Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 11.03.2020

Tanzen muss berühren

Mauro Bigonzettis Ballett „La Piaf“ feiert in der Volksoper Premiere. Primaballerina Nina Poláková, die auch beim Opernball begeisterte, ist eine der Hauptakteurinnen.

Bild ATI03193_Polakova_Andreas Tischler:Vienna Press.jpg
© Andreas Tischler/Vienna Press

Ihr Leben eigne sich perfekt für die Ballettbühne, war der italienische Choreograf und Tänzer Mauro Bigonzetti von Anfang an überzeugt, denn es beinhalte alles: Freude und Glück, aber ebenso Leid und Tragödie. Edith Piaf vereine so viele Facetten in einer Person, dass er ein Stück über sie machen musste, verriet er in einem Interview mit der „Volksoper Zeitung“. Um die Vielseitigkeit dieser großartigen Chansonette und faszinierenden Frau einzufangen, porträtieren sie daher gleich zwölf Tänzerinnen des Wiener Staatsballetts. Eine davon ist die gebürtige Slowakin Nina Poláková, seit 2011 auch Erste Solotänzerin des Hauses. 

Traumkarriere. Die Absolventin des Tanzkonservatoriums Bratislava wurde 2003 als Solistin an das Ballett des Slowakischen Nationaltheaters engagiert, dennoch machte sie sich zwei Jahre später in Richtung Wiener Staatsoper auf, wo sie zwar gleich aufgenommen wurde, aber quasi wieder bei Null begann. Die mehrfach ausgezeichnete Primaballerina, die bereits auf ein extrem umfangreiches Repertoire blicken darf – von Nurejews „Raymonda“ über MacMillans „Manon“ bis zu Tschernischovas „Giselle“ und Nurejews „Schwanensee“ – freut sich auf die Premiere dieses zeitgenössischen Stücks, für die Bigonzetti eine ganz spezielle Liedauswahl getroffen hat. 

Musik als Elixier. Da die Musik Piafs Leben war, entschied er sich nur für Chansons und Werke von französischen Komponisten – ein kleiner Exkurs in das vergangene Jahrhundert französischer Musik. Eine Auswahl, der auch Poláková sehr viel abgewinnen kann, geben sie ihr doch erneut die Möglichkeit, viel Emotionen darzustellen. „Man muss mit großem Enthusiasmus dabei sein, der Zuseher spürt das. Nur perfekte Bewegungen bzw. Technik genügen heute längst nicht mehr“, sagt die Tänzerin, die vor kurzem bei „Onegin“ sogar Tränen in den Augen hatte. Weil das Stück eben sehr gefühlsbetont sei und die Liebe am Ende keinen Platz mehr habe.

Bild La Piaf-2285.jpg
PERFEKTIONISTIN. Szenenfoto von Nina Poláková in einem Kostüm für "La Piaf" in der Volksoper © Volksoper Wien/ Johannes Ifkovits

Das Interview

look!: Sie haben schon sehr viele große Partien getanzt, vor allem klassische. Freuen Sie sich auf Bigonzettis Hommage an Édith Piaf?

Nina Poláková: Ja, sehr, denn „La Piaf “ wird auch sehr ausdrucksstark. Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und wunderbare Frau. Und schon meine erste Zusammenarbeit mit Mauro Bigonzetti in einem seiner Stücke hat mir sehr gefallen, weil wir viel von uns zeigen durften. Das Publikum war berührt, denn es hat Emotionen gespürt.

 

Sind Tänzerinnen auch Schauspielerinnen?

Wenn Sie ein Stück mit drei verschiedenen Tänzern sehen, erleben Sie es vermutlich dreimal auf eine andere Weise. Tanzen ist nicht Zirkus, sondern eine Kunst. Es genügt nicht, sich perfekt und fehlerfrei zu bewegen, sondern man muss bzw. sollte auch etwas aus sich selbst herausbringen. Sich der Musik und seinen Gefühlen ganz hingeben. Herz und Seele müssen dabei sein.

