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People | 16.05.2018

Nie lockerlassen

Aufsteigerin. Die neue SPÖ-Parteimanagerin ­Barbara Novak über das Prinzip „Ellbogen“, Feminismus und ihren Job, der zugleich ihr Hobby ist. Zeit bleibt da oft nur für die ­Rosen am Balkon. Der Talk.

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© Bubu Dujmic

Es war das intensive Gefühl der Ungerechtigkeit, das Barbara Novak direkt in die Arme der Gewerkschaft und dann naturgemäß in jene der Politik trieb. Die SPÖ-Parteimanagerin im Team von Michael Ludwig engagiert sich für Gleichberechtigung, kämpft für modernen Feminismus und versucht obendrein, Wien fit zu machen für das digitale Zeitalter. Im look!-Talk spricht die „Döblingerin“ (Novak ist im ­Bezirk auch politisch tätig) und studierte Sozi­ologin über den Umgang der Politiker mit Frauen in den eigenen Reihen und ihr Durchsetzungsvermögen.

look: Begleitet Sie die Politik schon Ihr Leben lang?

Barbara Novak: Ich habe bereits mit 15 Jahren begonnen, mich politisch zu engagieren, weil ich damals schon mit Ungerechtigkeiten ­konfrontiert war. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich beim
Donauinselfest, als ich ins Zelt der Eisenbahnergewerkschaft ging, um mich zu erkundigen, wie man denn Lokomo­tivführerin wird. Ein Gewerkschafter meinte: „Das ist eine schöne Idee, aber Frauen können so etwas nicht werden.“ Danach ging es schnell: Schulsprecherin, wenig später kam ich schon zur SPÖ.

 

Ein wichtiges Thema: Solidarität. Wie empfinden Sie die Solidarität unter Frauen in diesen Zeiten?

Solidarität ist keine Geschlechter­frage. Ich wünsche mir aber gerade ­unter Frauen Solidarität. Leider habe ich den Eindruck, dass die Emanzipa­tion der Frau und der Begriff Feminismus einen negativen Touch in unserer Gesell­schaft bekommen haben. Für mich sind Feministinnen Menschenrechtlerinnen. Männer haben seit vielen Jahrhunderten ­einen organisierten ­Zusammenhalt. Das müssen wir Frauen uns erst noch erarbeiten!

 

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"Feminismus hat so einen negativen Touch. Dabei sind Feministinnen Menschenrechtlerinnen." - Barbara Novak. © Bubu Dujmic

 Ist der neue Bürgermeister Michael Ludwig ein Feminist?

Er ist ein sehr emanzipierter Mann.  Es ist vollkommen selbstverständlich für ihn, dass die Zusammensetzung der nächsten Stadtregierung eine ausgeglichene Geschlechterquote hat.

 

Aber wie schwer ist es nach wie vor für Frauen, sich in der „Männerdomäne“ Politik durchzusetzen?

Man muss sehr darum kämpfen, als Frau ernst genommen zu werden. Es ist sehr frustrierend, wenn man sich
zu ­bestimmten Themen äußert und Männer reagieren gar nicht darauf, sondern ignorieren es. Da hartnäckig dranzubleiben und sich durchzusetzen ist nicht einfach. Ich bin mir ganz sicher, dass es gerade für Frauen wichtig ist, immer dranzubleiben und nie lockerzulassen.

 

Barbara Novak als Privatperson: Was tun Sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich gehe gerne eine große Runde spazieren. Immer an den gleichen Orten vorbei. Beim Heurigen treffe ich meistens Bekannte, dann plaudert man, trinkt ein Glas Wein und dann gehe ich wieder nach Hause. Und auf meinem Balkon habe ich ein paar Rosenstöcke, um die ich mich liebevoll kümmere.

 

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Gutes Team. Eine der ersten Personalent­scheidungen des künftigen Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig: Barbara Novak als Landespartei­sekretärin. © picturedesk.com

 War klar, dass Ihr beruflicher Einsatz in der Politik und Familie schwer kombinierbar sind?

Für mich war es selbstverständlich, dass ich abends beruflich unterwegs bin und am Wochenende zu politischen Veranstaltungen gehe. Es ist nicht nur mein Beruf, sondern gleichzeitig mein Hobby und etwas, was mich sehr erfüllt.

 

Wenn Sie ab morgen ein politisches Tool umsetzen könnten, welches?

Vollbeschäftigung! Ich möchte, dass alle Menschen einer Beschäftigung nachgehen können, bei der sie Würde und Identität verspüren und die sie erfüllt. Das wäre wunderbar!