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People | 11.05.2020

Mutig in die Zukunft

Zukunftsangst und Entschleunigung, Unsicherheit und Aufbruchstimmung – look! wollte wissen, wie Frauen über die Coronakrise denken.

Nadja Bernhard, 44, ZiB-Moderatorin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Ich bin gleich nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen in die ORf-Isolation gegangen. Dort war ich dann drei Wochen lang mehr oder weniger auf die Arbeit fixiert, ohne mir groß über die privaten Auswirkungen Gedanken zu machen. Als ich dann das erste Mal eine menschenleere Straßenbahn sah, kamen mir die Tränen.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Die Ungewissheit hat zweifelsfrei einige Prioritäten verschoben. Auch das Ohnmachtsgefühl wird wohl spuren hinterlassen.

Wird sich das Leben nach der Krise ändern oder werden wir so schnell wie möglich zum Status von davor zurückkehren (wollen)? Das hängt davon ab, wie sich die Krise entwickelt. Wenn die Katastrophe ausbleibt, wonach es derzeit in Österreich aussieht, dann werden wir sehr schnell in den Normalmodus zurückkehren. Anders in den Gebieten, die besonders gelitten haben, wie etwa Bergamo. Die Menschen dort werden sehr lange mit dem Trauma kämpfen.

Woraus freuen Sie sich am meisten, wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind und unser Leben wieder normal läuft? Umarmen, umarmen, umarmen!

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"Ich bin gleich nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen in die ORf-Isolation gegangen." © privat

Martina Ebm, 38, Schauspielerin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Einerseits schüren die vielen Unsicherheiten, die sich im Moment auftun, Ängste, da auch ich nicht weiß, wann wir wieder arbeiten können. Andererseits hat man gar keine andere Wahl als sich auf das Gegebene einzulassen. Natürlich vermisse ich auch die Bühne und die Menschen, meine KollegInnen.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Ich finde es recht erstaunlich wie sehr man sich an diese außergewöhnlichen Zustände gewöhnen kann. Ich wusste schon lange nicht mehr, dass das Leben auch in seiner Langsamkeit sehr schön und bereichernd ist.

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt? Die Krise ist ja leider noch nicht vorbei, aber es ist so offensichtlich geworden, wie sehr Menschen andere Menschen brauchen. Der Begriff „Selbstverständlichkeit“ hat sich für mich maßgebend verändert.

Wird sich das Leben nach der Krise ändern oder werden wir so schnell wie möglich zum Status von davor zurückkehren (wollen)? Im Moment ist alles sehr ungewiss und ich denke auch, dass das sehr individuell ist, was jede/r aus der Krise mitnimmt. Ich möchte mir etwas von dieser Entschleunigung beibehalten. Das tut mir und meiner Familie gut.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind und unser Leben wieder normal läuft? Auf die Premiere von „Geheimnis einer Unbekannten“, die wir nicht spielen konnten, da die Regierung einen Tag vor der Premiere die ersten Maßnahmen gesetzt hat und im Theater in der Josefstadt seitdem nicht mehr gespielt wird. Jetzt warte ich sehnsüchtig darauf, dieses Stück auf die Bühne zu bringen.

 

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"Ich möchte etwas von dieser Entschleunigung behalten. Das tut mir und meiner Familie gut." © privat

Sonja Thoma, 58, Hairstylistin, Salon N°11

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Nach meinem Aufenthalt in Asien im Jänner hatte ich schon erste Kontakte mit den Auswirkungen des Virus in anderen Ländern. Gleich als klar war, dass Österreich nun auch betroffen ist, habe ich auf eine alsbaldige Ausgangssperre gehofft. Als der Salon zusperren musste, war ich beinahe erleichtert. Sicherheit steht für mich an oberster Stelle und mit einem beruhigten, aber auch einem weinenden Auge, habe ich den Salon zugesperrt. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, und plötzlich keine KundInnen mehr zu sehen und tagtäglich den Kontakt mit anderen auf das Mindeste zu beschränken, ist schon ungewohnt.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Wie schnell sich das Leben ändern kann und wie beängstigend schnell sich die ganze Welt ändern kann.

