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People | 17.05.2019

Stark & Unkonventionell

Carola Lindenbauer ist Chefin der Wiener Stadthalle. Im Interview spricht sie über die Vereinbarkeit von Karriere und Beruf –und über Kunst als Ausgleich.

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Bild mit Dame. Carola Lindenbauer in ihrem Haus in Niederösterreich, einem Baujuwel – mit höchst interessantem Interieur. © Stefan Joham

Sie ist fein und zierlich. Wie eine Elfe. Doch der Schein trügt ein wenig. Carola Linden­bauer, neue Chefin der Wiener Stadthalle, ist tough, wenn’s um ihren Job geht. Finanzstadtrat Peter Hanke streut ihr Rosen, eine ausgezeichnete Juristin, Immobilienexpertin und ein exzellenter Wirtschaftsprofi sei sie. Selbst sieht sich Mag. Carola Lindenbauer, 40, als unkonventionelle Juristin, vielseitig und erfahren in der Immobilienbranche.


Die kaufmännische Geschäftsführerin der Wiener Stadthalle wurde in Linz geboren und studierte in Wien Rechtswissenschaften. Nach mehreren Stationen bei Betrieben in der Wien Holding trat sie nun ihren neuen Job in der Wiener Stadthalle an. Entspannung zum stressigen Alltag findet sie in ihrem wunderbaren alten Haus in Niederösterreich, in dem sie ihre ­Leidenschaft für Kunst auslebt. ­Business look traf Carola Lindenbauer dort zum Interview.

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Refugium. Hier entspannt die kreative Chefin der Wiener Stadthalle. Von ihr restaurierte alte Möbel treffen auf moderne Kunst – ein sehr gelungenes Crossover. © Stefan Joham
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© Stefan Joham
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© Stefan Joham

B-look: Sie sind seit Jänner 2019 in Amt und Würden. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Carola Lindenbauer: Das waren wahnsinnig spannende erste Monate, weil die Wiener Stadthalle ein sehr ­interessanter „Unternehmensgegenstand“ ist. Er unterscheidet sich aber nicht so sehr von meiner bisherigen Tätigkeit, weil wir Raum für Veranstaltungen, Events, Kunst etc. vermieten. Vorher habe ich Raum fürs Wohnen vermietet. Ich habe ein tolles Team und die Wiener Stadthalle ist positiv assoziiert. Ich war auch früher selber auf vielen Konzerten hier.

 

Erinnern Sie sich an ein für Sie ganz besonderes Konzert?

Ja, zum Beispiel an Depeche Mode im Vorjahr. Nach der Pause ist eine ganz tolle Euphorie von der Bühne aufs Publikum übergesprungen! Ich bin in der Loge gestanden und habe laut mitgesungen.

 


Welches Konzert werden Sie sich heuer nicht entgehen lassen?

Mehrere! Elton John, Eric Clapton, Bryan Ferry und Ariana Grande.

 


Auf welche Highlights darf sich das Publikum sonst noch freuen?

Im Herbst kommt zum Beispiel David Hasselhoff, aber auch Chris de Burgh, die EAV, Herbert Grönemeyer und Cher. Wir haben einiges zu bieten!
Sie haben vorhin Ihr tolles Team ­erwähnt – wie sind die Aufgaben zwischen Ihnen und Ihrem Kollegen Wolfgang Fischer, ebenfalls Chef der Wiener Stadthalle, aufgeteilt?
Mein Bereich ist das Kaufmännische: Recht, Personal, Finanzen, Gastro, Ticketing und IT. Das Operative liegt im Bereich des Kollegen. Insgesamt arbeiten 136 Personen für die Wiener Stadthalle.

 

Wie ist Ihr Führungsstil?

Ich bin sehr anspruchsvoll, aber auch sehr, sehr menschlich und empathisch. Ich bin aber – bis zu einem ­gewissen Grad – auch ungeduldig.

 


Ist es schwer, sich in der Branche als Frau durchzusetzen?

Nein, es gab nie eine Situation, in der ich mir gedacht habe, dass ich mir als Mann leichter tun würde. Akzeptanz und Respekt waren immer da.

