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People | 18.01.2021

Polit-Profi im Hintergrund

Barbara Novak ist Landesparteisekretärin der Wiener SPÖ. Sie managte den Wahlkampf des Bürgermeisters und gilt als seine verlässliche Vertraute. look! sagte sie, was jetzt für Wien getan wird.

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© Dieter Steinbach

Aufs Rampenlicht verzichtet sie gern, Barbara Novak ist die starke Frau im Hintergrund. Die Landesparteisekretärin der SPÖ ist ein Polit-Profi, eine toughe Managerin und gilt als großartige Strategin. Ihr Arbeitsspektrum ist enorm, es reicht von Stadterneuerung bis zu Digítalisierung und internationalen Belangen. Zuletzt koordinierte die Parteimanagerin als Mastermind auch den Wahlkampf des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Ludwig, sie arbeitete an der Kampagne und am Wahlprogramm mit und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg Ludwigs und der SPÖ. Der Bürgermeister zollt ihr für den Arbeitseinsatz immer wieder höchstes Lob. Daher wurde auch vermutet, dass Barbara Novak in der neuen Stadtregierung einen Stadtratposten besetzen wird. Doch die 43-Jährige bleibt Landesparteimanagerin. „Und das sehr gern!“, betont sie, „Es gibt viel zu tun.“

Das Interview.


look!: Die neue Stadtregierung ist Rot-Pink – warum hat die SPÖ auf die Neos als Partner gesetzt und nicht mehr auf die Grünen?

Barbara Novak: Weil rasch klar war, dass wir mit den Neos ein sozial-liberales Fortschrittsprojekt schaffen können. Es gibt in sehr vielen Punkten Überschneidungen. Etwa beim Bewusstsein, dass das öffentliche Gesundheitssystem in Wien weiter ausgebaut werden muss, damit für die WienerInnen eine dem Wohnort nahe medizinische Versorgung möglich ist. Wir haben uns mit den Neos auch sehr schnell darauf verständigt, dass uns der Kampf um jeden Arbeitsplatz, die Konjunkturankurbelung und die Rettung der Wiener Betriebe ab sofort und in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen
muss. Beim Klimaschutz wollen wir gemeinsam noch einmal einen Zahn zulegen und werden zukünftig mit einem eigenem Klimaschutzgesetz als Stadt einen großen Beitrag leisten im so wichtigen Kampf gegen den Klimawandel. Wir wollen damit zeigen, wie intensiv wir die Klimaschutzpolitik vorantreiben werden. Wobei ich unbedingt festhalten will, dass Umweltstadträtin Ulli Sima in den vergangenen Jahren in diesem Bereich bereits extrem viel geleistet hat.

Corona-Pandemie, Terror – 2020 war kein leichtes Jahr. Was kann die Stadtregierung tun?

In Bezug auf Corona hat die Stadt sehr schnell finanzielle Mittel für die Forschung zur Verfügung gestellt, etwa für die Entwicklung des Gurgeltests und für die Impfstoffforschung. Das schreckliche Terror-Attentat war ein großer Schock. Es
wirft sehr viele Fragen auf, etwa, ob diese Tat hätte verhindert werden können. Die Stadt Wien hat keinen Einfluss auf das Innenministerium und den Staatssicherheitsbereich, wir können nur weiterhin am Zusammenhalt arbeiten, humanistische Werte vermitteln und aufklären, damit sich junge Menschen nicht von aggressiven politischen Organisationen missbrauchen lassen.

Welche Themen sind in den nächsten Jahren weiters wichtig für Wien?

Besonders wichtig ist, dass die Leistbarkeit des Lebens in Wien auch weiterhin garantiert ist. Dazu gehört u. a. der soziale Wohnbau, um den uns andere Großstädte beneiden, denn Wien hat mehr als 60 Prozent geförderte Wohnungen. In den nächsten Jahren sollen zu den mehr als 4.000 bereits auf Schiene befindlichen neuen Gemeindewohnungen 1.500 dazu kommen. – Leistbarkeit, (soziale) Sicherheit, Lebensqualität und Zusammenhalt sind und bleiben zentrale Themen.


Die Coronakrise hat vor allem Alleinerzieherinnen getroffen. Wie werden sie in den kommenden Jahren von der Stadt unterstützt?

Durch die Corona-Pandemie sind besonders Frauen von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen. Da werden wir durch entsprechende Maßnahmen gegensteuern. Ebenso wichtig ist leistbarer Wohnraum. Alleinerzieherinnen soll etwa künftig der Zugang zu einer Wohnung des sozialen Wohnbaus erleichtert werden. Um die Frauen zu unterstützen wird der Gratiskindergarten in Wien beibehalten. Außerdem haben wir die kostenfreie Ganztagsschule eingeführt. 70 gibt es bereits und jedes Jahr sollen zusätzliche zehn Standorte dazukommen, damit die Mütter die Möglichkeit haben,
Vollzeit zu arbeiten. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Frauengesundheit, auch die psychische, denn die Mehrfachbelastung geht oft auf Kosten der psychosozialen Gesundheit der Frauen. Ein zentrales Thema wird der Schutz vor Gewalt sein, auch vor Gewalt in den sozialen Medien, wie Cyber Mobbing. Sie sind Vollblut-Politikerin, bleiben aber stets nobel im Hintergrund. Haben Sie kein Interesse am Rampenlicht? Ich bin Politikerin aus Überzeugung, dazu gehört
auch, dass man persönliche Befindlichkeiten – und vor allem die persönliche Eitelkeit – hintanstellt, weil es um ein größeres Ganzes geht, in diesem Fall, den Bürgermeister und die Wiener Sozialdemokratie bestmöglich zu unterstützen.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2021?

Die Bewältigung der Corona-Pandemie – auch aus persönlichen Gründen. Ich bin ein sehr sozialer Mensch, meine Freunde sind der Rückhalt in meinem Leben. Social Distancing ist für mich ein Alptraum. Deshalb wünsche ich mir, dass wir uns bald wieder im Arm halten können. Und natürlich wünsche ich mir auch persönlich, dass die Folgen der Pandemie so rasch wie möglich bewältigt werden können, denn die Menschen leiden darunter. Und das nimmt mich auch mit,
es treibt mich als Politikerin an, etwas dagegen zu tun und den Menschen zu helfen.