso nehme ich das. Und ich freue mich!

"Ich kämpfe für mich. Ich gebe nicht auf. Ich lasse mir mein Leben nicht ruinieren.", so Christiane Hörbiger.

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Engste Vertraute. Sohn Sascha Bigler war ihr in den letzten 15 Monaten starke Stütze und „größter Trost“. © picturedesk.com