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People | 13.03.2018

What a man!

Schauspieler mit Schmacht-Faktor: Murathan ­Muslu wechselte von der Baustelle zum Filmset – und brilliert in seinen Rollen. Er zählt zu den Gefragtesten seiner Branche. look! traf den kernigen „Vorstadtkerl“ zum Interview

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© ORF/Thomas Ramstorfer

Überbreite Schultern, ein Hauch von etwas Schurkigem und diese blitzenden ­Gletschersee-Augen, die einen förmlich durchdringen: Wenn ein heimischer Darsteller vor Sex-Appeal strotzt, dann ist es Murathan Muslu. Ganz ohne Schauspielausbildung gelang dem 36-jährigen Wiener mit türkischen Wurzeln mit der Hauptrolle im Sozialdrama „Risse im Beton“ 2015 der große Durchbruch. Seine Performance wurde prompt mit dem österreichischen Filmpreis für den besten männlichen Schauspieler des Jahres ausgezeichnet. Den Job auf der Baustelle hängte Muslu an den Nagel, denn seither mischt er in der deutschsprachigen Filmszene ordentlich mit. Selbst Oscar-Regisseur Michael Haneke zeigt sich fasziniert von dem ungewöhnlichen Schauspiel-Talent und vergleicht Muslu mit Marlon Brando und Javier Bardem. Der stolze Otta­kringer nimmt seinen Erfolg aber mit Bescheidenheit. Interviews gibt Muslu nur ungern, auch hält er sich über sein Privatleben bedeckt. Wir konnten ihm aber doch einiges entlocken ...

 

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Coffee Date. Er wirkt nicht nur im Film extrem cool, er ist es auch im wahren Leben: das Schauspiel-Genie im Talk mit Redakteurin Moni Kulig im Cafe „Go West“. © Stefan Joham

 

look: Wie kommst du mit dem Ruhm zurecht?

Murathan Muslu: Ich bin ein bodenständiger Typ und will einfach nur gute Filme drehen. Ich wohne noch immer in Ottakring und will da auch nicht weg. Den Leuten ist es egal, ob du in Filmen spielst oder nicht. Und als Schauspieler hab ich mich ohnehin nie gesehen.

 

Wie bereitest du dich auf deine ­Rollen vor?

Leider nicht so intensiv wie ich gern würde. Die Dreharbeiten werden oft so kurzfristig angesetzt, dass man ­happy sein muss, den Text auswendig lernen zu können. Du beschäftigst dich natürlich mit deiner Figur, aber es bleibt ­einfach nicht viel Zeit. Das finde ich ein bisschen schade.

 

Was ist die größte Faszination an der Schauspielerei?

Wenn der Film klappt. Es ist das Schönste, wenn man den Kinosaal mit einem guten Gefühl verlassen kann. Es geht dabei gar nicht um mich, ich will einfach nur meine Arbeit gut machen.

 

Wie war der kleine Murathan?

Der kleine Murathan war immer sehr still und introvertiert. Und er wollte Fußballer werden.

 

 

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Frauenschwarm. In der Erfolgsserie "Vorstadtweiber" ist er der heimliche Star: Muslu als windiger Krankenpfleger Milo, hier mit Doris Golpashin. © ORF/Thomas Ramstorfer

Was war dein Lieblingsfilm als Kind?

Wir hatten früher nur ORF. Ich hab jeden Tag Walter Schiejok mit „Schiejok täglich“ geschaut, während ich halbherzig meine Hausübungen ­geschrieben hab (lacht).

 

Vor allem bei Frauen kommst du gut an. Stört dich das, wenn man dich als „Sexobjekt“ sieht?

Ist das wirklich so? Ich hab doch zerschlagene Frontzähne. In Ottakring findet mich keiner sexy. Das ganze Projekt „Vorstadtweiber“ müsste mich ­dann stören, da geht’s halt nur um Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll.

 

Wie viele unmoralische Angebote hast du schon bekommen?

Komischerweise früher mehr als heute. Da hab ich noch Musik gemacht. Eine Dame hat mir über Facebook mitgeteilt, dass sie ein Kind von mir haben will. Das fand ich sehr lustig.

 

Dein Kraftort in Wien?

Das wäre der Stillfriedpark, in der Nähe von dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich verbringe da gern ein paar ­ruhige Momente. Manchmal auch um drei Uhr früh, wenn ich nicht schlafen kann.

 

Und wenn du mal einen drehfreien Tag hast ...?

Ich spiele leidenschaftlich gerne Poolbillard. Ansonsten versuche ich, Ideen für Drehbücher zu sammeln. Ich bin privat ein Langweiler (lacht). Und ich bin der weltbeste Palatschinkenkoch!