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt? Dankbarer zu sein für das, was wir tagtäglich erleben und noch mehr auf die Gesundheit zu achten und diese auch zu schätzen.

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"Sicherheit steht für mich an oberster Stelle und mit einem beruhigten, aber auch einem weinenden Auge, habe ich den Salon vorrübergehend zugesperrt." © privat

Luise Reichert, 29, Fotografin

Anfangs fand ich die Situation sehr beängstigend. Diese große Ungewissheit, wie es weitergehen wird, die ergriffenen Maßnahmen und Verbote waren für uns alle neu und ungewohnt. Da ich meiner Familie und natürlich auch meinen Freunden sehr nahestehe, war es zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig, nur über das Handy Kontakt halten zu können. Trotzdem bin ich dankbar, dass wir in einer Zeit leben, in welcher uns diese technischen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zur Verfügung stehen.

Letzten Endes habe ich mich recht schnell an die Umstellungen gewöhnt und versucht, die freie Zeit so zu nützen, dass mir die Tage nicht sinnlos vorkamen. Da ich als Mode- und Werbefotografin einen großen Teil meiner Arbeit von zuhause aus erledigen kann, hat sich diesbezüglich wenig für mich geändert. Mein Zuhause war schon immer gleichzeitig mein Büro und ich bin es somit gewohnt, auf dem Sofa Bilder zu selektieren oder Telefonate mit Kunden an meinem Esstisch zu führen.

Meine Kamera allerdings musste in ihrer Tasche bleiben und durfte nicht zum Einsatz kommen. Es fehlt mir sehr, zu fotografieren und dadurch meiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, weshalb ich hoffe, dass ich bald wieder hinter der Kamera stehen kann, um Fotostrecken zu produzieren.

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KREATIV-KOPF. Bleibt trotz Shooting- Stop hoffnungsvoll: die Wiener Fotografin Luise Reichert kann es kaum erwarten, wieder mit ihrer Kamera auszurücken. © privat

Eva Pölzl, 45, TV-Moderatorin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Am Anfang war ich wirklich besorgt. Als sich Mitte März abgezeichnet hat, dass sich unserer Leben grundlegend verändern wird, dass keine Kontakte möglich sind, dass die Schulen geschlossen werden, konnte ich mir kaum vorstellen, wie ich das alles machen soll. Da waren quälende Fragen; „Wie erkläre ich das meinem Kind?“, „Schafft meine 80-jährige Mutter das überhaupt?“ Mein großes Glück war, dass ich meine Arbeit weiterhin ausführen konnte und dass alle anderen Bereiche meines Lebens schnell gut organisiert waren.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Ich habe in Bezug auf meine Arbeit und die tägliche Sendung „Guten Morgen Österreich“ so schöne und wertschätzende Reaktionen erhalten. Die Menschen täglich in ihrem neuen Alltag, in der Zeit der Krise ein Stück begleiten zu dürfen, war für mich mitunter das Sinnvollste und Beste, das ich je gemacht habe. Privat hat mich mein zehnjähriger Sohn beeindruckt, dass er mit so viel Geduld und Gelassenheit unseren neuen Alltag meistert. Immerhin sind wir seit Mitte März rund um die Uhr zusammen. Meine persönliche Heldin ist meine Mutter. Dass sie mit 80 Jahren die Kraft, die Vernunft und die Freude entwickeln konnte, ihr gewohntes Leben auf ein Minimum zu reduzieren, finde ich mehr als beeindruckend. Ich bin ungemein dankbar für diese schönen Erfahrungen.

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"Ich freue mich auf jede Umarmung, jeden Kuss, jede Gemeinsamkeit und alle geteilten Freuden!" © privat

Cecilia Capri, 29, Gründerin „We Are Flowergirls“

„Was passiert mit meiner Brand? Müssen wir Mitarbeiter kündigen? Ist das der Beginn der Wirtschaftskrise auf die wir alle gewartet haben? Wie geht‘s meiner Oma, meinem Opapa? Bleiben die wohl zuhause? Wie lange geht das? War jetzt all die Arbeit, die Planung von Kooperationen und Events der vergangenen Monate für die Katz? Was tue ich jetzt als erstes, um gegenzusteuern? Ahhhh!

