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People | 07.11.2018

„Wenn dir ein Kind ein Lächeln schenkt ...“

Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer leitet das Kinderhospiz MOMO. Sie betreut unheilbar kranke Kinder daheim und begleitet sie beim Sterben. Diese Ausnahme-Frau wird nun mit dem „Women of the Year Award“ ausgezeichnet.

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Ärztin aus Leidenschaft: Erfolg bedeutet für Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer „dass meine Arbeit Sinn macht“. © Stefan Diesner

Den ersten mit look! vereinbarten Termin sagt Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer kurzfristig ab. Sie und ihr MOMO-Team werden von einer Familie gebraucht – ein unheilbar krankes Kind kommt aus dem Spital zum Sterben nach Hause ...

Seit 2013 leitet die 53-jährige Fach­ärztin für Kinderheilkunde das mobile Kinderhospiz MOMO. Davor war sie mehr als 20 Jahre am Wiener St. Anna Kinderspital tätig, mit dem Spezialgebiet der Onkologie. Stets stand auch in ihrem Fokus, dass schwerstkranke Kinder viel Zeit daheim bei ihrer Familie verbringen dürfen, und dass sie auch zu Hause sterben können, wenn das ihr Wunsch ist. Das bedeutete auch, dass diese Kinder und deren Familien daheim betreut werden müssen. Langsam reifte in Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer die Idee eines mobilen Kinderhospizes. Vor sechs Jahren wurden Caritas, Caritas Socialis und MOKI-Wien bei der Ärztin vorstellig. Sie entwickelte ein Konzept und übernahm die Leitung des mobilen Kinderhospizes MOMO. Namensspenderin ist Momo, das kleine Mädchen aus ­Michael Endes gleichnamigem Roman.


Dr. Kronberger-Vollnhofer: „Sie hat viele Eigenschaften, die in der Hospiz- und Palliativbetreuung ganz wichtig sind: Sie liebt die Menschen, ist eine gute Zuhörerin und hat eine besondere Beziehung zur Zeit.“


Insgesamt sind 64 MitarbeiterInnen – davon 50 ehrenamtlich – für MOMO im Einsatz: Ärzte, Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Psychologen, Physiotherapeuten. Sie alle helfen Familien mit schwerstkranken Kindern, den Alltag zu bewältigen. Etwa 60 Familien werden derzeit im Großraum Wien betreut.

Intensive Momente. Das Spektrum der betreuten Kinder und deren Familien ist breit: 24-Jährige, die aufgrund ­ihrer Erkrankungen weiterhin im Kinderbereich betreut werden, erfahren ebenso Unterstützung wie werdende Mütter und ihre ungeborenen Kinder.


„Wenn etwa festgestellt wird, dass das Ungeborene an einer schweren Krankheit leidet und nicht sicher ist, dass es lebend zur Welt kommt, betreuen wir die Mütter – und auch die Geschwister. Wir ­bereiten sie etwa darauf vor, dass ein Baby, auf das sich alle gefreut haben, vielleicht nicht nach Hause kommt, und erklären auch, warum das so ist.“


Ständig ist Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, in ihrem Beruf mit Leid und Trauer konfrontiert.

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Berührend: Die Ärztin und eine kleine Patientin: „Manche Kinder öffnen sich und sprechen mit mir über ihre Krankheit und übers Sterben.“ © Stefan Diesner

„Aber wir alle, die wir für MOMO arbeiten, erleben vielmehr schöne und fröhliche Momente. Wir sind in einem Grenzbereich tätig, an der Grenze vom Leben zum Sterben. Aber dort ist eben nicht nur der Tod, sondern vor allem auch ganz intensives Leben. Selbst die ganz traurigen Momente, wenn ein Kind im Sterben liegt und die Familie Abschied nimmt, sind nicht nur schrecklich. Da gibt es oft auch viele positive Emotionen, deshalb sind auch diese Situationen nicht ausschließlich belastend. Ich werde da auch sehr beschenkt und emotional sehr berührt.“


Immer wieder gibt es extrem intensive Momente für die Ärztin: „Etwas ganz Besonderes ist es etwa, wenn ein Kind sich öffnet, weil es Vertrauen zu mir hat und mit mir über seine Krankheit oder den Tod spricht. Denn die Kinder wissen ganz genau, dass sie sterben werden. Viele machen sich auch Sorgen um ihre Eltern.


Kinder, die nicht sprechen können – entweder weil sie noch zu klein sind oder weil sie aufgrund ihrer Erkrankung kognitiv eingeschränkt sind – schenken mir manchmal einen gewissen Blick oder ein Lächeln – oder auch eine Träne. Das sind wirklich berührende ­Momente, weil zwischen diesem Kind und mir ­gerade etwas ganz Besonderes passiert.


Die Frage nach dem Warum, nach der Sinnhaftigkeit des Leides, stellt sie sich manchmal dennoch.
„Ich bin ein sehr spiritueller Mensch, deshalb kommt natürlich auch die Frage nach dem Warum hoch. Aber ich halte mich nicht damit auf. Ich konzentriere mich lieber darauf, zu helfen und zu unter­stützen“, so die Ärztin.


Auszeichnungen für ihre Tätigkeit für das Kinderhospiz MOMO hat Martina Kronberger-Vollnhofer bereits reichlich erhalten.
„Ich nehme diese Preise und Ehrungen stets für das ganze Team in Empfang. Und für die Familien, in denen wir arbeiten. Jede einzelne dieser Mütter ist eine ,Woman of the Year‘.“
 
MOMO Spendenkonto/Erste Bank
Wiens mobiles Kinderhospiz MOMO
AT57 2011 1822 1426 4500