 

Welche Bedeutung hat Ballett eigentlich in Wien?

Dank dem Staatsopern-Direktor Dominique Meyer und Ballett-Chef Manuel Legris hat sich das Ansehen des Balletts und auch das Interesse dafür in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Mit Paris lässt sich Wien natürlich immer noch nicht vergleichen, denn dort sind die Tänzer richtige Stars. Ebenso in Moskau. Auch bei unseren Auftritten in China oder Japan stehen die Menschen Schlange für ein Autogramm oder ein Selfie. Zudem überreichen sie uns kleine Geschenke. Man fühlt sich dort also sehr willkommen.

 

Wien holt aber auf?

Ja, und jeder, der einmal eine Ballettvorstellung besucht hat, ist begeistert, weil Tanzen universell verständlich ist. Man braucht den Text nicht zu kennen und weiß dennoch, worum es geht. Die Vorstellungen – von modernen bis zu klassischen Stücken – sind auch alle mehr oder weniger ausverkauft.

 

Was ich immer schon wissen wollte:Wie diszipliniert müssen Sie beim Essen sein? 

Gar nicht (lacht). Eher das Gegenteil ist der Fall. Wir müssen aufpassen, dass wir genügend zu uns nehmen, damit wir nicht an Kraft verlieren. Das viele Training verbrennt enorm viele Kalorien. Viele wundern sich daher immer, wenn sie mich Schinken, Speck oder ein Wiener Schnitzel essen sehen.

 

Wie sieht der Alltag einer Primaballerina aus? Vermutlich den ganzen Tag trainieren …

Mehr oder weniger. Das Training beginnt um zehn Uhr und dauert – mit einer Pause – bis halb sechs am Abend. Einziger freier Tag ist der Sonntag, sofern man keine Vorstellung hat. Und das genieße ich dann auch sehr (lacht).

 

Und wenn Sie einmal tatsächlich frei haben …

… dann gehe ich in die Berge, um zu wandern. Ich liebe die Nähe zur Natur und diese Stille.

 

Wann haben Sie gespürt, dass Sie Tänzerin werden möchten?

Ehrlicherweise muss ich gestehen, nicht von Anfang an. Ich komme aus Trnava, einer kleinen Stadt in der Slowakei, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand sein Geld mit Ballett verdient (lacht). Ich habe aber – wie so viele kleine Mädchen – zu tanzen begonnen und war sofort derart begeistert, dass ich – nachdem ich eine durchaus strenge Aufnahmeprüfung absolviert hatte – mit zehn in ein Internat ging, wo man ernsthaft trainierte. Dort erfährt man dann auch, ob man Talent besitzt. Oder eben nicht.

 

Wie verwöhnen Sie sich bzw. Ihre Füße nach einem harten Arbeitstag?

Mit Massagen, warmen, entspannenden Bädern und natürlich ausreichend Schlaf, der genauso wichtig ist für ein richtiges Training wie Vitamine, Mineralien und bewusste Ernährung.

 

Wovon hängt es hauptsächlich ab, wie lange man tanzen kann?

Es sind mehreren Faktoren. Zum einen spielen die Gene eine Rolle, zum anderen auch Ernährung, das richtige Training und die Unfälle bzw. Verletzungen, die man hatte. Tanzen erfordert permanente Konzentration. Einmal nicht achtgeben und schon kann etwas passieren.

 

In Ihrem Beruf muss man vermutlich unweigerlich Perfektionistin sein …

Angesichts der vielen Konkurrenz, natürlich. Ich selbst bin fast nie zufrieden mit mir. Wir bereiten uns oftmals monatelang auf eine Vorstellung vor, geben nicht 100, sondern 1.000 Prozent, aber es ist dennoch nie Automatismus. Jeder Abend verläuft anders. Eine Herausforderung, aber eine, die mich glücklich macht.

Bild 20200220_PD14053.HR_Nina Polakova_picturedesk.com.jpg
ATEMBERAUBEND. Nina Poláková und Manuel Legris bei der Eröffnung des Opernballs. © APA/picturedesk.com