Wie kann ich diese ,Verlorene Zeit‘ nutzen? Ich muss was tun! ... Means: Pressure! ... Der Output war: Eine neue Firmenidee, neue Flowergirls-Kollektion, White Bungalow Interieur ab jetzt auch online mit Plan für einen neuen Webshop usw. usw. ... Nach zwei Wochen war einfach mal STOP! Ich kann nicht mehr! Eine Freundin sagte: ,Es ist für uns alle ein absolut unerwarteter Ausnahmezustand und unsere Reaktion ist, dass wir uns noch mehr unter Druck setzen als sonst.“ Und wir beide waren uns ziemlich schnell einig, dass Schokolade, Prosecco, Fernsehabende und Staub in den Ecken jetzt auch einfach mal okay sind ...“

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"Ist das der Beginn der Wirtschaftskrise auf die wir alle gewartet haben? Wie geht‘s meiner Oma, meinem Opapa?" © privat

Silvia Schneider, 37, Moderatorin & Designerin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Ja, es sind Beschränkungen, aber es ist auch eine Zeit der Entschleunigung und Kreativität. Ich war sehr produktiv in dieser Zeit und habe Projekte abgewickelt, die ich auf die lange Bank geschoben habe. Es war mir ein Anliegen, diese Zeit bestmöglich zu nutzen und das ist mir gelungen. Ich freue mich darüber.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Die Freiheitsbeschränkung. Das hat sehr demütig gemacht. Die Möglichkeit zu reisen, wohin man will und wann man will. Ich bin unendlich dankbar, dass das bisher kein Thema war und werde es zukünftig noch bewusster wahrnehmen.

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt? Zeit für sich selbst, für Dinge, die einen ohne Wert glücklich machen und einfach pures Glück darstellen. Lachen, malen, spazieren gehen, der Wald ... davon möchte ich auch in Zukunft mehr genießen.

Wird sich Ihr Leben nach der Krise ändern oder wollen Sie so rasch wie möglich zum Status von vorher zurück? Ich habe versucht, meine Arbeit so gut es geht aufrecht zu erhalten und das ist auch trotz der Beschränkungen geglückt. Ja, ich will zu einem Alltag zurück ... Auch wenn dieser in Zukunft viel bewusster gelebt werden wird.

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KREATIV. Silvia Schneider nutzt die Zeit u.a., um geplante Projekte in Angriff zu nehmen. © privat

Julia Henkel, 25, Pharmazeutin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Als Mitarbeiterin in einer Apotheke hat man im ersten Moment gar nicht viel Zeit, sich zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Priorität war es, die Arzneimittelversorgung aufrecht zu erhalten, Desinfektionsmittel herzustellen, Mangelware wie Gesichtsmasken zu organisieren.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Die Solidarität und der Zusammenhalt der Bevölkerung. Bis auf einige wenige Ausnahmen hat jeder seine eigenen Interessen zum Schutz der Bevölkerung hintenangestellt.

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt? Dankbar zu sein, für die Zeit die wir vor der Pandemie ohne die Einschränkungen genießen durften.

Wird sich das Leben nach der Krise ändern? Wir müssen verantwortungsvoll mit der neugewonnenen Freiheit umgehen, um keine zweite Infektionswelle zu riskieren.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind und unser Leben wieder normal läuft? Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen.

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"Bis auf einige wenige Ausnahmen hat jeder seine eigenen Interessen zum Schutz der Bevölkerung hintenangestellt." © privat

Niki Osi, 40, miss lillys hats“-Designerin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Komisch ist, dass ich keine Angst empfinde, viel weniger als zuvor. Ich nehme jeden Tag als Geschenk und habe das Gefühl, dass die Natur etwas durchatmen kann. Was schon so lange nötig war. Ich habe zudem kein Problem damit, zuhause zu sein, denn ich habe in mir eine große, bunte Welt und dadurch kann ich überall hin, wenn auch nicht physisch. Ich meditiere sehr viel und versuche den Menschen, die sich jetzt einsam fühlen oder Angst haben, viel positive Energie zu schicken. Beruflich lasse ich alles auf mich zukommen. Ich bin als kleine Selbstständige nicht abgesichert, aber solange man gesund ist, klappt alles schon irgendwie.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Der wunderschöne Zusammenhalt zwischen den Menschen.