 


Gelingt es Ihnen immer, Familie und Job zu vereinbaren?

Wichtig ist gute Organisation. Aber natürlich musste ich meine Bedürfnisse hintanstellen, als mein Sohn noch kleiner war. Aber mit einem kleinen Kind lernt man, überall Zeit einzusparen. Und ich bin generell extrem effizient und erledige immer alles sofort, auch Kleinigkeiten. Mein Mann unterstützt mich sehr, wir haben uns das gut eingeteilt.

 


Sie sind sehr engagiert im Job. Was sind Ihre Visionen für die Wiener Stadthalle?

Grundsätzlich steht bei uns die Kontinuität im Vordergrund. Wir sind sehr gut gebucht, das Team ist mit den laufenden Veranstaltungen beschäftigt. Faszinierend sind die Vielfalt und die Ausgewogenheit. Es tut sich ständig etwas.

 


Was macht die Wiener Stadthalle als Veranstaltungsort besonders?

Die Lage mitten in der Stadt und die Architektur von Roland Rainer. Auch die Vielfalt ist interessant. Oft ist es so, dass in der Halle D ein Großkonzert stattfindet und in der Halle F gleichzeitig etwas Kleineres. Dann kommt man am Abend rein und merkt, dass sich die unterschiedlichen Interessengruppen im Foyer vermischen. Ich denke, dass sich Menschen auch danach sehnen, Dinge gemeinsam zu tun. Und so ein Live-Konzert ist ein echtes Gemeinschaftserlebnis.

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© Stefan Joham

Ihr Karriereweg ist beachtlich: ­Juristin, Prokuristin, u. a. Geschäftsführerin des Tech Gate und Universitätsrätin an der Musik und Kunst ­Privatuniversität der Stadt Wien. Was ist Ihr Antrieb?

Ich will mich immer weiterentwickeln und verschiedene Facetten des Lebens spüren und erleben. Ich ­möchte nie stehen bleiben, sondern neue Menschen und Themenfelder kennenlernen. Ich habe gerne Verantwortung, schaffe mir aber auch immer einen Ausgleich.

 


Ihr Ausgleich ist die Kunst?

Ja. Im Beruf muss ich straight und rational sein. Umso mehr brauche ich in der Freizeit das Gegenteil. Ich male, ich fotografiere und mache auch Skulpturen. Im Keller meines Hauses habe ich viele alte Sachen vorgefunden, die ich restauriert oder in Kunstwerke verwandelt habe. Ich gehe aber auch gerne laufen und bin am Wochenende oft in der Natur. Und ich mache in meinem Haus sehr viele Arbeiten selbst.

 


Welche zum Beispiel?

Ich habe etwa die Möbel restauriert. Die alte Tapete wollte ich lassen, weil sie signifikant ist. Allerdings war sie an manchen Stellen beschädigt. Also habe ich mit Modernem, etwa Zeitungsausschnitten, collagiert. Über Steckern und Verteilern im Haus habe ich Installationen mit Haaren angebracht. So wird die Biederkeit aufgehoben und ein Spannungsfeld erzeugt. Aber neben meiner eigenen Kunst habe ich auch Werke von befreundeten Künstlern. Eines meiner Lieblingsstücke ist ein Foto meiner Wohnung in Wien. Und ich habe auch noch eine Flamingo-Lampe mit ­Federn, die sich sehr gut macht.

 


Welche Künstler schätzen Sie?

Mir gefallen Künstler, die bei mir ein Gefühl auslösen, die mich berühren. Das kann durchaus auch verstörend sein. Was ich nicht mag, ist ­besonders Gefälliges.

 


Kann man Ihre eigenen Werke auch öffentlich bewundern?

Ja. Im Sommer stelle ich im 5er Haus in Reichenau an der Rax aus. Im Looshaus in Wien gibt’s im Juni einen Frauensalon, da bin ich auch dabei.

 


Haben Sie einen Leitsatz, der Sie schon Ihr ganzes Leben begleitet?

Für mich gilt immer: Ich versuche stets, mir selbst so wenig wie möglich im Weg zu stehen.

Text: Claudia Hilmbauer/SM