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People | 11.04.2018

Was für eine Frau!

Grandios. Volksopern-Star Rebecca Nelsen brilliert ab 14. April in Gavin Bryars’ Kammeroper „Marilyn Forever“ im Kasino am Schwarzenbergplatz. Für die gebürtige Texanerin eine große Ehre.

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"Eindimensionale Frauen spielen zu müssen, ist seelentötend." - Rebecca Nelsen. © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Nach dem gelungenen Ein­stand im Kasino am Schwarzenbergplatz in der vergangenen Saison feiert nun mit „Marilyn Forever“ die zweite Volksopernproduktion an dieser Spielstätte Premiere. Ein Stück, das man gesehen haben muss, wie die Hauptdarstellerin und Sopranistin Rebecca Nelsen schwärmt, denn diese 2013 in Kanada uraufgeführte Kammeroper des englischen Komponisten Gavin Bryars ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die Marilyn Monroe vor allem als Menschen mit all ihren Ängsten und Sehnsüchten zeigt.

Herausragend. Die gebürtige Texanerin, die in Wien Gesang studierte und seit 2012 Volksopern-Ensemblemitglied ist, freut sich auf ihren Auftritt als Marilyn. Denn die Frau hinter der Sex­bombe war noch viel spannender und größer als jede Figur, die sie auf der Leinwand je verkörpert hat. Zudem darf Nelsen, Tochter eines Jazzmusikers, auch endlich wieder einmal Jazz singen.

 

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eyecatcher. Rebecca Nelsen trägt ein dunkelblaues Kleid von Joseph Ribkoff um € 339,95 sowie Schmuck von Sence Copenhagen (alles erhältlich bei C.G. Mode Charme & Glamour, Währinger Straße 138, 1180 Wien). © Bubu Dujmic


look: Sie schlüpfen in die Rolle der Monroe ...

Rebecca Nelsen: Ja! Marilyn zu spielen ist eine große Ehre, vor allem für mich als Amerikanerin, denn ich bin mit dieser Legende aufgewachsen. Was besonders toll ist – sich mit dem Menschen hinter dem Star vertraut zu machen.

 

Wie schaffen Sie das?

Ich habe mir sehr viele Interviews besorgt, vor allem auch jene, die sie gegen Ende ihrer Karriere gegeben hat und in denen sie sehr ehrlich auch über ihre dunklen Seiten und ihre Depres­sionen redete. Und darüber, dass sie diese Seiten nie zeigen durfte, weil es nicht zu ihrem Image gepasst hat. Einmal etwa erzählte sie von ihrer Sehnsucht nach Privatsphäre und wie wichtig das Alleinsein für sie war,um zur Ruhe zu kommen.

 

Man drängte sie in die Rolle des dümmlichen Sex-Symbols, das sie aber nicht war ...

Überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie war eine Frau mit großem Hunger nach Wahrheit, was ja u. a. auch für ihre Intelligenz spricht. In einer Szene z. B. sieht man sehr gut, wie sie im Scheinwerferlicht den Schalter umlegt. Sie kommt alkoholisiert auf die Bühne und sofort wird sie zu der Frau, die alle gekannt und gewollt haben. Sie rettet sich aus ihrer Depression, indem sie auf der Bühne Marilyn wird. Aber das Stück behandelt ebenso ihre Beziehung zu Arthur Miller bzw. zu Joe DiMaggio, der sie sogar geschlagen hat, sowie ihre großen Verlustängste, welche mit ihrer Kindheit – sie wuchs u. a. bei verschiedenen Pflegefamilien auf – zusammenhängen. Zerbrochen ist sie meiner Meinung nach daran, dass sich ihr Wunsch nach Muttersein nicht erfüllte. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten.

 

 

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Top. Die Volksopern-Beauty in Joseph Ribkoff: rotes Shirt mit Spitze um € 139,95, Hose um € 179,9, schwarzer Ledergürtel um € 9,90; Schmuck: Sence Copenhagen. Alles erhältlich bei C.G. Mode Charme & Glamour. © Bubu Dujmic

Sie scheinen einen sehr speziellen Bezug zu MM zu haben?

Ja, denn meine Mama hat eine ähnlich schwere Kindheit erlebt wie Marilyn, also auch mit einer abstinenten und kranken Mutter. Ihre Rettung aus dieser Situation für sie war mein Vater, und natürlich Mutter zu werden: Darum hat sie sieben Kinder!

 

Wie kommt eine Texanerin eigentlich zum Opernstudium nach Wien?

Bei einem Wettbewerb an unserem Gymnasium wollte ich – damals 18 – nicht auf meiner Trompete spielen, sondern mal eine Arie singen. Und der Mann unserer Pianistin war Gesangslehrer, der mir eine Stunde Unterricht gab. Als ich den Wettbewerb gewann, meinte mein Professor, ich müsste Sängerin werden. Daher bekam ich auch ein Fulbright-Stipendium und reiste nach Berlin, wo mich ein Taxifahrer, der zufällig mein Gespräch mit einer Freundin belauschte, fragte: „Sie wollen Oper studieren und gehen nicht nach Wien?“ Also fuhr ich nach Wien, studierte – und blieb.