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt? Die Wertschätzung für Menschen in Pflegeberufen oder etwa für Kassiererinnen hat oft gefehlt und ist jetzt da. Es ist eine Chance für Veränderung zu mehr Bewusstsein für uns alle.

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"Ich meditiere sehr viel und versuche den Menschen, die Angst haben, positive Energie zu senden." © privat

Donnaly, 38, & Martino, 47, Model-Paar

Wie erleben Sie die Coronakrise?

Donnaly: Die Coronakrise hat mich wie ein Blitz getroffen. Sie ist beängstigend, sowohl auf gesundheitlicher wie auf wirtschaftlicher Ebene. Die Angst, meine Liebsten zu verlieren, die zur Risikogruppe gehören, die Beschränkungen und die damit verbundene Sorge, meine Familie nicht besuchen zu können. Außerdem der berufliche Rückschlag: ich hätte gerade mit dem Job meines Lebens, mit der Arbeit für eine Luxusmarke, beginnen sollen, doch aufgrund der Krise wurde der Auftrag gecancelt. Das war ein Schock. Ich landete in der Arbeitslosigkeit und damit wuchs die Unsicherheit. Denn auch als Make-up-Artist werde ich länger nicht arbeiten können. Und die Model-Aufträge sind auch sehr gering.

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck?

Martino: Der Lockdown! Hilflosigkeit, und die Angst, dass es noch schlimmer wird. Die Furcht, dass Angehörige sterben. Die Einschränkung der Reise- und Bewegungsfreiheit ... furchtbar!

Was haben Sie aus der Coronakrise gelernt?

Donnaly: Dass Zusammenhalt das Wichtigste ist. Und dafür danke ich meinem Schatz Martino. Nur so bewältigt man schwierige Zeiten.

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LIEBE IN KRISENZEITEN. Wirtschaftliche Turbulenzen können Donnaly & Martino nichts anhaben: „Zusammenhalten ist das Wichtigste!“ © privat

Birgit Astl-Kurz, 51, Advertising Sales Executive

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie die Krise? Sie nimmt mir phasenweise die Luft zum Atmen, beschneidet mich auf bisher nicht gekannte, erschreckende Weise und fordert von mir – insbesondere als Mutter – oftmals im Minutentakt eine Reaktion. Jede bisherige Erklärung zu Multitasking ist meiner Ansicht nach mit Corona obsolet. 

Ich bin in der glücklichen und gleichzeitig surrealen Situation, genau zu Beginn des Lockdown einen neuen Job begonnen zu haben. Ich startete nahtlos im Homeoffice, was ich als selbständige PR-Beraterin wohl kannte, doch unter völlig anderen Umständen. Einschulen, Workflow, KollegInnen kennen lernen, erste Kundentermine wahrnehmen – das alles passiert jetzt online oder telefonisch. Strange sometimes ... Aber, und darüber bin ich zwischen Haushalt checken, Privatlehrerin sein, Bad-News-Flut verdauen, immens froh, ich habe einen wirklich vielseitigen Job mit langfristiger Perspektive und kann es nicht erwarten, KollegInnen und KundInnen bald kennen zu lernen! 

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"Jede bisherige Erklärung zu Multitasking ist meiner Ansicht nach mit Corona obsolet." © privat

Barbara Kaudelka, 39, Schauspielerin

Wie erleben Sie die Coronakrise?

