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People | 07.11.2018

Mariandl im Sexshop

Waltraut Haas. Die Filmikone der 1950er und 1960er Jahre, deren Paraderolle das „Mariandl“ war, meldete sich nun mit einer schwarzen Komödie um einen Sexshop auf der Kinoleinwand zurück.

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Keine Ermüdung . Unglaubliche 91 Jahre ist Waltraut Haas alt. Jetzt ist sie bei der „Women of the Year“-Gala für einen Award in der Kategorie „Women for Generations“ nominiert. © Stefan Diesner

Die Frau ist unglaublich. 91 Jahre ist Waltraut Haas alt, Ermüdungserscheinungen zeigt sie nicht. Beim look!-Besuch in ihrem Hietzinger Haus springt sie etwa behende auf, um die Terrassentür zu schließen ... Chapeau! Mehr als 60 Kinofilme drehte sie ­allein zwischen 1947 und 1969, darunter Klassiker wie „Hofrat Geiger“ („Mariandl“), und erlebte als Grande Dame des Kinos die höchstmögliche Verehrung des Publikums. 2001 stand Waltraut Haas zum letzten Mal vor der Kamera, nun meldete sie sich mit der schwarzen Komödie „Das kleine Vergnügen“ im Kino zurück. Waltraut Haas gibt die Mutter einer betrogenen Frau (Petra Kleinert), die – auf Jobsuche befindlich – in einem Sexshop als Verkäuferin anheuert. Der Film wurde bereits weltweit bei Festivals gezeigt und mit zwölf Preisen geadelt. Bei der „Women of the Year“-Gala am 16. November ist die nimmermüde Schauspielerin in der Kategorie „Women for Generations“ für einen Award nominiert. look! traf Waltraut Hass und Julia Frick, Regisseurin und Autorin von „Das kleine Vergnügen“, zum Gespräch.
 

look: Warum ist der Sexshop im Film ein so großes Thema?

Frick: Ich habe erfahren, dass 40 Prozent der Frauen Probleme mit der Lust haben.

Haas: Und da gehen sie dann in ­einen Sexshop? Also ich hab das nicht notwendig gehabt.

Frick: Diese Frauen haben keine Lust oder sie kriegen keinen Orgasmus. Aber das ist nie ein Thema in ­einem Film, deshalb war es mir wichtig, dieses Problem aufzuzeigen.

Haas: Ich hab auch von niemandem gehört, dass der Film anstößig oder peinlich ist. Alle finden ihn lustig. Eine besonders komische Szene ist die, in der ich zur Petra Kleinert, meiner Filmtochter, sage: Was machst du denn mit diesem Beißkorb, du hast doch gar keinen Hund ...

Frick: ... da hält sie einen Peniskäfig in der Hand.

Haas: Das Ding kommt in ein Ding rein, das aussieht wie ein Beißkorb.

 

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Erfolge. Waltraut Haas mit Filmemacherin Julia Frick und den Auszeichnungen für „Das kleine Vergnügen“. © Stefan Diesner

Peniskäfig, Orgasmen, Sexshop? –Frau Haas, hatten Sie überhaupt keine Berührungsängste?

Haas: Nein, ich fand das sehr lustig.

Frick: Aber in deiner Generation ist doch sicher nicht so offen über Sex ­gesprochen worden ...?

Haas: Genau, Sex war selbstverständlich, da musste man nicht drüber reden. Außerdem war ich ja nie ein braves Mariandl. Wenn mir ein schöner Mann begegnet ist, war ich gleich ganz weg. Ich hab ja wahnsinnig schöne Filmpartner gehabt, den Tyrone ­Power und den Errol Flynn (Lichtgestalten des frühen Hollywoodfilms, Anm.). Mit dem Tyrone Power war ich ja liiert. Und eine ganz große Liebe war der Rudolf Schock (weltberühmter Opernsänger, Anm.), aber ich hatte die Kraft und hab ihn verlassen. Er war ja verheiratet und hatte drei Kinder. Darüber hab ich auch in meiner Biografie „Jetzt sag ich’s“ geschrieben.

 

Aber das war alles vor Ihrer Ehe mit Erwin Strahl.

Haas: Ja, mit dem Erwin war ich 45 Jahre glücklich verheiratet (verstarb 2011, Anm.). Da hat’s nichts gegeben.

Frick: Da hast du Glück gehabt. Denn dieses Thema, um das es auch im Film geht, kennen doch viele: Er betrügt seine Frau und verlässt sie. Und wenn die betrogene Frau dann selbstständig wird, will er sie wieder zurück.

Haas: Aber im Film will sie ihn nicht mehr. Da hab ich mir gedacht: Bist eine blöde Urschel, dass du ihn dir nicht zurücknimmst.

Frick: Aber er hat sie doch mit der Sekretärin betrogen.

Haas: Aber es war doch nur eine.

 

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Zusammenspiel. Waltraut Haas’ Sohn Marcus Strahl gibt in „Das kleine Vergnügen“ den ehebrechenden Mann ihrer Film-Tochter. © Film - Das kleine Vergnügen

Frau Haas, vor einiger Zeit hat ­Ihnen Til Schweiger im Fernsehen eine Liebeserklärung gemacht.

Haas: Ja, das war in einer deutschen Talkshow, bei Barbara Schöneberger. Ich habe aus meinem Leben und vom Film erzählt. Da hat er plötzlich gesagt: „Ich hab mich verliebt. Wenn ich sehe, mit welcher Freude und Lebenslust Sie da sitzen – ich habe mich verliebt.“ – Vielleicht holt er mich für seinen nächsten Film. (Lacht)

 

Ihre Pläne?

Haas: Ich bin bei einigen deutschen Talkshows, die wollen offenbar sehen, wie ich ausschau in meinem Alter. Und irgendwann bin ich wieder im ORF, bei den Buben, bei Stermann und Grissemann.