Durchwachsen. Ich versuche diese Zwangspause für mich zu nutzen, indem ich viel schreibe, meine Fremdsprachenkenntnisse aufpoliere und mich weiterbilde. Einerseits genieße ich diese „me-time“. Andererseits will ich nichts beschönigen, denn die Kulturschaffenden sind mit brutalen Umständen konfrontiert: knallhartes Berufsverbot. Von heute auf morgen hundertprozentiger Ausfall. Dazu kommt die Unsicherheit, die sich durch den völlig unklaren Zeitrahmen und Gesamtverlauf ergibt. Wann sind Dreharbeiten wieder möglich? Wann kann man wieder „normal“ Theater spielen ohne Publikum und Ensemble zu gefährden? Kommen überhaupt Zuschauer, oder hält sie die Angst vor Ansteckung fern? Kann von heute auf morgen wieder alles zugemacht werden? Eine äußerst belastende Situation für die gesamte Kulturszene.

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"Ich will nichts beschönigen, denn die Kulturschaffenden sind mit brutalen Umständen konfrontiert: knallhartes Berufsverbot." © privat

Nika, 27, Sängerin & Songwriterin

Wie erleben Sie die Coronakrise? Für mich ist die Krise eine Chance, mich mehr meiner Musik zu widmen. Da alle Live-Gigs abgesagt sind, nutze ich die Zeit zum Schreiben und Reflektieren. So habe ich gleich zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen den Song „Es ist Okay“ veröffentlicht. Die Textzeile „Das ist meine Gelegenheit nach innen zu gehen, mich hinzugeben und anzunehmen“ lebe ich gerade in vollen Zügen. Nach mehr als fünf Wochen alleiniger Isolation in meiner Wohnung merke ich aber, wie sehr mir der nahe menschliche Kontakt fehlt. Alle paar Tage ein gemeinsamer Spaziergang auf Abstand mit Freunden, oder tägliche Telefongespräche sind zwar schön, aber stillen nicht mein Bedürfnis nach echter Nähe. Am meisten vermisse ich meine Familie, die in Oberösterreich lebt. Tägliche Routinen wie Meditation, Yoga, singen etc. schenken mir Energie, Motivation und Freude in dieser ereignislosen Zeit. Diese Routinen möchte ich auch danach so gut wie möglich mit in den Alltag nehmen.

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Die Songzeile "Das ist meine Gelegenheit nach innen zu gehen, mich hinzugeben und anzunehmen" aus ihrem neuen Lied „Es ist Okay“ lebt Nika in vollen Zügen. © privat

Juliane Redman-Hauser, Make-up-Artistin

Wie haben Sie die Coronakrise erlebt bzw. wie erleben Sie sie? Die Beschränkungen waren das Schlimmste. Zudem bin ich ein Familienmensch, jetzt meine Mutter nicht mehr umarmen zu können, ist sehr hart. Ich versuche daher die Zeit schön zu gestalten, beginne meinen Tag mit Yoga und Meditation. Zwischendurch male ich und zeichne.

Was haben Sie gelernt? Ich weiß jetzt mehr denn je, wie unglaublich wertvoll eine liebevolle Partnerschaft ist.

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"Ich weiß nun mehr denn je, wie wertvoll eine liebevolle Partnerschaft ist. " ©privat

Miriam Orth-Blau, 29, Sängerin & Schmuckdesignerin

Wie erleben Sie die Coronakrise? Ich habe gefühlt mehrere Jahre Schlaf nachgeholt und die Zeit für neue Musik genutzt, Home-Konzerte gespielt und meine lustigsten – darf man deppertsten sagen? – Snapchat-Filter-Clips erstmal auf Insta gezeigt. Die Freude war riesig, als ich doch viele damit unterhalten konnte!

Was hinterlässt den tiefsten Eindruck? Wie schnell es gehen kann, dass die Welt still steht. Was allerdings wirklich positiv war: ich habe meine lieben Nachbarn vom Haus gegenüber beim 18-Uhr-Klatschen von Fenster zu Fenster über die Wochen kennengelernt. Das wäre so wohl nicht passiert. Wir haben auch vor der Haustüre im Laternenlicht, natürlich mit Sicherheitsabstand, mein Cover zur neuen Single „Adrenaline“ geshootet, das war sehr stimmungsvoll und schön.

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"Ich habe meine lieben Nachbarn vom Haus gegenüber beim 18-Uhr-Klatschen von Fenster zu Fenster über die Wochen kennengelernt. Das wäre so wohl nicht passiert." © privat